Uni-Arkadenhof: Bald auch weibliche Büsten

154 Büsten erinnern im Arkadenhof der Universität Wien an berühmte Wissenschaftler der Hochschule - vertreten sind aber ausschließlich Männer. Rektor Heinz Engl plant nun auch die Ehrung bedeutender Forscherinnen.

Als Vorgeschmack ist im Rahmen der 650-Jahr-Feiern bis 17. April die Ausstellung „Radical Busts“ mit 33 skulpturalen Porträts von Denkerinnen, Künstlerinnen und Aktivistinnen zu sehen. Die Ausstellung thematisiere die historische Entwicklung der „Gendergerechtigkeit“ in Bezug auf zwei Aspekte, so Engl anlässlich der Ausstellungseröffnung: „Die über Jahrhunderte währende Nicht-Präsenz von Frauen in Wissenschaft und die Nicht-Sichtbarmachung ihrer Leistungen.“

Das soll sich zumindest im Arkadenhof auch permanent ändern: „Eine von mir eingesetzte Arbeitsgruppe - zusammengesetzt aus VertreterInnen aller Fakultäten - hat konkrete Pläne für die Ehrung bedeutender Wissenschaftlerinnen im Arkadenhof vorbereitet, derzeit bereitet eine Jury die Ausschreibung eines künstlerischen Wettbewerbs vor. Noch im Jubiläumjahr 2015 werden wir die konkreten Umsetzungsvorstellungen präsentieren.“

Auch Callas, Lassnig und Janis Joplin zu sehen

Eine „Hinführung“ darauf bilden die „Radical Busts“ der österreichischen Künstlerin Marianne Maderna, so die Historikerin und Leiterin des Schwerpunkts Gendergerechtigkeit im Jubiläumsjahr, Gabriella Hauch. Die 33 jeweils mit einem Gedicht Madernas kommentierten Büsten herausragender weiblicher Denkerinnen, Künstlerinnen sowie sozialer und politischer Aktivistinnen werden in der Aula bzw. größtenteils im Arkadenhof entlang der Erinnerungstafeln und Büsten männlicher Gelehrter zu sehen sein. „Da geht es vor allem darum, diese Tradition, nur männliche Genies zu ehren, zu dekonstruieren.“

In der Aula stehen mit der Sozialwissenschaftlerin Marie Jahoda, der Physikerin Lise Meitner und der Philosophin Helene von Druskowitz drei Büsten von Frauen mit enger Verbindung zur Uni Wien. Im Arkadenhof sind dann die restlichen 30 Porträts zu sehen - etwa von Persönlichkeiten wie den Sängerinnen Maria Callas und Janis Joplin über Jesus-Begleiterin Maria Magdalena und Päpstin Johanna bis zu den Autorinnen Virgina Woolf und Mary Shelley und der Malerin Maria Lassnig.

Jelinek-Text als Sprechchor

Weitere Höhepunkte des Schwerpunkts Geschlechtergerechtigkeit im Jubiläumsjahr sind laut Hauch die Aufführung des von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek verfassten Textes „Schlüsselgewalt“ als großer Sprechchor am 10. Juni im Arkadenhof sowie ein Vortrag und Workshop der Philosophin, Bürgerrechtlerin und Pionierin der Frauen- und Geschlechterforschung, Angela Davis, am 5. und 6. Oktober.

Bei einem Symposium zum Thema „Gender_Language_Politics“ im Oktober sollen Formen der Sichtbarmachung wie des Verschweigens von Frauen in der Öffentlichkeit sprach-, medien- und politikwissenschaftlich diskutiert werden.

Dazu läuft ab Mitte März an verschiedenen Standorten der Uni auf Bildschirme der 35-minütige Loop „Frauen I Fragmente, Wissenschaftlerinnen Gestern heute Morgen“ mit Porträts von Frauen, die sich früher bzw. heute für ein Studium bzw. eine akademische Karriere an der Uni entschieden haben.

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