Beschwerden von Rekruten nie beantwortet

Über zwei Vorfälle bei der Garde in der Maria-Theresien-Kaserne im März hat sich ein Rekrut via Internet beschwert. Bis heute gab es keine Reaktion vom Bundesheer. Die Beschwerden seien „nicht auffindbar“.

Wir gehen jeder Beschwerde nach und dulden kein Fehlverhalten. So reagierte das Bundesheer in den vergangenen Tagen auf Vorwürfe über Verhalten von Ausbildnern, das von Rekruten als erniedrigend wahrgenommen wurde. Der Hitze-Tod eines 19-Jährigen löste die Diskussion aus - mehr dazu in Toter Rekrut: Ruf nach Aufklärung wird lauter (noe.ORF.at).

Aber wie leicht ist es wirklich, sich als Rekrut zu beschweren und wird wirklich jedem Fall nachgegangen? Darüber kommen Zweifel auf. Ein Garde-Rekrut, der sich beschwerte und nicht weiß, was aus der Beschwerde wurde, sprach mit Ö1 über die beiden Vorfälle.

Ausbildner „rastete aus“

Ein Rekrut aus seiner Gruppe sei in der Früh zu erschöpft gewesen, weil er am Vortag lange aus war. Er habe sich im Schlafraum in der Kaserne eingesperrt. Ein problematisches Verhalten, sagt der Rekrut, aber ein Ausbildner habe völlig überreagiert: „Wir haben von draußen nur einen lauten Knall gehört und wie wir in die Kaserne rein gingen, sahen wir, dass in der Tür ein großes Loch war und das Schloss aufgebrochen und das Zimmer verwüstet war.“

Maria-Theresien-Kaserne Bundesheer

ORF

Im März sind die Vorfälle in der Maria-Theresien-Kaserne passiert

Bei diesem Vorfall sei der Kamerad im Zimmer praktisch aus dem Bett gefallen. Der Ausbildner habe ihn in die Liegestützausgangsstellung gehen lassen und so lange angeschrien, bis er nur noch geheult hätte.

Beschwerde nie beantwortet

Gemeinsam mit seinen Eltern verfasste der Kamerad des Betroffenen seine Beschwerde auf einer Bundesheer-Internetseite, wo anonyme Beschwerden möglich sind, er aber seine E-Mail-Adresse angegeben habe. Auf die Beschwerde habe es laut dem Rekruten nie eine Reaktion gegeben.

Der Rekrut im Ö1-Interview mit Bernt Koschuh

Die Beschwerde ist bisher auch nicht auffindbar, sagt Bundesheer-Sprecher Dietmar Rust gegenüber Ö1: „Wir haben heute alle elektronisch eingegangen Beschwerden überprüft und habe keine dieser Beschwerden gefunden. Sollte es ein technisches Gebrechen gegeben haben, soll der Rekrut es nochmal schicken, jeder Vorwurf wird geprüft.“

Fünf Stunden ohne Jacke in der Kälte?

Das wird auch den zweiten Beschwerdefall betreffen. In eisiger Kälte stehen ohne Winterjacke. „Das war im Jänner, wo es minus 20 Grad gehabt hatte. In der Nacht hat es zu schneien begonnen. Ich bin Rechtshänder, hatte mir die die rechte Hand gesplittert und konnte also nicht Schneeschaufeln, hatte auch den Gips oben. Und ich bin auch in keine Winterjacke hineingekommen mit der Gipshand. Der Offizier vom Tag hat gemeint, ich muss halt zuschauen. Dann bin ich halt nur in der normalen Uniform draußen gestanden und hab zugeschaut beim Schneeschaufeln“, sagte der ehemalige Rekrut.

Wenn einer im Gebäude bleibt, wäre das unkollegial, habe der Offizier gemeint. Der Rekrut sagt, er habe nur die normale, dünne Bundesheerjacke angehabt. „Der sogenannte Pezi, eine Fleece-Weste, in die bin ich nicht hineingekommen. Und dann gibt es noch darüber eine dickere Jacke, die auch Wind abhält, in die bin ich mit dem Arm auch nicht hineingekommen. Nach mehreren Diskussionen, es war mittlerweile dann - glaub ich - fünf Uhr in der Früh, durfte ich hineingehen. Und begonnen haben wir um zwölf“, sagte er.

Fehlende Rekruten müssten gesucht werden

Eine hartnäckige Verkühlung sei die Folge gewesen. Bundesheersprecher Rust sagt zu dem Vorwurf: „Das österreichische Bundesheer hat eine Sorgfaltspflicht gegenüber seinen Rekruten aber auch gegenüber allen Bediensteten. Dieses hier geschilderte Verhalten, wenn es sich so zugetragen hat, und den Sachverhalt müssen wir klären, das wird geprüft und dann werden Maßnahmen gesetzt. Es ist nicht zu tolerieren, dass es irgendwelche Schikanen gegenüber einem Untergebenen gibt.“

Zum angeblich verwüsteten Schlafraum, sagt der Heeressprecher: Es sei nötig, einen Rekruten zu suchen, wenn er fehlt. Der bisherige Wissensstand sei gewesen, dass man das Zimmer geöffnet habe, um nachzusehen, wie es dem Rekruten geht. Die nun für das Bundesheer anscheinend neuen, darüber hinaus gehenden Vorwürfe würden geprüft.

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