Baujuwel von Josef Frank: Villa Beer verfällt

Ein Baujuwel verfällt in Wien-Hietzing: die Villa Beer des österreichischen Architekten Josef Frank aus den frühen 1930er Jahren. Das Haus ist im Privatbesitz, am ersten April-Wochenende wird die Villa erstmals zugänglich sein.

Gemeinsam mit Oskar Wlach hat Josef Frank die Villa in der Wenzgasse 12 am Beginn der 1930er Jahre errichtet. Die Seite zur Gasse hin wirkt verhalten und schmucklos. Zum Garten hin aber öffnet sich das Haus mit großen Fenstern und einer Unzahl an Balkonen und Terrassen. Hinter der Fassade tritt ein höchst komplexes Raumkonzept zum Vorschein.

Das Haus als Weg und Platz war für Josef Frank immer wichtig. „Die Erschließung, wie man sich durch das Haus bewegt, das ist für ihn das wesentliche. Dass dieser Raum, in dem man reinkommt, ja sehr klein ist und wenn man die Tür aufmacht, explodiert der Raum praktisch“, erklärte die Architektin und Frank-Expertin Claudia Cavallar gegenüber „Wien heute“.

Baujuwel vor dem Verfall

Die Villa Beer von Architekt Josef Frank droht zu verfallen, über Renovierung und Nutzung wird debattiert.

Teenischen und Salons zum Verweilen

Die Bewohner sollen sich wie in einer Stadt fühlen, mit einer Abfolge verschiedenster Raumerlebnisse. Dazu gehört die offene Stiege. Sie dient nicht nur der Verbindung zwischen den Räumen - Teenischen, kleine Terrassen, Treppenpodeste und Salons laden zum Verweilen ein.

„Die Art wie die Räume ineinander übergehen und die Abwechslung der Raumhöhen und Proportionen - das ist schon sehr speziell Frank. Was sich nicht sofort erschließt ist, dass es eben nur ein Haus war, das in der `Ich habe Dienstboten`-Tradition steht und auch so nur komfortabel bewohnbar ist“, meinte Cavallar. Wichtig war dem Architekten auch die Verschmelzung von Innen- und Aussenbereich. So hatte jeder Raum einen Ausgang ins Freie.

Zukunft der Villa ungewiss

Alles, was sich ursprünglich im Haus befunden hatte, wurde von Josef Frank selbst entworfen. Wie die weitere Nutzung aussieht, das weiß noch niemand so genau. „Es kann nicht sein, dass kleine Orte in Tschechien es schaffen, Adolf Loos-Häuser zu kaufen und dem Publikum zugänglich zu machen - und dieses Haus geht vor die Hunde“, so Cavallar.

Am ersten April-Wochenende wird die Villa Beer für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter dem Motto „Alles Frank!“ wird das Architekturzentrum Wien erstmals die Gelegenheit bieten, die Villa zu besichtigen. Salongespräche sollen dabei auch einen Einblick auf den Einfluss Josef Franks uaf das heutige Architektur- und Designgeschehen ermöglichen.

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