City reserviert Parkplätze für Bewohner

Ein Parkplatz in der Nähe der Haustür - auf diesen Traum jedes Autobesitzers haben die Bewohner der Inneren Stadt bald gute Chancen. Denn der erste Bezirk hat sich mit der Stadt geeinigt und führt flächendeckend Anrainerparkplätze ein.

Die ersten 1.000 Plätze sollen noch bis Herbst dieses Jahres entstehen, kündigte Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) am Donnerstag an. Zukünftig dürfen auf insgesamt 20 Prozent aller verfügbaren Parkplätze nur noch Bewohner des ersten Bezirks mit einem Parkpickerl und Personen mit einem Behindertenausweis halten und parken.

„Da sich die Parkraumbewirtschaftung für die Bewohner der Inneren Stadt als nachteilig erwiesen hat, sind die Bewohnerparkplätze dringend notwendig geworden“, sagte Stenzel bei einer Pressekonferenz und freute sich über diese fraktionsübergreifende „Pioniertat“.

Platz direkt vor der Haustür nicht garantiert

Tatsächlich standen Vertreter aller Parteien auf dem Podium der Pressekonferenz, allerdings mit „verschiedenen Abstufungen der Zufriedenheit“, wie es Stenzel formulierte. Sie selbst hätte sich statt der 20 Prozent lieber die Hälfte aller verfügbaren Parkplätze für die Bewohner der Inneren Stadt gewünscht. Nun werden es bis Herbst erst einmal etwa 1.000 Parkplätze, dann wird evaluiert und ein Jahr später die zweite Tranche mit weiteren rund 600 Stellplätzen ausgerollt.

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Dabei habe man darauf geachtet, die reservierten Autoabstellflächen gleichmäßig über den Bezirk zu verteilen und „die Anzahl der vorhandenen Stellplätze in Beziehung zur Anzahl der Bewohner und der bereits vergebenen Parkpickerl zu setzen“, wie der Leiter der parteiübergreifenden Arbeitsgruppe, Stephan Unger, erklärte.

Einen Platz vor der Haustür garantiert das allerdings auch nicht, denn die Stellplätze sind keiner bestimmten Region zugeordnet. Über die ersten Parkplätze dürfen sich jedenfalls die Menschen im Stubenviertel freuen, wo demnächst 125 Flächen ausgewiesen werden. Schrittweise folgen im Sommer dann die neuen Markierungen im Kärntner-, Schotten- und Burgviertel sowie in der Altstadt.

Stepp: „Wir reduzieren Parkplätze für Einpendler“

„Wir reduzieren Parkplätze für Einpendler, ohne den Bewohnern des Bezirks zu schaden“, freute sich die stellvertretende Bezirksvorsteherin Daniela Stepp (SPÖ). Diese Lösung eigne sich für den ersten Bezirk besonders, da hier der Parkplatzdruck durch einpendelnde Autofahrer besonders hoch sei.

Auch die Bezirksvertreter der ÖVP, Markus Figl, und der Grünen, Alexander Hirschenhauser, zeigten sich durchaus zufrieden. „Es ist ein Freudentag, auf den wir siebzehn Jahre gewartet haben“, meinte Hirschenhauser, der die Regelung als ein Mosaiksteinchen auf dem Weg zum verkehrsberuhigten Zentrum sah.

Ein bisschen Kritik gab es hingegen von Georg Fürnkranz (FPÖ): Auch wenn man sich dem Kompromiss gern anschließe, wünschte er sich Haltemöglichkeiten auf reservierten Parkplätzen, etwa für Zustelldienste. „So haben wir jetzt einen Fleckerlteppich und einen Schilderwald statt einer wirklich flächendeckenden Lösung“, kritisierte er.

Stenzel: „Größter Erfolg meiner bisherigen Amtszeit“

Karl Newole, Klubobmann der Bürgerliste WIR, stieß sich dagegen an der Berechnung der Zahl der Parkplätze: Denn die Innere Stadt verzeichnet rund 10.000 Parkplätze an der Oberfläche, 2.000 davon sind aber bereits für spezielle Zwecke wie etwa Ladezonen oder Taxistandplätze vergeben. Die Berechnungsgrundlage für die von der Stadt vorgegebene 20-Prozent-Anrainerparkplatzquote beträgt daher nur 8.000. Insgesamt werden den Bewohnern der Wiener City 1.633 damit reservierte Parkplätze zur Verfügung stehen. Newole möchte vor allem über diese Berechnung noch einmal diskutieren.

Dennoch zeigten sich alle Fraktionen durchaus begeistert. „Ich denke, es ist nach einem achtjährigen Kampf der größte Erfolg meiner bisherigen Amtszeit“, resümierte Stenzel. Auch in anderen Bezirken gibt es zwar bereits reservierte Anrainerparkplätze, allerdings nicht flächendeckend, sondern nur in kleinen Grätzeln etwa rund um den Neubauer Spittelberg. Die Komplettlösung ist laut Verkehrsplaner Andreas Käfer auch in anderen Wiener Bezirken denkbar. „Das könnte durchaus Schule machen“, so Käfer.

Wirtschaftskammer fürchtet um Lieferverkehr

Die Wiener Wirtschaftskammer fürchtet allerdings um Lieferverkehr und die Erreichbarkeit von Geschäften. In einer Aussendung am Donnerstag forderte WKW-Präsident Walter Ruck daher eine Aufhebung des Halteverbots sowie die Öffnung der Stellplätze für Unternehmer mit Parkkarte.

Denn mit der derzeit geplanten Regelung seien selbst kurze Lieferungen, Service- oder Montagetätigkeiten nicht mehr möglich, kritisierte Ruck. Selbst Unternehmer, die für ihre betrieblichen Fahrzeuge Parkkarten für den ersten Bezirk haben, dürften nicht auf Bewohnerparkplätzen stehen bleiben, ärgerte sich der WKW-Präsident. „Wer den Wirtschaftsverkehr vertreibt, gefährdet die Nahversorgung und die tausenden Arbeitsplätze im Bezirk“, wird Ruck zitiert.

Er wünscht sich deshalb nicht nur eine Aufhebung des Halteverbots, sondern auch eine Öffnung der Anrainerstellplätze für betriebliche Fahrzeuge mit Parkkarte sowie eine zeitliche Staffelung der Anwohnerzonen nach dem tatsächlichen Bedarf. Derzeit sind Reservierungen geplant, die rund um die Uhr gültig sind. Ein weiteres Begehr: Die Anrainerparkplätze sollen auf eine Straßenseite gebündelt werden und nur dort entstehen, wo es keine Betriebe mit Zufahrts- und Ladebedürfnissen gibt.

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