Fuzo: Taxler drohen mit Boykott

Fußgängerzone, Busspur, Tempolimits: Seit einer Woche gibt es eine Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße. Sie war und ist aber weiter heftig umstritten. So drohen jetzt nach den Buslenkern auch die Taxifahrer mit einem Boykott.

Fußgängerzone Mariahilfer Straße

APA/Georg Hochmuth

Umstrittene Fußgängerzone

Seit einer Woche ist ein Teil der Mariahilfer Straße Fußgängerzone. Bei der Wiener Wirtschaftskammer trudeln laufend Beschwerden von Unternehmern der Mariahilfer Straße ein. Mit den neuen Lieferzeiten haben vor allem kleinere Betriebe Schwierigkeiten.

Auch die Verkehrslösungen rund um die Fußgängerzone sorgen für Verspätungen. Mit den neuen Einbahnen in Mariahilf und Neubau kämpfen auch die Anrainer.

Tempo 30 oft ignoriert

„Ich habe den Eindruck, viele halten sich noch nicht daran“, so der Bezirksvorsteher von Neubau, Thomas Blimlinger (Grüne). Tempo 30 in der Neustiftgasse und in der Burggasse hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen. „In der Webgasse werden Sie glauben, Sie sind am Land“, sagte Renate Kaufmann (SPÖ), Bezirksvorsteherin von Mariahilf. Es gebe aber immer noch Autofahrer, „die zum Teil wirklich rücksichtslos gegen das Gesetz verstoßen“.

Während da schon Strafen drohen, setzt die Polizei in der neuen Fußgängerzone und den Begegnungszonen gemeinsam mit der Stadt auf Information. Das betrifft etwa Autofahrer, die ihre Fahrzeuge trotz Parkverbots abstellen oder Radfahrer, die in der Fußgängerzone die Schrittgeschwindigkeit überschreiten. Für die Radler wird übrigens in den nächsten Tagen ein Transparent aufgehängt, das auf die Geschwindigkeitsbeschränkung hinweist.

Bildershow: So sieht die neue Mariahilfer Straße aus

Taxler wollen dort nicht mehr fahren

Nach den Buslenkern wollen jetzt angeblich auch die Taxifahrer nicht mehr in die Mariahilfer Straße, berichtet die „Kronenzeitung“. Taxis dürfen die rote Busspur befahren. Dort kämpfen sie aber mit genau den gleichen Problemen wie die Busfahrer: Radfahrer und Fußgänger tauchen plötzlich vor der Kühlerhaube auf. Taxi-Innungschef Christian Gerzabek überlegt sogar einen Boykott. Im Radio Wien-Interview sagte er: „Wenn sich das nicht bessert, dann muss man wirklich den Kollegen empfehlen, die Mariahilfer Straße endgültig zu meiden.“

Aber nicht nur die Verkehrssituation ist für Gerzabek problematisch. Auch die Rechtslage. Denn anders als Behindertenfahrdienste dürfen laut aktueller Regelung Taxis in der Fußgängerzone Fahrgäste absetzen beziehungsweise bei Bestellungen aufnehmen, aber eben nicht durchfahren. Hier sieht der Innungschef eine ungerechtfertigte Benachteiligung.

Opposition schäumt

Von „Lebensgefahr für Fußgänger“ und „Steuergeldverschwendung in Reinkultur“ spricht die FPÖ. Deren Chef, Heinz-Christian Strache fordert ein sofortiges Ende des Projekts. Dafür sollen eine bessere Beleuchtung der Gehsteige, optimierte Querungsmöglichkeiten der Mariahilfer Straße und ein City-Bus vom Westbahnhof zum Ring die Einkaufsstraße attraktiver machen. Strache kündigte an, im ersten Gemeinderat nach dem Sommer erneut eine Bürgerbefragung mit einer „Ja/Nein“-Antwortmöglichkeit zur Fußgängerzone beantragen zu wollen.

Zudem prüft die FPÖ eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Die Blauen orten bei Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) nämlich „den Tatbestand der vorsätzlichen Steuergeldverschwendung, was ihr eine Klage wegen Untreue und Verletzung der Amtspflicht einbringen würde“, so Verkehrssprecher Anton Mahdalik.

„Ideologiebetriebener gut gemeinter Murks ist Mega-Murks“, sagte Manfred Juraczka, Landesparteiobmann der ÖVP Wien. „Angesichts des Desasters, dass seine Vizebürgermeisterin in nicht einmal einer Woche auf der Mariahilfer Straße angerichtet hat, wäre das Eingreifen einer ‚sicheren Hand‘ in wahrlich stürmischen Zeiten mehr als wünschenswert“, bezog sich Juraczka auf Walhplakate und forderte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auf, zu handeln.

Stadtgespräch und Voting

Das Projekt einer Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße sorgt seit Jahren für teilweise hitzige Diskussionen in Wien - mehr dazu in Mariahilfer Straße: Von der Idee zur Fuzo. Auch beim Stadtgespräch vor der Mariahilfer Kirche herrschte am Freitag großer Andrang. Mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutierten die Bezirksvorsteher von Mariahilf und Neubau, Renate Kaufmann (SPÖ) und Thomas Blimlinger (Grüne).

Leserinnen und Leser von wien.ORF.at konnten in den vergangenen Tagen zur Vorbereitung auf das Stadtgespräch ihre Meinung zur neuen Mariahilfer Straße kundtun. Das freilich nicht repräsentative Voting ist Donnerstagabend zu Ende gegangen. Dabei beurteilten 23,03 Prozent die neue Mariahilfer Straße mit „Sehr gut“. 17,27 Prozent gefällt sie hingegen gar nicht. 24,53 Prozent hätten es besser gefunden, wenn es eine durchgehende Fußgängerzone geben würde. 35,17 Prozent gaben an, es wäre besser gewesen, die Mariahilfer Straße unverändert zu belassen.

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