Kunsthaus zeigt „fremde Natur“

Die neue Ausstellung „Visions of Nature“ im Kunsthaus Wien setzt sich mit dem zunehmend distanzierten Verhältnis des Menschen zur Natur auseinander. Denn das Wissen um die Natur gehe verloren - was nicht ungefährlich ist.

Einerseits ist die Natur ein Ort der Zuflucht und Sehnsucht, andererseits wird sie zunehmend durch den Menschen bedroht - ein ambivalentes Verhältnis also. Eine neue Ausstellung im Kunst Haus Wien befasst sich nun mit der zunehmenden Abgrenzung zwischen Mensch und Natur.

Nicht die „konkrete Natur“ wird behandelt

25 österreichische und internationale Künstlerinnen und Künstler zeigen mit ihren Arbeiten, welchen Beitrag Fotografie und Video dazu leisten können, das derzeitige Verhältnis von Mensch und Natur zu verstehen. Dass es in der Ausstellung nicht um die „konkrete Natur“ geht, sondern um ihre Abbildung, lässt bereits der Titel der Eingangsarbeit „I was in love with a place in my mind“ von Bruno von Roels vermuten.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Idealisierung zur Dystopie. Viele Arbeiten beschäftigen sich mit dem Versuch des Menschen, sich der Natur anzunähern, zum Beispiel Vanja Bucans farbenfrohe Collagen. Die gleichzeitige Distanz wird hingegen beispielsweise in den Baumporträts von Myoung Ho Lee und der Collage „Museum of Nature“ des Finnen Ilkka Halso deutlich. Denselben Effekt erzielen auch die Fotografien von Darren Almond und Matthias Kessler. Durch ungewöhnliche Belichtung wirken ihre Naturdarstellungen verfremdet.

Das Zeitalter des „Anthropozän“

Philosophen, Natur- und Kulturwissenschaftler beleuchteten das Phänomen Natur im Laufe der letzten Jahrhunderte aus verschiedensten Blickwinkeln. Seit einigen Jahren hat sich das allgemeine Naturverständnis dahin entwickelt, dass die Umwelt geschützt werden muss, um sie zu erhalten.

Der Geologe und Chemiker Paul Crutzen prägte 2001 den Begriff des „Anthropozän“. Er beschreibt das Zeitalter des Menschen, dessen Eingriffe und Veränderungen auf der Erde in der Zukunft in geologischen Schichten nachweisbar sein werden. Auch mit diesem geografischen Phänomen beschäftigen sich einige Ausstellungsstücke.

Veranstaltungshinweis

Die Ausstellung „Visions of Nature“ ist von 13. September bis 18. Februar 2018 im Kunst Haus Wien zu sehen.

Gefahr der „fremden Natur“

Im digitalen Zeitalter sei das Dasein in der Natur für viele keine Selbstverständlichkeit mehr, sagt Bettina Leidl, Direktorin des Kunst Haus Wien zum Hintergrund der Ausstellung. „Man kann sich nur für Dinge einsetzen, die man kennt. Ist das Wissen um die Natur einmal verloren, wird sich auch keiner finden, der dafür kämpft. Insofern ist die Auseinandersetzung damit für den Menschen existenziell.“

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