Kinder vor Missbrauch schützen

Der Missbrauch als Kind kann Folgen bis ins Erwachsenenalter haben. Täter finden sich überall, in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule und im Sportverein. „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl über die Wege, Missbrauch zu vermeiden und die Kinder zu stärken.

Sexueller Missbrauch geschieht in verschiedenen Formen: ohne körperlichen Kontakt etwa durch Drohungen oder Erzählungen sowie mit körperlichem Kontakt. Eine zentrale Rolle spielt dabei laut Busch-Frankl das Machtgefälle zwischen dem Erwachsenen und dem Kind. Kinder wissen teilweise gar nichts über die Bedeutung der Handlung oder sie können sich nicht wehren. Derartige Handlungen sind nicht immer gewaltsam. Oft wird auch auf subtile Art versucht, das Kind willentlich zu machen.

In Österreich rechnet man mit etwa 10.000 bis 25.000 Missbrauchsfällen pro Jahr. Dabei handelt es sich allerdings nur um eine Schätzung, viele Übergriffe kommen nicht zur Anzeige. Rund ein Viertel der Täter sind im Familienverbund zu finden, rund die Hälfte im näheren Umkreis, sprich in der Schule, im Internat, im Sportverein. Daher sei auch der Satz „Geh mit keinem Fremden mit“ wenig präventiv, so Busch-Frankl. Prinzipiell sind Mädchen häufiger betroffen als Burschen.

Selbstverletzungen oder Magersucht als Hinweise

Anzeichen für sexuellen Missbrauch sind manchmal nicht einfach zu erkennen. Das Kind zeigt nicht immer gleich Symptome.

Kind

Fotolia/pegbes

Gezeichnet fürs Leben

Besonders wenn der Missbrauch traumatisierend war, kann es zu einer Abspaltung oder Verdrängung kommen. Symptome können zum Beispiel in Form von Selbstverletzungen, Zurückgezogenheit, Distanzlosigkeit oder sexualisiertem Verhalten sowie eigenartigen, nicht altersadäquatem sexuellen Wissen und Handlungen auftreten.

Einnässen, Leistungsabfall oder Magersucht können ebenfalls Hinweise darstellen. Verleugnung und Geheimhaltung findet häufig statt, da die Täterin oder der Täter aus dem Familienkreis stammt. In diesem Fall entwickelt das Kind Schuldgefühle, wenn es vom Missbrauch erzählen würde. Die Kinder sind somit häufig alleine damit. Missbrauch ist immer traumatisierend und zieht Spuren im Leben nach sich.

Hat man Sorge, soll man sein Kind behutsam und kindgerecht befragen, wobei man die Fragen möglichst „offen“ formulieren sollte. Weiters sollte man ihm die Sicherheit geben, es kann nichts passieren, wenn es etwas erzählen möchte.

Gute und böse Geheimnisse

Der beste Schutz ist, sein Kind soweit zu stärken, dass es „Nein“ sagen kann und seinen Körper als sein Eigentum wahrnimmt („Mein Körper gehört mir“). Dazu ist es nötig, dass auch Eltern diese Eigenständigkeit respektieren und eine gewaltlose Erziehung vorleben. Mädchen dürfen hauen, wenn nötig, und Buben dürfen weinen, wenn ihnen danach ist.

Sendungshinweis:

„Radio Wien“-Magazin, 15. Oktober 2012

Kinder sollten darin bestärkt werden, die eigenen Gefühle und Empfindungen als richtig wahr zu nehmen. Daher sollten Sätze wie „Das tut ja nicht weh“ oder „Das kann doch nicht so schlimm sein“ vermieden werden. Es hilft auch, mit der Sexualerziehung möglichst früh zu beginnen, es gibt kindergerechte Bücher dazu. Eltern und Verwandte sollten dem Kind seine eigenen Grenzen zugestehen und Sätze wie "Gib der Oma ein Bussi“ vermeiden, wenn das Kind der Oma kein Bussi geben will.

Abschließender Tipp von Busch-Frankl: Erklären Sie dem Kind den Unterschied zwischen guten und bösen Geheimnissen: Gute Geheimnisse bereiten Freude, böse dürfen nicht verraten werden und bereiten Sorgen.

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