Kabarettpreis geht an Thomas Maurer

Seit Dienstag steht fest: Thomas Maurer bekommt den Österreichischen Kabarettpreis 2016 verliehen. In anderen Kategorien werden Lisa Eckhart, Hosea Ratschiller mit RaDeschnig und Gerhard Haderer ausgezeichnet.

Thomas Maurer bekommt den Hauptpreis für sein aktuelles Programm „Der Tolerator“. Die mit 3.333,33 Euro dotierte Auszeichnung wird ihm am 8. November in der Wiener Urania überreicht. Der 49-Jährige bekommt den Preis nach 2003 und 2009 zum dritten Mal verliehen. Laut Jurybegründung habe der Künstler „wie kein anderer in dieser Saison die brennenden Themen unserer Gesellschaft mit satirischer Scharfsinnigkeit behandelt“.

Kein Prediger und Weltverbesserer

„Von der Anprangerung der Ausbeutung Griechenlands durch die EU über die treffsichere Analyse der Psyche spezifischer Wählerschichten bis zu der Frage, wie es mit der Flüchtlingsproblematik - oder besser: den Flüchtlingsproblematisierern - umzugehen gilt.“ So werde letztlich aus dem „Tolerator“ ein „brisantes, herausragendes Programm“.

Hauptpreis für Thomas Maurer

Keine Predigt, sondern eine Satire, die sich an Widersprüchen entzündet, sagte Kabarettist über sein Programm „Der Tolerator“.

Mit dem Programm thematisiert Maurer zwar aktuelle Ereignisse, große Veränderung durch sein Kabarett erhoffe er sich aber nicht, wie er sagt: „Was man tun kann, ist idealerweise, Leuten ein bisschen einen Irritationsinput zu geben. Und vielleicht denkt sich dann der eine oder die andere tatsächlich was im Weiteren. Dann hätte es eine konkrete Auswirkung, wenn auch wahrscheinlich quantitativ nicht erfassbar.“

Preisträger

ORF

Die Preisträger: Haderer, Eckhart, Maurer, RaDeschnig und Ratschiller

Österreicher lieben bissigen Witz

Mit ihrem ersten Soloprogramm „Als ob Sie Besseres zu tun hätten“ sicherte sich Lisa Eckhart den Förderpreis. Punkten konnte sie laut Jury mit „rabenschwarzem Humor, souveräner Bühnenpräsenz, bösem Witz und nicht zuletzt mit dem größten poetischen Talent, das derzeit die Kabarettszene bereichert“.

Förderpreis für Lisa Eckhart

„Das Bissige und Böse wohnt dem Österreichischen inne“, sagte die Kabarettistin - und will neues Publikum ins Soloprogramm locken.

Ein „bisschen gekränkt, dass es nicht der Preis fürs Lebenswerk war“ war sie schon, sagte die junge Kabarettistin mit einem Augenzwinkern bei der Bekanntgabe. Für die 23-jährige Steirerin kam der Förderpreis jedenfalls sehr unerwartet. Schon bisher fiel Eckhart auf - nicht zuletzt wegen ihres auffälligen Erscheinungsbildes. Zum Thema „Auffallen“ meint Eckhart: „Sobald es krankhaft geschieht, ist es schlecht, aber sobald es unbewusst passiert, kann es nicht schaden.“

Auf den Spuren von Karl Kraus

Der Programmpreis geht an Hosea Ratschiller und das Duo RaDeschnig für ihre szenische Lesung „Der allerletzte Tag der Menschheit“. Laut Jury sei das Stück ein „facettenreiches, aktuelles Endzeitszenario (...), das mit intelligentem Witz, mildem Spott und respektvoller Nähe zu Karl Kraus das Abgründige unserer Gegenwart aufdeckt“. Wie der Hauptpreis sind der Förder- und Programmpreis mit je 3.333,33 Euro dotiert.

Programmpreis für Hosea Ratschiller

Für den Satiriker ist die Auszeichnung wichtig, um „seriös“ werden zu können. Sie helfe auch, das Vertrauen von Veranstaltern zu gewinnen.

Programmpreis für RaDeschnig

Das Duo RaDeschnig sorgt für die musikalische Begleitung von „Der allerletzte Tag der Menschheit“, einem Werk voll Zitate.

Auszeichnung für „bissiges Werk“

Den Sonderpreis wird der oberösterreichische Zeichner Gerhard Haderer entgegennehmen dürfen. Seine Cartoons und Comics bezeichnete die Jury als „erhellend, erregend und erheiternd“, wobei der Karikaturist seit Jahrzehnten für ein „oft subversives, bissiges Werk“ stehe. Haderer selbst fühlte sich geehrt: „Ich habe noch nie etwas anderes gemacht, als mich über Österreich zu äußern. Also glaube ich, dass der Österreichische Kabarettpreis eine schöne Auszeichnung ist.“

Sonderpreis für Gerhard Haderer

Der Karikaturist freut sich über die „schöne Auszeichnung“. Denn er kenne auch andere Reaktionen auf seine Arbeit.

Publikum stimmt über TV-Formate ab

Noch zu bestimmen ist der Empfänger des neuen, ebenfalls undotierten Publikumspreises: Ab Donnerstag kann online unter www.kabarettpreis.at für einen Favoriten votiert werden, wobei neun heimische TV-Formate bis 23. Oktober zur Auswahl stehen - darunter „Bist du deppert!“ (Puls 4), die „Science Busters“ (ORF) oder „Zum Brüller“ (Servus TV). Die Verleihungsgala, die erneut von Verena Scheitz moderiert wird, ist am 18. November um 23.35 Uhr erstmals auch auf ORF eins zu sehen.

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