Martin Blum oberster Wiener Radfahrer

Mehr als 440 Bewerbungen hat es für den Ende Juni ausgeschriebenen Posten des Radverkehrs-Beauftragten der Stadt Wien gegeben. Geworden ist es Martin Blum, der bisher als Verkehrsexperte für den Verkehrsclub Österreich tätig war.

Martin Blum

VCÖ

„Es ist mir sehr wichtig, den Ausbau des Radverkehrs in Wien möglichst reibungslos zu organisieren“, formulierte der 35-jährige Blum eines seiner Ziele. Es gehe darum, dem Radverkehr die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, dabei aber nicht die anderen Verkehrsteilnehmer aus den Augen zu verlieren. Blum will erreichen, dass noch mehr Menschen in Wien auf das Fahrrad umsteigen, „dass Radfahren richtig populär wird und sich eine lebende Fahrradkultur entwickelt“.

In der Wiener Verkehrspolitik ist Martin Blum kein Unbekannter. Als Chef der Verkehrspolitischen Abteilung beim Verkehrsclub Österreich (VCÖ) war er in den letzten neun Jahren intensiv auch mit dem Thema Radfahren beschäftigt und in zahlreiche Projekte und Planungen eingebunden.

Blum hat an der Universität für Bodenkultur Wasserwirtschaft und Kulturtechnik studiert. Amtsantritt für den ehemaligen Fahrradboten in Graz als Radverkehrsbeauftragter ist der 1. November.

Im rot-grünen Koalitionsabkommen vereinbart

Die Schaffung eines Radbeauftragten für die Stadt hatten SPÖ und Grüne in ihrem Koalitionsabkommen vereinbart. Als Aufgaben sind unter anderem vorgesehen:

  • Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr
  • Anlaufstelle für Radfahrorganisationen
  • Organisationen von Rad-Veranstaltungen
  • Konzeptentwicklung für mehr und besseren Fahrradverkehr in Wien
  • Schnittstelle zwischen Radfahrern und Rathaus
  • Partnerschaften mit Firmen und Institutionen

Ziel der rot-grünen Stadtregierung ist es, den Anteil an Radfahrern im Wiener Verkehr bis zum Jahr 2015 zu verdoppeln. Er soll dann zehn Prozent betragen. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen ist überzeugt, dass das zu schaffen ist: „Dafür sind jetzt mit der neuen Radagentur mit Martin Blum an der Spitze die Weichen gestellt.“

Die neue Radagentur, eine GmbH, befindet sich im 100-prozentigen Besitz der Stadt Wien. Im Oktober soll sie im Gemeinderat beschlossen werden. Angesiedelt wird sie in der MA 28, Straßenverwaltung und Straßenbau. Das Budget für 2012 beträgt 700.000 Euro, weitere Geldmittel müssen jeweils vom Verkehrsausschuss genehmigt werden.

Blum an Spitze der neuen Radagentur

In der neuen Radagentur stehen Blum Susanne Reichard und Peter Eschberg zur Seite. Die frühere Bezirksvorsteherin auf der Wieden und „langjährige begeisterte Radfahrerin“ Reichard wird für den Kontakt zu den Bezirken zuständig sein. Sie spricht sich für ein Miteinander aller Verkehrsteilnehmer aus. Man müsse wegkommen vom Glaubenskrieg der Radfahrer gegen den den Rest der Welt und umgekehrt, so die 48-Jährige. Der 44-jährige Eschberg, der bisher für die Grünen die Radrettung organisierte, wird schwerpunktmäßig Veranstaltungen organisieren. Sein Ziel ist es, die Stimmung für die Radfahrer zu verbessern, aber auch jene zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern.

Der neue Posten eines Radbeauftragten der Stadt Wien hat übrigens keine Konsequenzen auf den Radwegekoordinator Franz Blaha. Er wird sich weiterhin um den Ausbau der Radinfrastruktur in der Stadt kümmern.

Mahnende Worte in den Reaktionen

Für den Koalitionspartner der Grünen, die SPÖ, wünschte Gemeinderat Siegi Lindenmayr dem Team einerseits viel Erfolg. Blum sei ein ausgewiesener Experte, Reichard sei schon früher durch umweltfreundliche Verkehrsprojekte aufgefallen. Andererseits waren auch mahnende Worte zu hören. Es brauche einen ausgewogenen Umgang mit allen Verkehrsteilnehmern und keine Polarisierung durch verordnete Hüftschüsse, so Lindenmayr.

Die FPÖ kritisierte die Personalauswahl. Verkehrssprecher Toni Mahdalik sprach von „vom Wiener Steuerzahler entlohnten Radgurus“. Alle drei seien „behände auf das rot-grüne Versorgungskarussell aufgesprungen, das sich im Rathaus immer schneller dreht“.

ÖVP-Landesgeschäftsführer Alfred Hoch sprach von einem guten Team. Doch es sei wichtig, dass bei der Verkehrsplanung auch über den eigenen Tellerrand hinausgeblickt werde. Es gehe um ein „faires und gutes Miteinander auf Wiens Straßen“.

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