Islamische Schule: Eltern gegen Musikunterricht

Eine islamische Schule in Floridsdorf steht in der Kritik: Manche Eltern und Schüler lehnen wegen ihrer Auslegung des Islam den Musikunterricht ab. Ein Lehrer informierte den Stadtschulrat, daraufhin wurde er von der Schule gekündigt.

Die Austrian International School in Favoriten ist eine von acht islamischen Privatschulen in Wien. Bis vor kurzem trug sie den Namen „Al Azhar“, benannt nach der religiösen Universität in Kairo. Die Schule boomt. In dem Gebäude sind Volksschule, Neue Mittelschule, Oberstufenrealgymnasium, Kindergarten und Hortgruppen untergebracht.

Lehrer: „Kinder halten sich Ohren zu“

Zuletzt geriet die Schule immer wieder in Kritik. Lehrer kündigten oder beschwerten sich beim Wiener Stadtschulrat über den schlechten Zustand der Schule, aber auch über den Unterricht. Im September beschwerte sich ein neuer Musiklehrer, selbst Moslem aus Ägypten, beim Stadtschulrat mit einem Brief, der dem ORF Magazin „Report“ vorliegt.

Austrian International School

ORF

„Teilweise ignorierten mich die Kinder, manche hielten sich die Ohren zu und andere wiederum beschimpften mich, sie schrien: Musik ist Haram, (verboten). Ich verstand die Welt nicht mehr“, schrieb der Lehrer. Auch Eltern mischen sich offenbar in den Unterricht ein: „Ein Vater kommt ganz unhöflich in die Klasse, schnappt seine Tochter am Arm und holt sie aus dem Raum, da sie nicht am Musikunterricht teilnehmen darf“, so der Lehrer. Die islamische Privatschule kündigte inzwischen den Musiklehrer.

Lehrer hatte Probleme mit Schüler

Der ägyptische Schulerhalter und die zwei österreichischen Direktoren wiesen Kritik an ihrer Entscheidung zurück. Nicht der Islam oder die Schule habe Probleme mit der Musik, sondern der Lehrer mit den Schülern. „Das Problem, das er gemacht hat, ist, dass er von seiner Warte aus versucht, den Koran zu interpretieren, aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist, kann er mit der Klasse umgehen oder kann er das nicht“, so Schulerhalter Hassan Mousa.

Sendungshinweis

Ein „Report“-Beitrag zum Vorfall in der Austrian International School kann in tvthek.ORF.at angesehen werden.

Die Version des Lehrers: „Der Schulleiter sagte, die Eltern haben die Kündigung verlangt, sie sind sehr böse darüber, wenn ein Musikunterricht in der Schule stattfindet.“ Die Ablehnung von Musik gilt als radikale Auslegung des Islam.

„Es gibt immer wieder Diskussionen. Wir haben immer wieder Eltern mit sehr tradierten Verhaltensweisen und Vorstellungen. Ich glaube, darin liegt ja unsere pädagogische Aufgabe, sehr empathisch mit den Eltern und Kindern umzugehen und sie auf die Gesellschaft draußen vorzubereiten“, so Siegrid Friedl-Neubauer, die Direktorin von der Austrian International School. Auf die Frage, ob Eltern Probleme mit dem Musikunterricht haben, meinte Friedl-Neubauer: „Ja, aber es ist nicht so wie es im Bericht des Lehrers beschrieben ist.“

Stadtschulrat: „Musik muss stattfinden“

Nun ist der Wiener Stadtschulrat am Zug. Dort heißt es, dass auch Privatschulen sich den Lehrplan nicht aussuchen dürfen. Die Austrian International School habe Öffentlichkeitsrecht. Die Lehrer werden somit vom Staat bezahlt. Die Schule darf sich jedoch aussuchen, wer unterrichtet.

„Es handelt sich um ein Dienstverhältnis zwischen Schulerhalter und dem Lehrer. Ich gehe davon aus, dass er sich an das Arbeits- und Sozialgericht wendet, wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Also wenn es ein Lehrer von uns wäre, würden wir das nicht so akzeptieren“, so Eva Schantl-Wurz vom Stadtschulrat. „Wir kennen auch den Brief und wir gehen der Sache ganz genau nach, denn Musikunterricht muss stattfinden.“

Ulrike Doppler-Ebner vom Stadtschulrat inspiziert die Schule zumindest zweimal im Jahr. Man werde das Gespräch mit den Eltern suchen, sagte Doppler-Ebner gegenüber „Radio Wien“. Außerdem werde man darauf aufmerksam machen, dass Nichtmitarbeit in einem Fach, welches immer es auch sei, automatisch zur Nichtbeurteilung führt. In diesem Fall kann die Klasse von den Kindern nicht abgeschlossen werden.

Links: