E-Medikamentation: Ärzte zögern

Nur schleppend läuft das Pilotprojekt zur E-Medikamentation wieder an. Nachdem rechtliche Mängel an dem Projekt beseitigt wurden, ist jetzt von einem „zögerlichen Neustart“ die Rede. Ab Oktober soll es wieder in vollem Umfang laufen.

Das Pilotprojekt ist „noch nicht richtig wieder angelaufen, aber es gibt wieder Aktivität“, sagte der im Hauptverband stellvertretende Generaldirektor Volker, Schörghofer. Trotz der „Nein“-Empfehlung der Wiener Ärztekammer für Wien, habe es auch in den Projektgebieten der Stadt wieder Aktivität gegeben. 80 Verordnungen und 15 Abgaben von Medikamenten seien in der vergangenen Woche registriert worden - und damit rund die Hälfte aller Aktivitäten im Rahmen des gesamten Pilotprojekts. „Nicht alle, aber einige Ärzte in Wien werden mitmachen“, so Schörghofer.

Österreichweit wurden in der vergangenen Woche 210 Verordnungen und Abgaben von Medikamenten registriert. Im Vergleich zu den rund zwei Monaten vor dem erzwungenen Stopp des Pilotprojekts wurden von den teilnehmenden Ärzten und Apotheken insgesamt rund 22.000 Medikamente verordnet und abgegeben.

Rechtssicherheit nun gegeben

Der Hauptverband hatte im Mai eine Geldbuße von 24.000 Euro erhalten, weil die Vergabe der Software zur E-Medikation für das Pilotprojekt in Teilen Wiens, Oberösterreichs und Tirols nicht ausgeschrieben worden war. Die Ärztekammer empfahl daraufhin im Juni, nicht mehr an dem Pilotprojekt teilzunehmen, weil die Rechtssicherheit nicht gewährleistet sei. Mitte September sah die Ärztekammer die Rechtssicherheit durch die Zusage von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und ein Gutachten der Finanzprokuratur als wieder gegeben an.

Die Wiener Ärztekammer sah das aber anders. In einem Beschluss hieß es, dass sich die rechtliche Ausgangssituation, die zum Teilnahmestopp am Pilotprojekt geführt habe, vorläufig noch nicht geändert habe. Weiter fehle noch ein Erkenntnis aus Brüssel bezüglich der beeinspruchten Vergabe des Zentralsystems an die Pharmazeutische Gehaltskassa. Es werde daher „ausdrücklich empfohlen, bis auf weiteres am aktuellen E-Medikationsprojekt nicht teilzunehmen“.

Das ist E-Medikamentation

Statistisch gesehen nimmt jeder Mensch ab dem 60. Lebensjahr im Durchschnitt drei rezeptpflichtige und fast ebenso viele nicht rezeptpflichtige Medikamente ein. Jeder Dritte zwischen 75 und 85 Jahren bekommt sogar mehr als acht Arzneimittel verordnet. Die Risiken einer solchen Polymedikation sind nicht unerheblich. Mit steigender Zahl der Medikamente nimmt die Möglichkeit von Doppelverschreibungen, Wechselwirkungen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Fehldosierungen zu.

Nicht selten sind solche Medikationsfehler sogar Ursache für eine Krankenhausaufnahme. Zu einer wesentlichen Verbesserung dieser Situation und damit zu einer Erhöhung der Patientensicherheit soll das Projekt E-Medikation beitragen. Es bedeutet, dass sämtliche von einer Person eingenommenen Medikamente elektronisch in einer zentralen Datenbank - natürlich auf der Grundlage des Datenschutzes - gespeichert werden und von Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern abgerufen werden können.

Neustart für Pilotprojekt

Laut Schörghofer soll das Pilotprojekt trotz des Widerstands in Wien ab Oktober wieder in vollem Umfang laufen. Er gehe davon aus, dass in den Monaten Oktober, November und Dezember genügend Daten gesammelt werden können, um das Projekt wie geplant Ende des Jahres abschließen zu können. Geplant ist, dass die E-Medikamentation Mitte des nächsten Jahres in ganz Österreich zum Einsatz kommt.