Literaturnobelpreisträger in Wien

Der peruanische Autor und Träger des Literaturnobelpreises 2010, Mario Vargas Llosa, kommt im Oktober für mehrere Tage nach Wien. Im Rahmen der Aktion „Eine Stadt. Ein Buch.“ wird er unter anderem in einem Gymnasium in Alt Erlaa lesen.

Am kommenden Donnerstag wird bekannt gegeben, wer den Literaturnobelpreis 2011 verliehen bekommt. Im Vorjahr war es der peruanische Autor Mario Vargas Llosa. Eines seiner Werke, der Roman „Der Geschichtenerzähler“, wird heuer Mitte Oktober als Wiener Gratisbuch im Rahmen der Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ verteilt. Vargas Llosa wird dazu persönlich nach Wien kommen.

Das Buch wird in einer Auflage von 100.000 Stück gedruckt und in ganz Wien verteilt. Zum Auftakt der Aktion am 18. Oktober wird Vargas Llosa gemeinsam mit Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) in der Hauptbücherei am Gürtel auftreten. Am 19. Oktober wird der Autor in einem Gymnasium in Alt Erlaa vor Schülern, die Spanisch als Zweitsprache belegt haben, lesen.

Der Roman „Der Geschichtenerzähler“ beschreibt die Welt der Urwaldindidaner an einem Seitenarm des Amazonas. Die Titelfigur taucht gelegentlich bei den Indianern auf, im Roman versucht Vargas Llosa die Funktion des Geschichtenerzählers zu ergründen.

Mario Vargas Llosa im Juni 2011 in Tokyo

EPA/Christopher Jue

Begründer der lateinamerikanischen Literatur

Der 75-jährige Mario Vargas Llosa gilt als einer der führenden lateinamerikanischen Schriftsteller. Der Peruaner, der auch die spanische Staatsangehörigkeit besitzt, gilt mit seinem 1962 erschienenen Roman „Die Stadt und die Hunde“ als Begründer des „Booms“ lateinamerikanischer Literatur, zu dem auch Autoren wie Gabriel Garcia Marquez (Kolumbien), Carlos Fuentes (Mexiko) oder Julio Cortazar (Argentinien) beitrugen. „Das grüne Haus“ (1967) und „Gespräch in der Kathedrale“ (1969) gelten so wie „Die Stadt und die Hunde“ für viele Kritiker als die besten Romane von Vargas Llosa.

Vargas Llosa hatte Peru 1955 verlassen, nachdem er sich mit seiner Familie überworfen hatte. Grund war die Heirat des damals 19-Jährigen mit seiner zehn Jahre älteren, angeheirateten Tante Julia Urquidi. Das Ehepaar übersiedelte zunächst nach Madrid und dann nach Paris, wo die Ehe 1964 zu Bruch ging. Vargas Llosa heiratete ein Jahr später wieder, diesmal seine Cousine Patricia Llosa, eine Nichte seiner ersten Frau. Mit ihr ist er noch heute verheiratet und hat drei Kinder.

Nobelpreis für „bissige Bilder von Widerstand“

Die Werke von Mario Vargas Llosa erfassten mit den Jahren ein immer breiteres Spektrum und beschränkten sich thematisch längst nicht mehr auf sein Heimatland Peru. Ein großer Erfolg der späten Jahre wurde „Das Fest des Ziegenbocks“ (2000), ein Roman über Leben und Tod des dominikanischen Diktators Rafael Leonidas Trujillo.

Vargas Llosa ist ein politisch engagierter Schriftsteller, der sich auch einmal selbst als Politiker versucht hat. 1990 wollte er Präsident werden. Er zog nach Peru in den Wahlkampf, hielt landauf landab wunderschöne Reden, die seine Freunde entzückten, die von der einfachen Landbevölkerung aber nicht verstanden wurden. Am Ende siegte der Außenseiter Alberto Fujimori - und Vargas Llosa sagte der aktiven Politik Lebewohl.

Im Vorjahr hatte die Schwedische Akademie Vargas Llosa mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Er wurde für seine „Kartographien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlagen des Individuums“ ausgezeichnet, wie es in der Begründung hieß. Vargas Llosa war der erste Preisträger aus Südamerika seit 1982, damals ging ger Literaturnobelpreis an Gabriel Garcia Marquez.

Mario Vargas Llosa bei der Nobelpreis-Gala im Dezember 2010 in Stockholm

EPA/Henrik Montgomery Sweden Out

Mario Vargas Llosa bei der Nobelpreisverleihung 2010

Zehnjähriges Jubiläum für Gratisbuch-Aktion

Die Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ wird heuer zum zehnten Mal veranstaltet. Erstmals wird das Gratisbuch deshalb nicht nur in Wien, sondern auch in Berlin verteilt. In Wien werden die Gratisexemplare des Romans zwischen 17. und 22. Oktober unter anderem in Büchereien, Buchhandlungen, Volkshochschulen oder im ORF-Funkhaus in der Argentinierstraße verteilt.

Zum Auftakt der Gratisbuch-Aktion war im Jahr 2002 der Roman „Ewigkeitsgasse“ von Frederic Morton verteilt worden. 2003 gab es mit „Schritt für Schritt“ von Imre Kertesz erstmals ein Buch des aktuellen Nobelpreisträgers. Unter den bisherigen Titel waren unter anderem auch „Das geheime Brot“ von Johannes Mario Simmel, „Sehr blaue Augen“ von Toni Morrison und „Fever Pitch“ von Nick Hornby. Im Vorjahr wurde bei der Aktion „Eine Stadt. Ein Buch“ der Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ von Dai Sijie verteilt.

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