Ari Rath: sein Wien, sein Israel, sein Traum

Er träumt vom friedlichen Ausgleich zwischen Israel und Palästina: Ari Rath, von den Nazis aus Wien vertrieben, hat in der RW-Serie „Menschen im Gespräch“ mit Bernd Matschedolnig aber nicht nur über eine Lösung des Nahostkonflikts gesprochen.

Ari Rath ist seit Jahrzehnten eine der großen Hintergrundfiguren in Wien. Jahrelang war er Chefredakteur der Jerusalem Post. Yitzhak Rabin, David Ben Gurion oder auch Staatspräsident Shimon Peres zählen und zählten zu seine engen Freunden. Seit Jahren plädiert er für einen friedlichen Ausgleich zwischen Isarel und den Palästinensern.

Bernd Matschedolnig sprach mit Ari Rath über Emigration und Antisemitismus, Hebräisch lernen und über eine mögliche Lösung des Nahostkonflikts. Das Gespräch wurde noch vor den aktuellen Auseinandersetzungen im Gazastreifen aufzeichnet. Der Realität von Ari Raths Lösungsvorschlägen tut das keinen Abbruch.

Ari Rath

ORF/Bernd Matschedolnig

Ari Rath

Ari Raths Begriff von „Heimat“

„Heimat ist ein Land und ein Ort, mit dem man verbunden ist, an dessen Zukunft man interessiert ist und hofft, dass es schöner wird. Es ist nicht meine Geburtsstadt Wien, sondern meine aufgezwungene Wahlheimat Israel, heute Jerusalem natürlich, wo ich meinen Hauptwohnsitz habe“, definierte Ari Rath zu Beginn des Gesprächs seinen Begriff von Heimat.

Wien sei für ihn Heimat bis zum 11. März 1938 gewesen: „Das war meine Heimat, dass war mein Leben, als meine Großmutter die war in Palästina damals und hoffte, dass mein älterer Bruder und ich ins jüdische Palästina kommen werden. Mir war ganz klar, mein schönes gutes Leben war in Wien.“

Judenklassen in Wiener Gymnasien

Als „eines der vielen bis heute verdrängten Themen“ bezeichnete es Ari Rath, dass es in Wien schon vor dem Anschluss Judenklassen in Wiener Gymnasien gab.

Buchhinweis

Ari Rath: Ari heißt Löwe. Zsolnay, 344 Seiten, 25,60 Euro.

„Am 4. Juli 1934 war Kurt Schusschnigg Justiz- und Unterrichtsminister. Da gab es einen Erlass, dass in allen Gymnasien und Lehrerseminaren, wo es genug Schüler und Schülerinnen gebe für Parallelklassen, soll die 1a für katholische Schüler sein und die 1b für die anderen. Das waren wir, die Juden. Und so war ich vier Jahre vor dem Anschluss in einer separaten Judenklasse im Wasagymnasium“, erzählte Ari Rath.

Gab es schon illegale Nazis als Lehrer?

„Natürlich, die beiden Turnlehrer. (...) Beide waren, das wusste man, illegale Nazis. Im tagtäglichen Leben hat man das nicht so gespürt. Ich kann mich sehr gut erinnern: Wir hatten noch die letzte Pflichtskiwoche im Februar 1938 im Tauerngebirge. Auf allen Bauernhäusern haben schon Hakenkreuzfahnen geweht. Ich habe die Bronzemedaille des Untergymnasiums für Slalom bekommen. Da war der Professor Franz Stephan sehr stolz, dass auch ein Judenbub ein guter Skiläufer ist. Da war ich damals.“

Erste Eindrücke aus Palästina

„Das war am 8. November ’38, ein fürchterlich regnerischer Tag“, erinnerte sich Ari Rath. Es gab eine Epidemie. Die Neuankömmlinge, darunter Ari Rath, wurden in vier kleineren Häusern untergebracht. Dabei bekam er seinen ersten Auftrag: „Meine erste Aufgabe war es, die Senkgruben aus diesen Häusern Tag für Tag zu leeren. Die waren gedacht für eine Familie mit drei, vier Kindern, aber nicht für zwölf. (...) Ich hab das dann meine Jauchentaufe genannt.“

Sendungshinweis:

Menschen im Gespräch, 17. November 2012

Ari Rath wurde 1925 in Wien geboren und musste im November 1938 emigrieren. Gründungsmitglied des Kibbuz Chamadiya in Palästina. Ab 1958 Redakteur, ab 1975 Chefredakteur und Herausgeber der Jerusalem Post. Er gehört zur Generation von Yitzhak Rabin, Teddy Kollek und Shimon Peres und war Berater von Ben Gurion. 2005 erhielt er das deutsche Bundesverdienstkreuz, 2011 das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich.