Vassilakou: Nagelprobe im September

Nach der Eröffnung der neuen Fußgängerzone hofft die Verkehrsstadträtin auf zahlreiche Nachahmer. Geht es nach der Opposition, müsse mehr Information und stärkere Bürgerbeteiligung gesichert werden.

Zur Pressekonferenz kam die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou demonstrativ mit dem Fahrrad. Das viel umstrittene rot-grüne Projekt Verkehrsberuhigung für die Mariahilfer Straße ging am Freitag in die Probephase - mehr dazu in Verwirrungen auf Mariahilfer Straße. Wie lange diese dauern soll, bleibt weiterhin ein Rätsel. Nach einem ruhigen Start sehe Vassilakou die „Nagelprobe“ für die „Mahü“ Neu ohnehin erst mit Anfang September, dem Ende der Sommerferien.

Nachjustieren, dann bauen

Auf jeden Fall werde aber danach die Bevölkerung des sechsten und siebten Bezirks noch einmal detailliert zu den Änderungen befragt und die Menschen um ihre persönlichen Bilanzen gebeten. Vassilakou schließt nicht aus, nachjustieren zu müssen, dann soll gebaut werden.

Maria Vassilakou, Eröffnung Fuzo

APA/Georg Hochmuth

Mariahilf-Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann, Neubau-Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou

Im Großen und Ganzen werde das Projekt aber sicher funktionieren, weil viele Seiten ihre Ideen eingebracht hätten, zeigte sich die Verkehrsstadträtin optimistisch. In Richtung der Wiener Bezirksvorsteher ließ sie ausrichten: „Wenn sie auf den Geschmack kommen, meine Tür ist immer offen“. Weitere Projekte dieser Art sind also nicht ausgeschlossen, hängen jedoch von den einzelnen Bezirken ab.

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„Weiß nicht, woher Befürchtungen kommen“

Seit Anbeginn der Projektplanung hagelte es zum Teil harsche Kritik von der Opposition und der Wirtschaftskammer. Rückläufe könne Vassilakou aber ausschließen, da weit mehr als 80 Prozent ohnehin schon eine sehr lange Zeit mit der U-Bahn anreist. Außerdem habe die Erfahrung weltweit gezeigt, dass nach der Einführung einer Fußgängerzone die Straßen noch besser gehen. „Ich weiß nicht, woher diese Befürchtungen kommen“, sagte Vassilakou - mehr dazu in Mariahilf: Wirtschaft bleibt kritisch.

Als Klagemauer dienten heuten die beiden Bezirksvorsteher aus Mariahilf und Neubau, Renate Kaufmann (SPÖ) und Thomas Blimlinger (Grüne), die am frühen Vormittag zur Erstbegehung ausrückten. Kaufmann räumte ein, dass sich die Anrainer bis zuletzt ambivalent zum Projekt geäußert hätten, zeigte sich aber auch überzeugt, dass die Sache gut funktionieren werde.

„Unsere Leute können nicht dümmer sein“

Verständnis für die Skepsis der Busfahrer der Linie 13A, die direkt durch die Fußgängerzone fahren müssen, zeigte sie wenig. In Italien oder Deutschland funktioniere das problemlos: „Unsere Leute können nicht dümmer sein.“ Verdrängungsverkehr fürchte sie nicht, da Schleichwege dank Einbahnumdrehungen unterbunden worden seien.

Ihr Kollege Blimlinger zeigte sich ebenfalls optimistisch, wiewohl es Verunsicherung bei den Geschäftsleuten in den Nebenstraßen der Mariahilfer Straße gebe, „weil die noch nicht wissen, was genau auf sie zukommt“. Grundsätzlich könne er sich vorstellen, Begegnungszonen auch in anschließenden Grätzeln einzuführen. Für die dann wegfallenden Parkplätze müsste man sich aber Lösungen überlegen.

Beide Bezirkschefs plädieren dafür, die Probephase zumindest bis Jahresende laufen zu lassen. Vassilakou selbst hatte bisher keine genaue Frist genannt. Sie will die neue Verkehrslösung einmal mit einem „Erlebnistag“ feiern. Am 31. August soll demonstriert werden, was die Mariahilfer Straße Neu alles kann - Artisten, kostenloses Rad-Rikscha-Service und Kinderspielmöglichkeiten inklusive.

„Enttäuschte“ Opposition

Bei der Eröffnung hatte der Landesparteiobmann der ÖVP Wien Manfred Juraczka „substanzielle Informationen“ vermisst. Die rot-grüne Regierung würde nur „Autofahrer häkeln sowie Brot und Spiele“ betreiben. Juraczka kritisierte außerdem, dass es für den Probelauf keine Zeitangaben gebe und Entscheidungen „auf Kosten der Anrainer“ getroffen worden seien.

Diese sieht auch der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vernachlässigt und beklagt, dass im Vorfeld keine verbindliche Bürgerbefragung der Bewohner des sechsten und siebten Bezirks durchgeführt wurde. „Direkte Demokratie wird von Rot-Grün nicht gelebt. Man fährt über die Bürger hinweg und frotzelt sie auch noch. Da entstehen enorme Kosten“, sagte Strache.

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