Ioan Holender: Ich spüre die Wut
Die APA traf den 76-Jährigen, dem trotz der Vorweihnachtszeit gar nicht friedlich zumute ist, zum Gespräch. Er spüre zwar noch nicht den Wutbürger in sich, aber „ich spüre die Wut, jawohl! Ich spüre sie auch bei den anderen. Etwa auch bei den Jungen“. Derzeit herrsche noch „die unzufriedene, aber stumme Lethargie“.
Die Innenpolitik in Österreich sei laut Holender nur auf eines bedacht: "ihre Posten zu behalten. Es ist eine Zeit der persönlichkeitslosen und schwachen Menschen. (...) Jeder ist, wie er ist, und gibt, was er kann und hat. Nur: Die haben alle sehr wenig. Und die kleinen Tagessiege des einen über den anderen sind die Determinanten unserer Politik.
„Wir sind da noch lange nicht am Ende“
Auf die Zukunft angesprochen sagte Holender weiters: „Jeder Bürger dieses Landes hat rund 30.000 Euro Schulden, diese müssen bezahlt werden. Es wird allen dramatisch schlechter gehen. Nicht nur wegen der lähmenden österreichischen Politik, sondern durch die Entwicklung von Kapitalismus zum Imperialismus.“
„Wenn einer immer mehr ausgibt, als er hat, und sich Gelder dafür ausborgt, die man ihm gerne gibt, weil man daran noch mehr verdienen kann, dann führt das entweder zu einem Krieg oder zu einem Kollaps. Wir sind da noch lange nicht am Ende“, so Holender.
Auf Sparmaßnahmen angesprochen verwies der ehemalige Staatsoperndirektor darauf, dass es auch darauf ankomme, wofür man Geld ausgebe: „Nehmen Sie zum Beispiel diesen unfassbaren Skandal in Schwechat. Was dort an Geldern verbraucht wurde! Das ist der miserabelste Flughafen Europas, nicht einmal in Tirana finden Sie so etwas, und ich weiß, wovon ich rede. (...) Oder die ÖBB. In welchem Zustand das alles ist“, kritisierte Holender.
Link:
Düringer: „Ich bin ein Systemtrottel“ (wien.ORF.at; 14.12.11)
Publiziert am 20.12.2011

