Lernschwierigkeiten sehen und bekämpfen

Legasthenie und Dyskalkulie sind die bekanntesten Lernschwierigkeiten. Wie die Lese-Rechtschreib-Schwäche und die Rechenschwäche entstehen und wie sie erkannt werden können, weiß „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl.

Kinder kommen meist mit viel Motivation in die Schule. Doch nach ein bis zwei Jahren legt sich leider häufig die anfängliche Euphorie, auch weil sich Lernschwierigkeiten einstellen. Rund 15 Prozent der Schüler haben Lernschwierigkeiten, etwa weil sie durch die Lerninhalte überfordert sind.

Lernschwierigkeiten

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Lernschwierigkeiten resultieren aus komplexen Zusammenhängen zwischen psychischen, physischen und sozialen Faktoren und können prinzipiell in jedem Fach entstehen. Diese Schwierigkeiten zeigen sich dadurch, das der Lerninhalte nur mit großer Anstrengung oder gar nicht erlernt werden kann. Wenn die Erfolge ausbleiben, sinkt die Motivation und ein Teufelskreislauf entsteht. Das Wichtigste am Lernen ist die Freude daran. Wenn man positiv gestimmt ist, lernt man leichter.

Mobbing als eine von mehreren Ursachen

Dyskalkulie und Legasthenie

Dyskalkulie (Rechenschwäche) und Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) sind die bekanntesten Lernschwierigkeiten. Es sind Teilleistungsstörungen, die krankheitswertig sind und einer Behandlung bedürfen.

Lernschwierigkeiten können aber auch entstehen, wenn das Kind aus sozial schwierigen Verhältnissen stammt, keine Unterstützung bekommt, von den Mitschülern und Mitschülerinnen gemobbt wird, sehr auffallend, unruhig und aggressiv im Verhalten ist, Schwierigkeiten mit der Konzentration hat. Aber auch wenn es hochbegabt ist und sich im Unterricht langweilt, können Lernschwierigkeiten entstehen.

Der erste Schritt der Unterstützung muss das Herausfinden der Ursache sein. Erst dann können Interventionen gesetzt werden. Hilfe bieten Fachärzte, Pädagogen und Kinderpsychologen an.

Wie man Legasthenie erkennt

Als Ursachen für die Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie) werden zum Beispiel genetische Faktoren, neurologische Faktoren, eine Wahrnehmungs- und Blickfunktionsstörung sowie Störungen in der Informationsverarbeitung diskutiert.

Kinder mit Legasthenie fallen häufig ab der 3. Klasse Volksschule auf, da es Schwierigkeiten in der Formulierung von Aufsätzen und bei Diktaten gibt. Weitere Anzeichen sind das Verwechseln von Buchstaben, bei der Groß-Kleinschreibung, falsches Abschreiben von Wortenden, Doppelungs- und Dehnungsfehler, kurze und einfach geschriebene Aufsätze und dass Bücher nicht gelesen werden.

Nachhilfe beim Rechnen

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Wie man Rechenschwäche erkennt:

Als Anzeichen für Rechenschwäche (Dyskalkulie) gelten Schwierigkeiten beim Addieren und Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren, Schwierigkeiten bei der Zehnerüberschreitung, der Einsatz von Fingern zum Rechnen. Kopfrechnen ist nur sehr schwer möglich, Zahlen werden falsch abgeschrieben, auch die Raumvorstellung gelingt kaum, was zum Beispiel bei Puzzeln und dreidimensionalen Würfelspielen erkennbar wird.

Häufig kommt noch eine Konzentrationsschwäche hinzu. Diese macht sich bemerkbar durch starke Ablenkbarkeit, durch Unvermögen, nicht bei einer Sache bleiben zu können. Typische Merkmale sind auch Unruhe in sich, rasche Verunsicherung, Ängstlichkeit, Mutlosigkeit und Depression, eine bestimmte Verträumtheit und Wutausbrüche.

So können Sie dem Kind helfen

Der erste Schritt muss sein, genau abzuklären, welche Ursachen die Lernschwierigkeit hat. Liegt eine Dyskalkulie oder Legasthenie vor, gibt es spezielle Übungen und Therapien. Sprechen Sie mit der Schule und teilen sie mit, das eine Teilleistungsstörung vorliegt.

Sendungshinweis:

„Radio Wien“-Magazin, 29. Oktober 2012

Nicht immer liegt die Ursache jedoch in einer Krankheit. Fragen Sie das Kind, ob es sich in der Schule wohl fühlt, sprechen Sie mit dem Lehrer. Schaffen Sie ruhige Rahmenbedingungen, etwa mit einem eigenen Schreibtisch, regeln Sie die Lernzeiten genau, achten Sie auf den Freundeskreis und auf genügend Schlaf. Nehmen Sie sich Zeit für das Kind, und bringen Sie vor allem Geduld auf, wenn schlechte Noten nach Hause gebracht werden. Geben Sie einem Kind niemals das Gefühl, es sei ein Versager oder faul.

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