Zugscrash: „Menschliche Fehlleistung“

In Penzing sind Montagfrüh zwei Züge der Vorortelinie S45 zusammengestoßen. Fünf Fahrgäste wurden schwer verletzt, 36 weitere Personen erlitten leichte Verletzungen. Laut ÖBB ist wohl menschliches Versagen die Unfallursache.

Einer Aussendung der ÖBB zufolge war voraussichtlich „eine menschliche Fehlleistung des zuständigen Fahrdienstleiters“ für den Zusammenstoß verantwortlich. Demnach gab es bei einer Weiche vermutlich witterungsbedingt eine Störung, das Störungsprozedere musste daher vom Fahrdienstleiter in Penzing manuell in Kraft gesetzt werden.

Laut derzeitigem Ermittlungsstand dürfte dabei vergessen worden sein, ein Signal umzustellen. Der Zug 20592 von Penzing nach Hütteldorf hätte keine Fahrerlaubnis bekommen dürfen. Einen endgültigen Bericht zur Unfallursache, der in den nächsten Tagen vorliegen soll, erstelle die zuständige Unfallkommission, so die ÖBB. Der ÖBB-Konzernbetriebsratsvorsitzende Roman Hebenstreit warnte aber vor Vorverurteilungen der Beschäftigten, für Aussagen zur Unfallursache sei es viel zu früh.

Bilder vom Einsatzort

Lokführer lebensgefährlich verletzt

Beim Unfallort auf Höhe der Zehetnergasse verläuft die Strecke der Vorortelinie eingleisig. Die beiden voll besetzten Garnituren der Vorortelinie S45 stießen gegen 8.45 Uhr zusammen. Die Bergung der Fahrgäste war schwierig, die Feuerwehr musste Drehleitern einsetzen. Erst nach 10.30 Uhr konnten auch die letzten Passagiere die Waggons verlassen.

Laut den ÖBB waren die beiden Züge mit rund 280 Fahrgästen besetzt. Insgesamt 41 davon wurden verletzt. Ein Fahrgast sowie der Lokführer des Zuges von Penzing nach Hütteldorf erlitten bei dem Zusammenstoß lebensgefährliche Verletzungen. Weitere drei wurden ebenfalls schwer verletzt. „Es ist ganz schnell gegangen. Ein Crash und das war’s“, schilderte eine leichtverletzte Frau ihre Eindrücke gegenüber „Wien heute“ - mehr dazu in Zugscrash: „Ganz schnell gegangen“.

Im Einsatz standen neben Dutzenden Helfern auch zwei Notarzthubschrauber (Christophorus 3 und 9). Insgesamt waren rund 70 Einsatzkräfte der Wiener Berufsfeuerwehr und zehn Rettungsfahrzeuge, vier Notarztfahrzeuge und der Katastrophenzug der Wiener Berufsrettung am Unfallort.

„Wien heute“-Video von der Unfallstelle

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Versorgung in naher Rettungsstation

„Wir haben einen lauten Knall gehört und zuerst geglaubt, eine Dachlawine ist abgegangen“, sagte eine Anrainerin nach dem Zusammenstoß der S-Bahn-Züge. Erst beim Blick aus dem Fenster ihrer gegenüber der Unfallstelle liegenden Wohnung erkannte die Studentin die Ursache des Lärms.

Viele Passanten erkannten zunächst nicht, dass es sich um einen Zusammenstoß handelte. Erst als Kräne der Feuerwehr ausfuhren, sammelten sich Schaulustige an der Rettungsstation Penzing, die sich unmittelbar neben der Bahn befindet. Dort versorgte man Fahrgäste, die mit einem Schock davonkamen, bevor sie in Spitäler gebracht wurden. Den meisten waren die Strapazen ins Gesicht geschrieben, einige waren in Tränen aufgelöst.

In Wien-Penzing sind Montagfrüh zwei Züge der Vorortelinie S45 zusammengestoßen

ORF/Julia Korponay

Behinderungen bis Dienstagvormittag

Wegen der Bergungsarbeiten war die Bahnstrecke zwischen Hütteldorf und Westbahnhof am Montagvormittag für den gesamten Zugverkehr gesperrt. Gegen 11.00 Uhr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden, mit Ausnahme der S-Bahn-Linien S45 und S50. Züge der S45 fahren nicht zwischen Hütteldorf und Penzing, Garnituren der S50 sind nicht zwischen Westbahnhof und Hütteldorf unterwegs. Diese Einschränkungen werden laut ÖBB vorraussichtlich bis Dienstagvormittag gelten.

Am Montag kann es noch zu Verspätungen bis zu 15 Minuten bei allen Zügen kommen, die ab oder bis Westbahnhof unterwegs sind. Alle Nahverkehrszüge, die bis und ab Wien-Westbahnhof fahren, halten zusätzlich in Wien-Penzing als Ersatz für die S45.

Audio: Radio-Wien-Reporterin Julia Korponay schildert die Situation an Ort und Stelle.

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Letzte Zugsentgleisung im September

Ein Fehler eines ÖBB-Mitarbeiters hatte erst vergangenen September zu einer Zugsentgleisung in Penzing geführt. Die Untersuchung der Unfallkommission ergab, dass eine Weiche falsch gestellt war - mehr dazu in Zugsentgleisung: Menschliches Versagen.

In Wien kommt es immer wieder zu Kollisionen zwischen Zügen oder anderen Schienenfahrzeugen. Die schwersten Unfälle liegen bereits geraume Zeit zurück. Folgend eine Chronologie von Zusammenstößen - mehr dazu in Kollisionen im Bahnverkehr: Eine Chronologie.

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