Tierschützer für Fiaker-Winterregeln

Mehrere Tierschutzorganisationen fordern bei Glatteis ein Fahrverbot für die Wiener Fiaker. Zudem wollen sie weitere Winterregeln umgesetzt sehen. Das Veterinäramt und die Fiakerbetreiber sehen dazu aber keine Notwendigkeit.

„Letzten Winter habe ich am Ring auf der Nebenfahrbahn ein Pferd gesehen, das auf einer Eisplatte ausgerutscht und gelegen ist“, so Elisabeth Sablik vom Verein gegen Tierfabriken (VGT). „Das ist auch für die Leute, die auf und in der Kutsche sitzen, eine Gefahr.“ Sie fordert deshalb ein Fiakerverbot bei Glatteis. Auch das Streusalz auf den Straßen sei für die Pferde - genauso wie für Hunde - nicht gesund.

Fiakerfahrer im Schnee

APA/HERBERT NEUBAUER

„Unsere Pferde haben immer Spikes an“, so Fiaker-Sprecherin Martina Michelfeit

Auch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten sieht die Sturzgefahr von Fiakern bei Glatteis und wünscht sich Einschränkungen für den Fiakerbetrieb im Winter. Die Tierschützer möchten außerdem, dass Pferde, die nach einer Fahrt geschwitzt haben, mit trockenen Decken abgedeckt werden sowie auf dem Standplatz stets temperiertes Wasser zum Trinken und Zugang zu Raufutter bekommen. Prinzipiell wünschen sich sowohl Vier Pfoten als auch der VGT, dass es künftig ein generelles Fiakerverbot in Wien gibt.

Viele Fiaker auf „Winterurlaub“

Wenig Verständnis für die Forderungen zeigt Fiakerin Martina Michelfeit, stellvertretende Branchensprecherin in der Wiener Wirtschaftskammer. „Wir haben unsere Pferde gut zwanzig Jahre im Einsatz, und es ist nicht leicht, ein Pferd auszubilden. Wir werden uns daher hüten, sie dem Erfrierungstod oder einer Gefahr auszusetzen“, so Michelfeit. Die Pferde hätten ein dickes Winterfell und kämen mit der kalten Jahreszeit gut zurecht. Auf dem Standplatz würden sie eingedeckt, wenn es regnet, bekämen sie einen Regenmantel.

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„Bei Temperaturen zwischen null und zehn Grad fühlen sich Pferde am wohlsten und haben beinahe zu viel Energie für den Job, den sie zu erledigen haben“, so Michelfeit. Denn im Winter sind die Fiaker um rund 80 Prozent weniger im Einsatz. Viele Fahrer machen generell einen Winterurlaub, weil der Aufwand für den Menschen in keiner Relation zur Anstrengung stehe. Michelfeit: „Im Winter gondeln wir oft schon um vier Uhr am Nachmittag nach Hause. Sechs bis sieben Stunden sind wir täglich im Einsatz, im Gegensatz zum Sommer, wo bis zu zwölf Stunden gefahren wird.“

Fiaker: Autos gefährden Kutschen

Das Glatteis sei ein kleineres Problem, da die Kutschen ohnehin „überdimensionierte“ Scheibenbremsen hätten und nur in Schrittgeschwindigkeit fahren. Die Pferde hätten auf ihren Hufen außerdem einen Spezialbeschlag. „Sie haben eh immer Spikes an“, so Michelfeit. „Ich persönlich fahre an diesen Tagen, wo der Boden eisig ist, nicht, aber nicht, weil die Pferde rutschen könnten, sondern weil ich Angst davor habe, dass mir Autos reinrutschen.“

Wegen des Streusalzes gebe es, so Michelfeit, im Winter nicht signifikant mehr Hufprobleme als im Sommer. „Da sollte man die Kirche im Dorf lassen. Das Salz ist auch für Schuhe, für Hundepfoten und für die Umwelt im Allgemeinen nicht besonders gut.“ Um die Pferde vor dem Salz etwas zu schützen, werden die Hufe zweimal pro Woche mit einem Fett eingeschmiert, das im Winter abweisend wirkt.

Täglich Kontrollen bei Minusgraden

Unterstützung bekommt Michelfeit vom Veterinäramt (MA 60). „Im Großen und Ganzen kommen Pferde mit der kalten Jahreszeit gut zurecht“, so Walter Reisp, Tierarzt und Leiter der MA 60. „Die Pferde sind mit Stollen und Griffen ausgestattet, die ausreichend Rutschschutz bei Glatteis bieten. Außerdem gibt es die Straßenreinigung und den Streudienst. Mir ist kein Fall bekannt, dasss einmal ein Tier ausgerutscht ist.“

Die Fiakerstandplätze werden vom Veterinäramt einmal pro Woche geprüft. „Bei minus zehn Grad und darunter kontrollieren wir täglich“, so Reisp. Dabei untersuchen die Tierärzte den Gesundheitszustand der Pferde und kontrollieren, ob alle Auflagen des Fiakergesetzes erfüllt werden. Reisp: „Wir gehen jeder Beschwerde nach.“

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