Vierteilige Schau über Kaiser Franz Joseph

Von der Unterhose bis zum schwarzen Leichenwagen: Ab heute können in vier Museen bei der Ausstellung „Franz Joseph 1830-1916“ Objekte aus dem Leben des umstrittenen wie verherrlichten Kaisers besichtigt werden.

„Franz Joseph ist hier in Schönbrunn geboren und auch gestorben, das war für uns der Grund, ihm zum 100. Todestag hier eine Ausstellung zu widmen“, sagte Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft. Ebendort im Erdgeschoß findet sich mit der Schau „Mensch & Herrscher“ der Hauptteil der Gemeinschaftsausstellung.

Vier Orte, vier Aspekte

In Gehdistanz ist parallel „Repräsentation & Bescheidenheit“ in der vom Kunsthistorischen Museum (KHM) betriebenen Wagenburg zu sehen. Aspekte wie „Jagd & Freizeit“ beleuchtet die Ausstellung im Schloss Niederweiden, das Hofmobiliendepot widmet sich dem Thema „Fest & Alltag“.

Frühes militärisches Interesse

Der politischen wie privaten Person hat man sich in den engen, dunklen Räumlichkeiten im Schloss verschrieben. Erich Woschitz hat für die lichtempfindlichen Zimmer eine ebenso düstere wie verwinkelte Ausstellungsarchitektur geschaffen, die den Besucher durch die in groben Zügen chronologisch aufgebaute, aber auch immer wieder thematisch konzentrierte Schau führt.

Nachdem man Franz Joseph in der kaiserlichen habsburgischen Familie verortet hat, kann man sich ganz der Kindheit und Jugend des späteren Kaisers widmen. Dass die zahlreich ausgestellten Kinderinstrumente von der Geige bis zur Harfe den jungen Mann weit weniger interessierten als die Zinnsoldaten, erläuterte Kurator Karl Vocelka bei einem Rundgang. Auch die von Franz Joseph angefertigten Kinderzeichnungen untermauern sein frühes militärisches Interesse.

Bilder von gefallenen Soldaten

Vorbei an Kinderuniformen und zahlreichen Porträts geht es weiter Richtung Erwachsenenleben, in das Franz Joseph spätestens mit seiner Ernennung zum Kaiser im Alter von nur 18 Jahren eintrat. Dieses Jahr 1848 nimmt man in der Ausstellung zum Anlass, auf „Lebensstationen und Wendepunkte des persönlichen Lebens“ einzugehen. Zu sehen ist etwa ein Gemälde der „Krönung“, die so nicht stattgefunden hat, jedoch den symbolischen Vorgang der Herrschaftsübernahme veranschaulichen sollte.

Kaiser-Jubiläum

Heuer ist der 100. Todestag von Kaiser Franz Joseph. Daher starten nun zahlreiche Ausstellungen.

Dem kritischen Blick auf die Politik des Kaisers werden die Kuratoren mit in die Schau integrierten Kontrapunkten gerecht: etwa mit Albin Egger-Lienz’ düsterem Gemälde „Finale“, Fotografien von gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg sowie einer aus Tschechien stammenden Karikatur aus dem Jahre 1915, wie sie in Wien aufgrund der Zensur nie hätte veröffentlicht werden können. Zu sehen ist der Kaiser auf einem Rollstuhl sitzend, mit Telefon am Ohr, ein nacktes Baby mit einem Dolch durchbohrend und einer Bombe im Anflug.

Tod als Anfang und Ende

Weitere Stationen widmen sich der Ehe mit Kaiserin Elisabeth, den Geliebten des Kaisers sowie Franz Joseph als Katholik. Weiters finden sich zahlreiche Darstellungen von Kriegshandlungen, die Totenmasken des Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie und abschließend Fotos und Zeichnungen, die den alten Kaiser im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder zeigt.

Ausstellungshinweis

„Franz Joseph 1830 - 1916. Zum 100. Todestag des Kaisers“, Sonderausstellung, 16. März bis 27. November, Schloss Schönbrunn, Wagenburg, Hofmobiliendepot und Schloss Niederweiden

Den Abschluss bildet Franz Josephs Tod, der gleich zu Beginn der Ausstellung mit einem schwarzen Sarg thematisiert wird. Sehenswert ist etwa ein kurzer Film vom Trauerzug. Besonders stolz ist man auf die Ansammlung von Funeralinsignien, die Totenmaske ist hingegen im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen und nur als Foto in der Schau zu sehen.

Franz Joseph 1830-1916 - Zum 100. Todestag des Kaisers

APA / Helmut Fohringer

Das NHM zeigt Kutschen und Kleidungsstücke

Wagenburg mit Kitsch und Protz

Von der Dunkelheit der an eine Grabkammer gemahnenden Ausstellung kann man schließlich in die nahe gelegene Wagenburg wechseln, in der das KHM anhand zahlreicher Kutschen und auch Kleidungsstücke die Bescheidenheit des privaten Menschen Franz Joseph und der opulenten Repräsentation des Kaisers veranschaulicht. Ist man bei einigen Stücken von der Einfachheit der Ausführung überrascht, wird man von Exponaten wie dem „Imperialwagen“ - der Krönungskarosse Elisabeths bei ihrer Krönung zur ungarischen Königin 1867 - beinahe von Kitsch und Protz erschlagen.

Unterhose des Kaisers ausgestellt

Ebenfalls ab Mittwoch sind die Ausstellungen in Niederweiden und im Hofmobiliendepot zu sehen. An letzterem Ort widmet man sich auch wirklich privaten Aspekten des Kaisers: Von einem Privatsammler konnte man sich etwa eine Unterhose Franz Josephs leihen. Der schmal bemessenen Freizeit des Kaisers widmet man sich in Niederweiden, wo man den Kaiser anhand von 100 Exponaten etwa als Jäger zeigt. Wem das alles noch nicht genug ist, der hat in der Ausstellung „Der ewige Kaiser“ in der Nationalbibliothek die Möglichkeit, sich der Mythenbildung rund um Kaiser Franz Joseph anhand von Fotos und Dokumenten zu nähern.

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