Wie Eltern die Pubertät meistern

Trotzen, schlechte Noten und das Überschreiten von Grenzen: Viele Eltern hadern mit ihren Kindern, wenn diese in der Pubertät sind. Radio-Wien-Psychologin Karin Busch-Frankl gibt Tipps, wie sich die Pubertät des Nachwuchses gut meistern lässt.

„Die Pubertät ist eine wichtige Entwicklungsphase im Erwachsenwerden und keine Krankheit. Mädchen kommen früher, meist schon mit zehn oder elf Jahren in die Pubertät. Burschen meist mit rund zwölf bis 13 Jahren“, weiß Busch-Frankl.

Phase, um eigene Identität zu finden

So mühsam die Konfrontationen für Eltern auch sein mögen, so wichtig sind sie für Kinder im Reifungsprozess. Der Nachwuchs muss seine eigenen Grenzen ausloten, um zu einer eigenen Identität zu gelangen. Die Pubertät verläuft aber nicht bei jedem Kind gleich spürbar. Bei manchen Kindern zieht sie kaum bemerkt vorüber, bei anderen ist sie von heftigen Reaktionen begleitet. Beide Ausprägungen sind normal.

Jugendlich arbeitslos

FOTOLIA/Gina Sanders

Busch-Frankl: „Risikofaktoren im Pubertätsalter sind auch manche Eltern“

„Wie heftig ein Kind pubertiert, sagt nichts über den weiteren Entwicklungsverlauf aus. Risikofaktoren im Pubertätsalter sind hingegen Eltern, welche nicht genügend Rückhalt geben können und mit der Situation selbst überfordert sind. Hier rate ich, sich professionelle Hilfe zu holen“, so Busch-Frankl.

Tipps zum Umgang mit Kindern in der Pubertät

„Kleinen Kindern gib Wurzeln, großen Kindern gib Flügel“ - kein Satz kann laut Busch-Frankl besser den Auftrag an Eltern formulieren. Die Psychologin rät deshalb gerade in der Pubertät:

  • Loslassen und trotzdem „da sein“
  • Vertrauen schenken und Entscheidungsfreiheit bieten
  • Verständnis aufbringen - Verhalten spiegeln
  • Grenzen setzen - Reibungsfläche bieten. Grenzen möglichst eng anlegen, hier bereits in den Konflikt gehen und Abgrenzung ermöglichen. Der Jugendliche wird immer die Grenzen austesten, der Erwachsene legt fest, wo sie beginnen
  • Respekt fordern und auch dem Jugendlichen gegenüber bringen
  • Privatsphäre respektieren, nicht Freund oder Freundin sein wollen. Man ist Mutter oder Vater und nicht Freundin oder Freund. Man schadet seinem Kind mit dieser Haltung
  • Freundeskreis respektieren
  • Offen über Drogen und Sexualität sprechen
  • Eigene Schwierigkeiten nicht mit dem Kind besprechen. Kinder wollen sich orientieren, und auch wenn sie schon sehr erwachsen wirken, Zuwendung und Liebe brauchen pubertierende Kinder gleichermaßen

Eine Art Neustrukturierung im Gehirn

„Im Normalfall bewältigen Jugendliche die pubertäre Krise ohne größere Schwierigkeiten. In Einzelfällen kann es jedoch auch zu ernsthaften Krisen kommen“, so Busch-Frankl. Solche Krisen können sich bis zum versuchten Selbstmord steigern, wobei im Vorfeld meist eine länger anhaltende Belastung vorliegt. Gefährdeter sind Kinder, die eher introvertiert und in sich zurückgezogen sind, kaum Freunde haben und sich in einer Außeneiterposition in der Schule befinden.

Weiter können Gewalt, familiäre Schwierigkeiten und traumatische Erlebnisse zu Krisen führen, da Kinder in dieser Zeit besonders sensibel reagieren. Jede zusätzliche Belastung stellt eine Herausforderung dar. Jetzt besonders zum Halbjahr und Zeugnis sollte man sein Kind genauer beobachten, rät Busch-Frankl.

Sendungshinweis:
Radio-Wien-Magazin, 21. Jänner 2013

Das Gehirn eines pubertierenden Kindes ist mit einer Großbaustelle zu vergleichen. Es findet eine Art Neustrukturierung im Gehirn statt. Der Bereich im Gehirn, welcher für die Emotionen zuständig ist, die Amygdala, ist besonders groß, der Bereich für rationales Denken hingegen relativ klein. Es wird vermutet, dass das eine der Ursachen für die Stimmungsschwankungen, Vergesslichkeit und die Entscheidungsschwäche von pubertierenden Kindern ist.

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