Burgtheater-Skandal - eine Chronologie

Der Finanzskandal um das Burgtheater zieht sich bereits seit der Saison 2011/12. Damals spitzte sich die Lage zu, Ungereimtheiten in der Buchhaltung wurden entdeckt. Vorläufiges Ende: Burg-Chef Hartmann musste gehen.

1. September 2008: Silvia Stantejsky, seit 1980 Leiterin des Betriebsbüros des Burgtheaters, seit der Ausgliederung 1999 in eine GmbH Prokuristin und Stellvertreterin des kaufmännischen Geschäftsführers Thomas Drozda, wird per 1. September 2008 zur kaufmännischen Geschäftsführerin des Burgtheaters bestellt. Den zusätzlichen Finanzbedarf für das Burgtheater beziffert sie mit drei bis 3,5 Millionen Euro.

Silvia Stantejsky

APA/Clemens Fabry

Silvia Stantejsky

22. April 2009: Bei seiner ersten Spielplan-Pressekonferenz in Wien erzählt Matthias Hartmann, in Zürich habe man ihn zuletzt vorwiegend nach Auslastung- und Budgetzahlen gefragt, was ihm „zum Hals raushängt“. Die Beantwortung nach der finanziellen Lage des Burgtheaters überlässt der künftige Burgtheater-Direktor daher liebend gerne der kaufmännischen Geschäftsführerin: Stantejsky zeigt sich „überzeugt, dass wir einen Weg finden werden“.

Matthias Hartmann bei einer Pressekonferenz im April 2009

APA/Hans Klaus Techt

Matthias Hartmann bei seiner ersten Spielplan-Pressekonferenz im Burgtheater

20. Juni 2011: Aus der in einer Kurzfassung veröffentlichten Effizienzanalyse der Bundestheater errechnet sich die Holding bis zu 14 Mio. Euro „Optimierungspotenzial“. Holding-Chef Georg Springer sieht die Möglichkeit, über einen Zeitraum von fünf Jahren „etwa sieben bis zehn Prozent der uns von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellten Basisabgeltung“ effizienter einzusetzen.

15. Februar 2013: Stantejsky bewirbt sich nicht mehr als kaufmännische Geschäftsführerin, sie wird ab 1. September Stellvertreterin des künstlerischen Direktors. Das Burgtheater weist auf die angespannte finanzielle Situation hin: „Die Subvention des Theaters ist in den letzten 13 Jahren real um 33 Prozent geschrumpft. Das liegt daran, dass die Gehaltserhöhungen zwar bezahlt werden müssen, vom Gesetzgeber aber nicht erstattet werden. Dieser Entwicklung muss in der Zukunft entgegengewirkt werden, wenn das Burgtheater seinem Auftrag in der heutigen Form weiter nachkommen soll, auch wenn es dem Theater aufgrund steigender Zuschauerzahlen noch gut geht.“

14. März: Bei der Bekanntgabe des Geschäftsberichts 2011/12 sagt Bundestheater-Holding-Chef Springer: „Seit der Ausgliederung im September 1999 haben wir eine lange Strecke zurückgelegt. Der Tank ist leer. Wir fahren auf Reserve, und noch ist keine Tankstelle in Sicht.“

9. April: Hartmann spricht in einem APA-Interview von einem „langsamen Erstickungstod, der uns vonseiten der Politik auferlegt wird. Wir haben in den letzten 13 Jahren über 30 Prozent des Budgets eingespart.“

Matthias Hartmann

APA/Robert Jaeger

Nachdenklicher Direktor im Mai 2013

16. Mai: Bei der Spielplanpräsentation für die Saison 2013/14 sagt Hartmann: „Der Tag, an dem es nicht mehr geht, ist bereits verstrichen.“

21. Mai: Thomas Königstorfer, bisher kaufmännischer Geschäftsführer der Musiktheater Linz GmbH, wird zum neuen kaufmännischen Direktor am Burgtheater ab 1. September bestellt.

13. Oktober: Hartmann schreibt seine Rede bei der sonntägigen Matinee im Rahmen des Jubiläumskongresses zu „125 Jahren Haus am Ring“ kurzfristig um und sagt: „Der Zeitpunkt, an dem das alles nicht mehr finanzierbar ist, der Zeitpunkt, auf den wir immer gewartet haben, ist nicht nur da, er ist unerkannterweise überschritten worden, und es gibt kein Schönreden, kein Aufschieben und keine Tricks, um diesen Zeitpunkt zu kaschieren. (...) Jetzt, nachdem wir alles getan haben, um das Burgtheater zu retten, ist es an der Politik zu entscheiden, wie es in der Zukunft auszusehen hat.“

11. November: Im Zuge einer Gebarungsprüfung der von Stantejsky als kaufmännischer Geschäftsführerin verantworteten Geschäftsjahre treten Ungereimtheiten auf, die nicht geklärt werden können. Stantejsky wird suspendiert.

18. November: Aufgrund des „Unverzüglichkeitsprinzips“ wird Stantejsky fristlos entlassen.

2. Dezember: Stantejsky klagt vor dem Arbeits- und Sozialgericht Wien gegen ihre Entlassung.

3. Jänner 2014: Durch das Magazin „News“ wird die Entlassung erstmals in der Öffentlichkeit bekannt - mehr dazu in Burgtheater entließ Vizedirektorin.

7. Jänner: Die Schauspielerinnen und Schauspieler des Burgtheaters stellen sich bei einer Ensembleversammlung auf die Seite der Vizedirektorin: „Die Solidarität des Ensembles gilt Silvia Stantejsky.“

9. Jänner: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erhält den Auftrag zu einer forensischen Untersuchung jener Verdachtsmomente, die zur Entlassung Stantejskys geführt haben - mehr dazu in Burgtheater-Konflikt: Prüfung bis Februar.

13. Jänner: Der Rechnungshof (RH) stellt aufgrund der bekanntgewordenen Entlassung von Vizedirektorin Stantejsky „erhöhte Risikorelevanz“ im Burgtheater fest und überlegt, ob er von sich aus eine Prüfung vornehmen wird. Die bisher letzte RH-Prüfung des Burgtheaters liegt 20 Jahre zurück, sie fand 1994 statt.

14. Jänner: Hartmann sagt im APA-Interview: „Ich habe nicht weggeschaut, weil ich solche Dinge nicht sehen kann, die sehen nur die Wirtschaftsprüfer. Wir müssen hoffen, dass diese Buchungen demnächst ihre Erklärung finden, damit wir aus diesem Gerüchtemoloch herauskommen - und die finanzielle Situation und die Causa Stantejsky getrennt werden, wie Äpfel und Birnen getrennt gehören.“

Im Interview spricht er zudem davon, von seinem Vorgänger Klaus Bachler „eine Verbindlichkeit von 15,3 Millionen geerbt“ sowie „in Bochum und Zürich zwei Sanierungsfälle als Theater geerbt und beide saniert zurückgelassen“ zu haben. Wütende Dementis der Betroffenen sind die Folge - mehr dazu in Burgtheater: „Duell“ Bachler-Hartmann.

Klaus Bachler und Georg Springer 2009 bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Wiener Burgtheaters

APA/Georg Hochmuth

Hartmann-Vorgänger Klaus Bachler mit Georg Springer bei der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Wiener Burgtheaters an Bachler im März 2009

22. Jänner: Im Studiointerview in der ZIB2 spricht Springer davon, Stantejsky habe als kaufmännische Geschäftsführerin „eine sehr intelligente Schattenorganisation aufgebaut“ und „dolose Handlungen“ gesetzt.

28. Jänner: Im bisher einzigen Interview bestreitet Stantejsky im Radiosender Ö1 alle Vorwürfe energisch: „Sowohl Dr. Springer als auch der Aufsichtsrat werden von sämtlichen buchhalterischen Entscheidungen informiert. Parallel kann gar nichts geschehen.“ Die Entlassung habe sie „ganz kalt getroffen“: „Ich möchte vehement festhalten, dass ich mich in keiner Weise bereichert habe.“ - mehr dazu in Burgtheater-Vizedirektorin: „Kein Parallelsystem“.

10. Februar: Der forensische Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sieht „deutliche Indizien für gefälschte Belege und die Vorspiegelung falscher Tatsachen“ durch Stantejsky. Laut Aufsichtsrat des Burgtheaters ist daher für das Jahr 2012/13 mit einem Bilanzverlust von „voraussichtlich“ 8,3 Mio. Euro zu rechnen. Dazu könnten fünf Mio. Euro Steuernachzahlungen kommen.

14. Februar: Die Ensembleversammlung des Burgtheaters beschließt ein Misstrauensvotum gegen Direktor Hartmann und Bundestheater-Holding-Chef Springer. Man könne der bisherigen Darstellung, Stantejsky sei alleine für die finanzielle Misere verantwortlich, keinen Glauben schenken.

18. Februar: Es sollen „alle notwendigen Maßnahmen für eine lückenlose und transparente Aufarbeitung der Vergangenheit abgeschlossen“ und „alle notwendigen Schritte gesetzt werden, um das Burgtheater in eine professionell geführte, wirtschaftlich sanierte Zukunft führen zu können“, sagt Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) nach einem Treffen mit Vertretern des Ensembles. Der Minister betont, Vertrauen in Springer und Hartmann zu haben, schließt jedoch zusätzliches Geld des Bundes aus.

19. Februar: „Es geht uns nicht vorrangig um Personalfragen. Es geht uns ums Burgtheater“, betont Ensemblesprecher Roland Koch im APA-Interview. „Wir wollen keine unnötige Unruhe stiften, aber wir wollen vom Objekt zum Subjekt werden und sagen daher: Es muss Verantwortung übernommen werden, für uns und für dieses Haus.“

Burgtheater

APA/Georg Hochmuth

22. Februar: Auf der Bühne des Akademietheaters klingt eine Strophe eines „Talisman“-Couplets besonders aktuell: „Bei uns im Theater hängt jetzt der Haussegen schief, wegen dolosen Geschäften und sonstigen Miefs. Der Holding-Chef taub, der Aufsichtsrat blind, der Direktor ein Künstler: ,Ich inszenier noch mal g’schwind ...’ Sie ham’ alle was g’wusst! Und des lasst ma ka Ruah! Na, da hab ich schon g’nua, na, da hab ich schon g’nua!“ Burg-Schauspieler Johannes Krisch bringt es mit seiner Nestroy-Weiterdichtung auf Zeitungstitelseiten.

24. Februar: Die Finanzmisere am Wiener Burgtheater beschäftigt dank einer 72 Fragen umfassenden Dringlichen Anfrage von NEOS auch den Nationalrat. Kulturminister Ostermayer hält sich bedeckt, sieht die Geschäftsführung des Burgtheaters mit dem Aufsichtsrat und der Holding am Zug und kündigt die Einschaltung des RH an - mehr dazu in Rechnungshof prüft Burgtheater.

26. Februar: Einen Tag vor der Veröffentlichung des Endberichts gibt der Seniorpartner der betrauten Prüfungsgesellschaft KPMG der „Presse“ ein Interview, in dem er unter anderem klarstellt: „Jedem hätte auffallen können, dass etwas nicht zusammenpasst.“ - mehr dazu in Burgtheater: Mängel „auffällig“.

28. Februar: Kulturminister Ostermayer hat den Burgtheater-Aufsichtsrat um Einholung mehrerer Rechtsgutachten ersucht, in denen u. a. die Mitverantwortung von Direktor Matthias Hartmann und anderer Organe des Burgtheaters geklärt werden soll - mehr dazu in Burgtheater: Jetzt wird Hartmann geprüft.

3. März: Der am 27. Februar ausgefertigte Untersuchungsbericht der KPMG („Projekt Sopran“) zu den Buchungsvorgängen im Burgtheater ist auf der Homepage der Bundestheater mit zahlreichen geschwärzten Stellen downloadbar - mehr dazu in Burgtheater: Geschwärzter Prüfbericht online.

Grafik Burgtheater

APA

5. März: Kulturminister Ostermayer hat in der Causa Burgtheater den Rechnungshof (RH) angerufen, in einem Brief stellt Ostermayer neun umfassende Fragen. Nachdem in den vergangenen Wochen nur Stantejsky direkt für den finanziellen Schaden verantwortlich gemacht wurde, soll nun der RH auch die Verantwortung anderer Personen prüfen - mehr dazu in Rechnungshof soll Causa Burgtheater klären.

7. März: Wie „profil“ (Onlineausgabe) berichtet, sollen auch überhöhte Gagen für das Leitungsteam für das Finanzdebakel verantwortlich sein. Dabei wird aus einem Aufsichtsratsbericht aus dem Juni 2013 zitiert. Besonders die Kosten von Produktionen Hartmanns werden kritisiert - mehr dazu in Burgtheater: Kritik an überhöhten Gagen.

10. März: Hartmann legt sein Amt „bis zur Klärung aller Sachverhalte“ nieder.

11. März: Ostermayer entlässt Hartmann. Auch Springer soll als Konsequenz aus der Affäre um das Millionendefizit des Theaters alle Aufsichtsratsfunktionen in der Holding zurücklegen.

13. März: Hartmann soll außergerichtlich keine weiteren Jahresgagen erhalten. Das erklärt der Anwalt des Burgtheaters. In der Finanzaffäre wird unterdessen die Korruptionsstaatsanwaltschaft aktiv - mehr dazu in Anwalt: Kein Geld für Hartmann.

17. März: Hartmann erstattet Selbstanzeige bei den Finanzbehörden in Österreich und der Schweiz. Er dürfte einen Teil seiner Gage nicht versteuert haben - mehr dazu in Hartmann erstattet Selbstanzeige.

19. März: Karin Bergmann übernimmt interimistisch die Burgtheater-Leitung. Ihr wird Hermann Beil als „ehrenamtlicher Mitarbeiter“ zur Seite gestellt - mehr dazu in Bergmann interimistische Burgtheater-Chefin.

Karin Bergmann Burgtheater

APA/ROLAND SCHLAGER

Kulturminister Josef Ostermayer ernennt Karin Bergmann zur interimistischen Burgtheater-Direktorin

24. März: Sie habe die Honorare in Höhe von 293.000 Euro „aufgrund des freundschaftlichen Verhältnisses“ für Hartmann aufbewahrt, so Stantejskys Anwälte. Hartmann weist das zurück - mehr dazu in Burg: Hartmann dementiert Stantejsky-Angaben.

26. März: Hartmann klagt gegen seine Entlassung, Burgtheater-Anwalt Bernhard Hainz spricht von „Vernebelungstaktik“ - mehr dazu in „Burg“: Hartmann will zwei Mio. Euro.

27. März: Mit dem Verkauf der Probebühne, der Wiederherstellung des Vertrauens und einem Maßnahmenpaket für die Saison 2014/15 will Aufsichtsratschef Christian Strasser das Burgtheater wieder in eine stabile finanzielle Lage bringen - mehr dazu in Maßnahmenpaket soll Burgtheater sanieren.

29. März: Hartmanns Klage und Aussagen seiner Anwälte führen laut Bergmann zu „starker Unruhe“. Hartmanns Stück „Der falsche Film“ wird in dieser Spielzeit am Burgtheater nicht aufgeführt - mehr dazu in Kein Hartmann-Stück am Burgtheater.

Silvia Stantejsky

APA/Herbert Pfarrhofer

Silvia Stantejsky will ihre Ansprüche vor Gericht durchsetzen

7. April: Am Arbeitsgericht beginnt der Prozess um Stantejskys Entlassung. Der Richter läßt durchblicken, dass Stantejsky mit ihrer Klage nicht gerade erstklassige Karten hat - mehr dazu in Burg: Stantejsky kämpft vor Gericht.

18. April: Kulturminister Ostermayer präsentiert die Mitglieder der Findungskommission, die bei der Suche nach einem neuen Burgtheater-Direktor helfen sollen. In der Kommission sind Gert Voss, Götz Spielmann, Hermann Beil, Christian Strasser, Susanne Moser und Elisabeth Sobotka - mehr dazu in Spielmann und Voss in Burgtheater-Kommission.

25. April: Es wird bekanntgegeben, dass der Bilanzverlust für das Jahr 2012/13 exakt 19,643 Mio. Euro beträgt. Eine Summe dieser Größenordnung war bereits kolportiert worden - mehr dazu in Burgtheater: Verluste bis zu 19 Millionen.

8. Mai 2014: Bundestheater-Holding-Geschäftsführer Georg Springer legt den Geschäftsbericht 2012/13 vor, in dem ein Bilanzverlust von 22,261 Mio. Euro ausgewiesen ist. Die finanzielle Lage der Bundestheater sei dramatisch. Den zusätzlichen Finanzbedarf für 2014/15 beziffert er mit zwischen 12,5 und 16,9 Mio. Euro. Erstmals seien Angebotsreduktionen in den Diskussionen nicht tabu, zusätzlich werde überlegt, auf die Immobilien der Bundestheater zurückzugreifen.

22. Mai 2014: „Die Presse“ berichtet über eine Klage, die das Burgtheater gegen Hartmann eingereicht hat. Die Anfang 2012 durch Ex-Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) durchgeführte Verlängerung des ursprünglich bis Ende August 2014 laufenden Vertrags wäre nicht erfolgt, hätte man damals schon von den Vorfällen an der Burg gewusst.

28. Mai 2014: In einer gemeinsamen Pressekonferenz wehren sich die Kultursprecher der Oppositionsparteien gegen die zu wenig weit gehende Aufarbeitung der Causa Burgtheater und die geringe Auskunftsfreudigkeit des Kulturministers: „Wir empfinden das als grobe Missachtung der Kontrollrechte des Parlaments“, so Beate Meinl-Reisinger (NEOS), die Vorsitzende des Kulturausschusses.

3. Juni 2014: Die interimistische Burgtheater-Chefin Karin Bergmann gibt den Spielplan für 2014/15 bekannt und schätzt den Anteil eigener und vom entlassenen Direktor Matthias Hartmann übernommener Projekte auf „fifty-fifty“. Es habe in den vorgefundenen Plänen allein „vier Regiepositionen Matthias Hartmann“ gegeben, ein geplantes Großprojekt habe gestrichen werden müssen.

10. Juni 2014: Es wird bekannt, dass Hartmanns Anwälte bei der Rechtsanwaltskammer eine Anzeige gegen Anwalt Thomas Angermair eingebracht haben. Der Anwalt sei von Hartmann selbst um rechtliche Hilfe gebeten worden, ehe er für die Gegenseite gutachterlich tätig geworden sei.

12. Juni 2014: Nach einem Bericht des Magazins „Format“ interessieren sich Finanzprüfer für alle Bargeldzahlungen, die von der entlassenen ehemaligen kaufmännischen Burgtheater-Direktorin Silvia Stantejsky veranlasst wurden. Schauspielern, Regisseuren und dem Betriebsrat des Burgtheaters drohen Steuerprüfungen.

17. Juni 2014: Das Budget des Burgtheaters für 2014/15 wird vom Aufsichtsrat genehmigt. „Damit ist die Zukunft des Burgtheaters endlich gesichert“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Christian Strasser nach der „erfreulichen und positiven Aufsichtsratssitzung“ zur APA: „Die Krise ist vorbei!“ Dank Einsparungen in der Höhe von 4,2 Mio. Euro konnte ein ausgeglichenes Budget vorgelegt werden, das Kasino wird in reduzierter Form weitergeführt.

17. Juni 2014: Für die künftige künstlerische Leitung des Wiener Burgtheaters ab 1. September 2016 liegen 21 Bewerbungen vor. 15 Männer und sechs Frauen interessieren sich für den Posten. Fünf Bewerbungen kamen aus Österreich, 16 aus dem Ausland. Die sechsköpfige Findungskommission wird die Gespräche führen, Minister Ostermayer möchte bis Jahresende eine Entscheidung treffen.

Georg Springer und Josef Ostermayer bei einer Pressekonferenz im Mai 2014

APA/Herbert Neubauer

18. Juni 2014: Nach Zeitungsberichten soll in einem vom Kulturminister in Auftrag gegebenen Gutachten zur Verantwortung für die finanziellen Unregelmäßigkeiten im Burgtheater auch Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer belastet werden. Der Druck auf Springer erhöht sich. Die Opposition fordert seine Entlassung bzw. Suspendierung, der Kulturminister teilt mit, dass eine Entlassung „derzeit ein erhebliches Prozessrisiko mit sich bringen“ würde, er sich aber nach Veröffentlichung des für die zweite Juli-Hälfte erwarteten Rechnungshof-Endberichts weitere Schritte vorbehalte.

23. Juni 2014: Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, kündigt seinen Rücktritt mit Ende Juni an. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, „um eine Versachlichung der Diskussion um die Bundestheater-Holding zu ermöglichen“, heißt es in einer Erklärung Springers, der damit seinen Pensionsantritt um ein halbes Jahr vorgezogen hat. Springers Stellvertreter Othmar Stoss übernimmt vorübergehend die Geschäfte, die Position wird neu ausgeschrieben.

24. Juni 2014: Vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht startet der Arbeitsgerichtsprozess, den der entlassene Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann gegen sein ehemaliges Haus angestrengt hat. Hartmann bestreitet die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung und klagt auf Entschädigung.

8. August 2014: Aus einem Rechtsgutachten, erstellt von Anwalt Thomas Angermair im Auftrag von Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), geht hervor: Die Verantwortlichen für das finanzielle Bundestheater-Desaster können sich vorerst zurücklehnen. Realistisch seien ausschließlich Schadenersatzforderungen, die vermutlich die Versicherung zahlen wird müssen. Die ehemalige Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) könne nicht belangt werden.

8. September 2014: Matthias Hartmann und der Theaterfinanzexperte Peter F. Raddatz erheben in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ heftige Vorwürfe. Ein System zur Verschleierung von Schulden sei am Haus schon lange praktiziert worden. Laut Raddatz „müssten alle Jahresabschlüsse seit der Ausgründung des Burgtheaters 1999 komplett neu gemacht werden“. Karin Bergmann, interimistische Direktorin des Burgtheaters, hält fest, dass sie Hartmanns Vorgänger Klaus Bachler „zu keinem Zeitpunkt als Geschäftsführer vertreten“ habe.

9. September 2014: Die Liste der Ermittlungen der Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Hartmann und Stantejsky umfasst Verdacht der Untreue, Bilanzfälschung und Abgabenhinterziehung. Auch gegen die Burgtheater-GmbH wird ermittelt. Der Verdacht lautet auf grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Bilanzfälschung und finanzstrafrechtliche Vorwürfe.

Hartmanns Anwälte gehen mit Aufsichtsratsprotokollen und einem E-Mail-Verkehr zwischen Hartmann, seinem Berater Peter Raddatz und Stantejsky in die nächsten Prozesstage. Die Anwälte Georg Schima und Katharina Körber-Risak präsentieren die Schriftstücke der Presse, um zu zeigen, „wie Entscheidungen gelaufen sind“ – mehr dazu in Burg: Korruptionsstaatsanwalt ermittelt.

11. September 2014: In der Nachfolgersuche für Hartmann stellten sich laut „News“ Anfang der Woche sechs Bewerber der Findungskommission. Unter ihnen auch der im Vorfeld mehrfach genannte Intendant des Münchner Residenztheaters, Martin Kusej. Außerdem: Der deutsche Regisseur Michael Thalheimer, Interimsdirektorin Karin Bergmann sowie Ulrich Khuon, Frank Baumbauer und Wilfried Schulz. Nun solle umgehend ein Dreiervorschlag an Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) herangetragen werden.

12. September 2014: Günter Rhomberg, seit Anfang September interimistischer Geschäftsführer der Bundestheater Holding, meint, in der Causa Burgtheater sei es nötig, „auch an großen Rädern“ zu drehen, „um die Reduktion des Budgets zu verkraften“. Er fährt fort: „Im Burgtheater sind wir ausverkauft, aber die wirtschaftliche Auslastung ist sehr niedrig“. Tatsache sei, dass die Nichtvalorisierung tariflicher Lohnabschlüsse „einen an die Wand geführt haben“.

13. September 2014: Martin Kusej erklärt, für die Neubesetzung der Burgtheater Direktion „definitiv nicht zur Verfügung“ zu stehen. Er verweist auf komplexe Herausforderungen am Residenztheater München, wo er bis 2016 unter Vertrag ist – mehr dazu in Kusej sagt Burgtheater ab. Rhomberg kritisiert den entlassenen Burgtheater-Direktor Hartmann: „Der Direktor war großzügig mit sich selbst.“ Er sieht auch keinen nahen Vergleich im laufenden Arbeitsgerichtsprozess.

18. September 2014: Christian Strasser, Vorsitzender des Aufsichtsrates des Burgtheaters, lässt sich „den Ruf des Hauses nicht ruinieren“. Gegenüber der APA empört er sich über das „mediale Krankjammern des Burgtheaters“ in den vergangenen Wochen. Via Aussendung hatte er zuvor die „Sanierungsarbeit am Burgtheater gelobt.

24. September 2104: Am zweiten Verhandlungstag des Verfahrens am Arbeits- und Sozialgericht bestreitet Matthias Hartmann alle Vorwürfe. „So ein Schwachsinn“ meint er, als ihm vorgeworfen wird, er habe vom „System Stantejsky“ gewusst und sei daran beteiligt gewesen - mehr dazu in Hartmann: „Wie ein Hütchenspiel“.

26. September 2014: 25 Stunden an zwei Tagen: Der von Ex-Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann angestrengte Prozess gegen seine Entlassung hat Fahrt aufgenommen. Nach der Zeugenbefragung zeigten sich beide Seiten zufrieden mit den ersten Ergebnissen - mehr dazu in Hartmann: Eilige Kündigung, langes Verfahren.

6. und 8. Oktober 2014: Auch im Arbeitsgerichtsprozess der ehemaligen kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky kommt es zu umfangreichen Einvernahmen der Klägerin, die sich zu Unrecht entlassen sieht. Die ersten Befragungen drehen sich hauptsächlich um jene 9.000 Euro, die sich Stantejsky auf ihr Privatkonto überwies und die den Stein des Anstoßes bildeten. Dabei handle es sich um Geld, das sie dem Haus vorgestreckt habe, sagt sie - mehr dazu in Stantejsky-Prozess um „Sauhaufen“.

14. Oktober 2014: Kulturminister Josef Ostermayer gibt die neue Burgtheater-Direktion bekannt - mehr dazu in Entscheidung um Burgtheater-Direktor.

21. November 2014: Der von Hartmann angestrengte arbeitsgerichtliche Prozess gegen seine Entlassung wird für mindestens neun Monate unterbrochen. Das bestätigte Hartmanns Anwältin Katharina Körber-Risak. Der Schritt sei auf Weisung von Hartmanns Versicherung (D&O) „aus verfahrensökonomischen Gründen“ erfolgt, so Körber-Risak - mehr dazu in Hartmann vs. Burg: Prozess unterbrochen.

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