Anti-Terror-Mauer: Rektor fordert Baustopp

Kritik gibt es an der Mauer auf dem Ballhausplatz, die das Kanzleramt und die Hofburg vor möglichen Terrorattacken schützen soll. Der Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Gerald Bast, fordert einen sofortigen Baustopp.

„Warum schweigt die Weltkulturerbe-Kommission zum Plan, den Wiener Ballhausplatz mit Mauern und Pollern zu bewehren? In anderen Fällen legen die Welterbe-Schützer umgehend und wortreich ihr Veto ein, wenn es um die Abwehr zeitgenössischer Architektur geht“, so Bast - mehr dazu in Mauerbau am Ballhausplatz gestartet.

Gerald Bast im „Wien heute“-Interview

Für den Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien ist die Mauer am Ballhausplatz mehr als ein Schildbürgerstreich.

„Städtebauliche Schandtat erster Klasse“

Bast lässt das Argument, es gehe um Sicherheit und Terrorabwehr, nicht gelten, da sich die allermeisten Terroranschläge gegen große Menschenansammlungen von Touristen und Stadtbewohnern richteten. Für Bast ist der Mauerbau am Ballhausplatz ohne Bezug zu realen Bedrohungen und eine städtebauliche Schandtat erster Klasse. Er fordert einen sofortigen Baustopp.

Mauer am Ballhausplatz

ORF

Wehdorn: „Gibt es nicht andere Varianten?“

Anlass der Kritik ist die neue Terrorabwehr bzw. der Anprallschutz. Rund um das Bundeskanzleramt versperren in Zukunft insgesamt fünfzehn Poller die Zufahrt zum Bundeskanzleramt. Zusätzlich werden fünf 80 Zentimeter hohe und maximal acht Meter lange Betonblöcke installiert.

An der Höhe der Mauer stößt sich auch Manfred Wehdorn, der Wiener Architekt und Experte für Denkmalpflege: „Es wird aus meiner Sicht mit so einer Mauer das Gefühl ‚Antiterror ist notwendig‘ geschürt. Hier ist zu hinterfragen: Ist die Mauer in der Höhe notwendig? Gibt es nicht andere Sicherheitsvarianten, die stadtbildverträglicher sind?“

Schutzmauer in Wiener Innenstadt

Auf dem Wiener Ballhausplatz wird derzeit eine Mauer gebaut, die das Innenministerium, das Kanzleramt und die Hofburg schützen soll.

Sicherheitsexperte: „Verzerrte Optik“

Auch Sicherheitsexperte Reinhard Kreissl sieht den Mauerbau kritisch. „Es ist notwendig. Die Frage ist nur, was ist die Rückseite davon? Wenn sie dieses eine Objekt schützen, dann fahren Leute, die ein Interesse daran haben, in den nächsten McDonalds, in den nächsten Supermarkt rein, dann fahren sie in die Mariahilfer Straße, die Kärntner Straße, es gibt genügend Orte im öffentlichen Raum, die sie nicht schützen können. Sie können nicht alle zehn Meter eine Betonmauer aufbauen“, so der Kriminalsoziologe.

Reinhard Kreissl im Interview

Österreich will Regierungsgebäude mit einer Mauer schützen. Sicherheitsexperte Reinhard Kreissl sieht das kritisch.

Ein Anschlag oder Amoklauf sei zudem äußerst selten - obwohl die Möglichkeiten vielfältig wären. „Wir haben eine etwas verzerrte Optik wegen übersteigerter Medienberichterstattung. Aber über das Jahr oder den Monat gesehen, passiert relativ wenig.“

Auch der Ex-Bundespräsident Heinz Fischer ist nicht von den Umbauplänen überzeugt, wie er in „Wien heute“ sagt - mehr dazu in Fischer hat sich Schutzmauer „nicht gewünscht“.

Kosten für Mauer unbekannt

Bereits 2015 wurde die bauliche Sicherheit von gefährdeten Objekten durch das Innenministerium evaluiert. Gebaut werden die Poller und Betonmauern jetzt von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Die Kosten teilen sich Stadt Wien, das Bundeskanzleramt und die Burghauptmannschaft. Wie viel das Projekt kostet, ist unbekannt. Das Kanzleramt gibt gegenüber der ZIB2 an, sich mit 325.000 Euro zu beteiligen.