Klimts „Beethovenfries“ ganz nah

Die Secession zeigt Gustav Klimts „Beethovenfries“ aus nächster Nähe. Anlässlich des Klimtjahres hat der Österreichische Künstler Gerwald Rockenschaub eine Plattform gebaut, die Besucher auf Augenhöhe mit Klimts Meisterwerk hebt.

„Die Plattform versperrt einem den ersten Blick auf den Fries“, sagte Franz Thalmair, Geschäftsführer der Secession, gegenüber wien.ORF.at, „Das soll die Schaulust der Besucher wecken.“ Gerwald Rockenschaubs Installation führt die Besucher über ein Treppe zum drei bis fünf Meter hoch gelegenen „Beethovenfries“. „Die Plattform soll sich bis zu einem gewissen Punkt auch in diesem Rahmen als Kunstwerk abbilden, nicht nur reine Gebrauchsarchitektur sein“, sagte Rockenschaub.

Beethovenfries Plattform 2012

Secession

Auf Gerwald Rockenschaubs Plattform können die Besucher den „Beethovenfries“ aus der Nähe betrachten

Auseinandersetzung mit dem Werk

Im Ausstellungsprojekt „Close-up - Gustav Klimt - Gerwald Rockenschaub“ versucht Rockenschaub durch seine Plattform in Dialog mit Klimts Werk zu treten und zeigt den Fries aus einer Perspektive, die nur Restauratoren vorbehalten war.

Im Vorraum zur Plattform bieten die Veranstalter Filme und Dokumente aus der langen Restaurationsphase des „Beethovenfries“. Damit wolle man das Werk „aus einer wissenschaftlichen Sicht zeigen“, so Thalhammer. Die aktuelle Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt, der Akademie der bildenden Künste und der Secession.

Hommage an Beethovens neunte

Das Wandgemälde thematisiert das Streben nach Glück und die Gefahren, die ein Mensch im Laufe seines Lebens zu überwinden habe. Das 34 mal zwei Meter große Gemälde ist eine Hommage an Beethovens neunte Symphonie, interpretiert von Richard Wagner, und ist unterteilt in drei Zyklen.

Der Kuss

Secession

Klimt malte 1902 den berühmtesten Kuss Österreichs für den „Beethovenfries“

Seinerzeit wurde das Werk von den Künstlerkollegen Klimts zwar bewundert und gelobt, fand jedoch in der breiten Wiener Öffentlichkeit kaum Liebhaber: „Aber hier hört der Spaß auf, und ein brennender Zorn erfasst jeden Menschen, der noch einen Rest von Anstandsgefühl hat. Was soll man zu dieser gemalten Pornographie sagen?“, soll der Schriftsteller Hermann Bahr über den „Beethovenfries“ gesagt haben. Die nackten Figuren und sexuellen Posen im Gemälde erzürnten damals die bürgerlichen Gemüter.

Weiter Weg zurück in die Secession

Klimt malte den „Beethovenfries“ 1902 anlässlich der 14. Ausstellung der Vereinigung Bildender Künstler in der Secession. Eigentlich sollte das Gemälde mit Ausstellungsende wieder entfernt werden, blieb jedoch ein Jahr lang in der Secession. 1903 ging der Fries in den Besitz des Industriellen Carl Reininghaus über, der es 1915 an die jüdische Familie Lederer verkaufte. Im Nationalsozialismus wurde diese enteignet und bekam das Gemälde erst nach Ende des zweiten Weltkriegs zurück.

1973 kaufte die Republik Österreich das Gemälde um 15 Millionen Schilling der Familie Lederer ab und begann ein Jahr später mit der Restauration - diese sollte zehn Jahre lang dauern. 1985 kehrte der „Beethovenfries“ in die Secession zurück. „Es gibt nicht oft die Gelegenheit, dieses schöne Meisterwerk aus der Nähe zu betrachten“, sagte Thalmair.

Klimtreigen im Jubiläumsjahr

Anlässlich seines 150. Geburtstags ehren zahlreiche weitere Wiener Museen den Großmeister mit Sonderausstellungen. Auch das Kunsthistorische Museum feiert Klimt ganz besonders auf zwölf Meter Höhe. Derzeit können die Besucher über eine eigens angefertigte Brücke gehen und Klimts Deckengemälde im prunkvollen Stiegenhaus aus der Nähe betrachten - mehr dazu in Brücke zu Gustav Klimts hoher Kunst.

Links: