Ärger über Wiener S-Bahn

Zehn S-Bahn-Linien betreiben die ÖBB in Wien, nicht immer ganz einwandfrei. Pannen und Störungen verärgern die Fahrgäste und sind kontraproduktiv in Zeiten, in denen die S-Bahn eigentlich attraktiver werden soll.

Egal ob wegen eines „technischen Gebrechens“, eines „Schadens am Triebfahrzeug“ oder „aus betrieblichen Gründen“: Verspätet sich eine S-Bahn oder fällt gleich ganz aus, gerät das sorgfältig gebastelte persönliche Zeitkorsett komplett aus den Fugen. Gerade für Pendler und Schüler bedeutet dies in den meisten Fällen, zu spät zur Arbeit oder in die Schule zu kommen - wenn man in dann überfüllten Zügen überhaupt Platz findet.

Wieselzug

APA/Birgit Egarter

Doppelstockwaggons „Wiesel“ ab 1997 eingeführt

Störungen für Fahrgäste schon Alltag

Dass es technische Gebrechen geben kann, liegt in der Natur der Sache. Die Häufung bei der S-Bahn sorgt aber bei vielen Fahrgästen für Verdruss, wie auch in einer nicht repräsentativen Meinungsumfrage von Radio Wien zu hören ist:

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„Radio Wien“-Meinungsumfrage

„Hunderte ÖBB-Züge fallen aus“ lautete eine Schlagzeile im „Kurier“ von vergangenen Donnerstag. Auch dort zitiert unzufriedene Fahrgäste, die von „Zumutung“ und „zunehmendem Ärger“ sprachen.

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Opposition fordert S-Bahn-Ausbau

Die Opposition und die Arbeiterkammer (AK) treten vehement für einen engagierteren Ausbau der S-Bahn in Wien ein. Tenor: In einem größer werdenden Wien könne die S-Bahn ein wichtiger Teil des innerstädtischen Verkehrs werden. So forderte die AK im August neue Verbindungen und mehr Konzentration auf die innerstädtischen Anforderungen. NEOS sprach sich dafür aus, das S-Bahn-Potential der Stadt voll auszuschöpfen, während die FPÖ von Fehlplanungen etwa bei der Parallelführung von S- und U-Bahn spricht.

Laut ÖBB soll nach derzeitigem Planungsstand der Austausch der blau-weißen S-Bahn-Züge in Wien durch Cityjet-Garnituren Ende 2019 abgeschlossen sein.

Der grüne Verkehrssprecher Rüdiger Maresch fordert ebenfalls nicht nur Intervallverdichtungen und Angebotsverbesserungen. Er bringt auch eine andere Hürde ins Spiel, indem er die alten blau-weißen S-Bahn-Züge („4020“) als „behindertenfeindlich“ bezeichnet: Diese Garnituren „haben einen gewaltigen Nachteil für Menschen mit Behinderungen, für Menschen mit einem Kinderwagen oder einem Gipsfuß: Sie sind fast nicht zu erklimmen.“ Er fordert daher, die alten Züge auch auf den Wiener S-Bahn-Linien rasch durch den Cityjet zu ersetzen.

S-Bahn 4020

APA/Barbara Gindl

S-Bahn-Garnituren 4020, eingeführt in den Jahren 1978 bis 1987

ÖBB: 57.000 Züge pro Monat in Ostregion

Die ÖBB halten der Kritik entgegen, dass in der Ostregion pro Monat rund 57.000 Züge unterwegs sind. Ein Ausfall von etwa 250 Zügen im selben Zeitraum entspreche da einem Anteil von knapp einem halben Prozent der gesamten Flotte. Die Gründe für die Ausfälle seien vielfältig, so ÖBB-Sprecherin Juliane Pramme, und würden von Fremdeinwirkungen über Baustellen bis hin zu technischen Störungen reichen.

S-Bahn in Wien

Die ÖBB betreiben in Wien zehn S-Bahn-Linien und befördern damit im Schnitt rund 240.000 Fahrgäste täglich. Laut ÖBB beträgt die Pünktlichkeit auf der Wiener Stammstrecke 96,2 Prozent.

Prinzipiell sei der Fuhrpark von rund 1.000 Lokomotiven der ÖBB in einem guten Zustand, obwohl die Lokomotiven aus verschiedenen Generationen stammen. Seit dem Jahr 2000 würden ältere Baureihen gegen neue Triebfahrzeuge ausgetauscht. So liege man mit der Taurus-Lolomotive in Bezug auf Zuverlässigkeit, Kraft und Schnelligkeit im Spitzenfeld Europas. Diese Loks seien zudem sparsam und wenig wartungsanfällig.

Was die Kritik an den blau-weißen S-Bahn-Garnituren betrifft, laufe der Austausch durch neue Cityjets. Aktuell sind laut ÖBB derzeit 28 Garnituren in Österreich unterwegs. Ab Anfang 2018 sollen alle 101 Garnituren zur Verfügung stehen - mehr dazu in ÖBB fahren mit neuen Cityjets (noe.ORF.at; 20.11.2015). Aber auch bei diesen neu eingeführten Zügen läuft nicht alles einwandfrei. Es gibt Aerodynamikmängel beim Stromabnehmer - mehr dazu in ÖBB: Probleme mit neuen Zügen (oe1.ORF.at). Das Problem soll laut ÖBB-Chef Andreas Matthä „in den nächsten Monaten“ behoben sein.

Cityjet

ÖBB/Philipp Horak

Cityjet-Einführung läuft seit 2015

Angebotsverbesserung im Regierungsprogramm

Pannen beim rollenden Material kommen immer und für alle ungelegen, ganz besonders aber in einer Zeit, in der sich die Stadt den Ausbau der S-Bahn auf die Fahnen und ins Regierungsprogramm geschrieben hat: Die Verkürzung von Intervallen und die Modernisierung von Strecken sind zwei Schlagworte, die den Ausbau der S-Bahn in und um Wien in den kommenden Jahren prägen sollen.

„Im Bereich der S-Bahn werden Angebotsverbesserungen, Intervallverdichtungen und eine Imageoffensive durchgeführt. Mit der S-Bahn besteht bereits ein hochrangiger Verkehrsträger, dessen Angebot mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz ausgeweitet werden kann. Langfristiges Ziel ist eine massive betriebliche Angebotsverbesserung im Kernbereich des Wiener Schnellbahn-Netzes.“ Rot-Grünes Regierungsübereinkommen, S.94.

So soll etwa die Strecke zwischen Wien und der slowakischen Hauptstadt Bratislava elektrifiziert und teilweise zweigleisig werden. Damit wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die Fahrtdauer auf 40 Minuten reduzieren. Die Kosten betragen rund 505 Mio. Euro - mehr dazu in Ausbau der Zugsstrecke Wien - Bratislava.

Mit einer Taktverdichtung auf der Südbahnstrecke kommen die ÖBB seit 5. September einer langjährigen Forderung Meidlings entgegen. Die S-Bahn ist sechs Mal pro Stunde unterwegs - mehr dazu in S-Bahn künftig im 10-Minuten-Takt. Erst im vergangenen Juni unterzeichneten Stadt Wien und ÖBB eine Vereinbarung über den Ausbau der Wiener S-Bahn. Die Verbindungsbahn zwischen Meidling und Hütteldorf erhält zwei neue Stationen, ausgebaut wird auch der Marchegger Ast - mehr dazu in -Ausbau der Wiener S-Bahn fixiert.

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