Ex-Rekrut berichtet über „Klima der Angst“

Die Untersuchungen nach dem Tod eines Bundesheer-Rekruten in Horn gehen weiter. Ein Mann, der selbst in Horn Rekrut war, übt nun scharfe Kritik an den dortigen Zuständen: Verhöhnung und Schleiferei stünden an der Tagesordnung.

Unsportliche Rekruten wurden regelrecht geschliffen, sagt der ehemalige Rekrut, der vor drei Jahren in Horn ausgebildet wurde: „Die wurden einfach weiter gedrillt von hinten. Die sind irgendwann mal am Ende der Gruppe gestanden und wurden weiter angeschrien, teilweise auch beschimpft, sie sollen weitermachen. Solange man noch Zeit zum Jammern bzw. Luft zum Jammern hat, kann man auch noch weitermarschieren.“ Und das ist nicht ohne Folgen geblieben. „Es sind auch einige Leute zusammengebrochen. Die wurden dann auch versorgt.“

Der Ex-Rekrut im ORF-Interview

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Ein ehemaliger Rekrut kritisiert Ausbildner in der Kaserne Horn

„Nette Herren“ von der Beschwerdekommission

Marschieren bis zum Umfallen sieht jedenfalls keine Dienstvorschrift vor, eben so wenig Körperstrafe. „Wenn irgendetwas nicht passt, das Bett ist nicht schön gemacht, nicht sauber rasiert, können schön geschwind einmal Liegestütze hageln.“ Und das gibt es auch in verschärfter Variante: „Nach Märschen hat man das auch oft noch mit Gepäck. Und nach zwölf Kilometern Marsch mit dreißig Kilo am Rücken zwanzig Liegestütze machen ist das nicht unbedingt das Angenehmste.“ Und vor allem eigentlich strengstens verboten.

Sendungshinweis:

Wien heute, 10.8.2017

Stellt sich die Frage, warum sich niemand beschwert hat: „Wir hatten den Fall, dass die Beschwerdekommission sogar bei uns in Horn war. Für mich hat es aber so gewirkt, als würden sie einfach nur ein Hakerl machen wollen. Da sind zwei nette Herren herein gekommen, schön gekleidet, haben einmal groß in die Runde gefragt, ob es eh allen gut geht, natürlich vor den Ausbildnern. Und logischerweise hat sich keiner etwas sagen getraut.“

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Liegestütze als Strafe nach langen Märschen ist „nicht das Angenehmste“

„Die machen das rein des Quälens willen“

Das Problem seien einfach die Ausbildner, sagt der Rekrut, die er aber nicht in einen Topf werfen will: „Wir hatten auch Ausbildner, die ich sehr nett fand, die eine gute Ausbildung gemacht haben, die uns zwar auch gepusht habe bis an die Grenzen, die aber gewusst haben, wann Schluss ist. Und bei manchen Leuten hatte man wirklich das Gefühl, die machen das rein des Quälens willen. Denen gefällt es einfach, einen Schwachen in der ABC-Maske durchs Laub robben zu lassen, bis sich der fast nicht mehr rührt.“ Das Verteidigungsministerium hat angekündigt auch diesen Fall zu überprüfen.

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