Wie man mit Panikattacken umgeht

Angst ist eigentlich ein körperliches Signal, das den Menschen vor Gefahren schützen soll. Aber bis zu fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter Panikattacken. „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl geht den Fragen „Warum“ und „Wie“ nach.

Es ist eine extreme, unvorhersehbare Angstform, die plötzlich auftritt: die Panikattacke. Sie kann einmalig auftreten, aber auch einen chronischen Verlauf haben. Frauen sind laut Busch-Frankl häufiger betroffen, oftmals liegt eine Depression als Zweitdiagnose vor. Die Krankheit tritt erstmals meistens im Alter zwischen 15 und 35 Jahren auf.

Im Bus, im Lift, im Auto

Panikattacken haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Als Ursachen werden unterschiedliche Ansätze wie genetische Faktoren, unbewusste Konflikte, erhöhter Stress, lerntheoretische Ansätze - bedingt etwa durch ängstliche Eltern oder ungünstig verlaufende Konditionierungen - sowie körperliche Faktoren wie etwa Schilddrüsenerkrankung vermutet.

Schreiender Mann

Fotolia/Kitty

Panikattacken treten bei Stress auf.

Erstmals auftreten können Panikattacken in belastenden Situationen, etwa wenn man erhöhtem Stress ausgesetzt und besonders verletzbar ist. Typische Orte dafür sind öffentliche Verkehrsmittel, ein Lift oder wenn man alleine im Auto sitzt, wo man plötzlich körperliche Symptome und massive Angst verspürt.

Die Betroffenen denken meist an ein körperliches Problem. Sie lassen sich untersuchen und die Ergebnisse bleiben ohne Befund. Häufig dauert es eine Zeit, bis die Erkrankten eine Diagnose erhalten. Allein das Wissen darüber, was mit mir los ist, bringt meist eine Erleichterung mit sich.

Panikattacken äußern sich vielfältig

Das typische an Panikattacken ist, dass sie unvorhersehbar auftreten und meist nur einige Minuten, bis längstens 15 Minuten anhalten. Menschen in einer Attacke erleben massive Angst und Hilflosigkeit, häufig auch Todesängste: „Jetzt muss ich sterben“, „Jetzt bekomme ich einen Herzinfarkt.“ Sie spüren ihr Herz rasen, schwitzen und zittern, bekommen Erstickungs- und Beklemmungsgefühle im Brustbereich. Sie haben Angst umzufallen, dass die Beine sie nicht mehr tragen, fühlen sich entfremdet im eigenen Körper.

Die natürliche Reaktion auf eine Panikattacke ist, dass Menschen versuchen, den Ort oder die Situation dieser ersten Panikattacken zu meiden. Der sogenannte „Teufelskreislauf der Angst“ beginnt, es entsteht die Erwartungsangst, oder „Angst vor der Angst“. Durch das Vermeiden wird die Angst aber immer größer. Wichtig wäre es, sich bereits hier professionelle Hilfe zu holen. „Umso früher ich weiß, was los ist und in Behandlung bin, umso besser ist der Verlauf“, so Busch-Frankl.

Was man gegen Panikattacken tun kann

Wer glaubt, unter Panikattacken zu leiden, sollte zunächst durch eine körperliche Gesamtuntersuchung ausschließen, dass er an einer anderen Erkrankung leidet. Wenn es keine körperliche Ursache gibt, und es zu wiederkehrenden Panikattacken kommt, sollte ein Psychotherapeut oder ein klinischer Psychologe aufgesucht werden. Denn umso früher eine Behandlung stattfindet, umso besser.

Sendungshinweis:

„Radio Wien“-Magazin, 26. November 2012

Es hilft auch, Panikattacken zu analysieren: Was passiert vor einer Attacke? Was denke ich? Denken löst Gefühle aus und wenn ich eine Situation als bedrohlich bewerte, bekomme ich Angst und Panik. Wichtig ist es auch, den Mechanismus beziehungsweise den Ablauf der Panikattacken zu verstehen. Konfrontieren Sie sich mit den angstauslösenden Situationen.

Kämpfen Sie nicht gegen eine Panikattacke an. Die Angst erreicht einen Höhepunkt und fällt von alleine wieder ab. Machen Sie sich bewusst, dass man an Angst nicht stirbt, es sind nur Gedanken. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken kann helfen. Sehr gut anwendbar sind die progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.

Link: