Traumatische Krisen überwinden

Eine schwere Erkrankung kann eine Ursache für eine traumatische Krise sein. Daneben gibt es als zweite Gruppe noch Veränderungskrisen. Was diese Krisen auslöst, wie sie verlaufen und was man dagegen tun kann, weiß „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl.

Grundsätzlich werden zwei Arten von Krisen unterschieden: die traumatische Krise und die Veränderungskrise.

Plötzlicher Auslöser oder Veränderungen

Traumatische Krisen treten plötzlich auf und werden als fundamental bedrohlich empfunden. Man selbst oder jemand anders ist mit dem Tod bedroht, man verspürt ein Gefühl von Hilflosigkeit. Das sei das schlimmste Gefühl, ausgelöst etwa durch einen plötzlichen Tod oder eine schwere Erkrankung, so Busch-Frankl.

Eine Veränderungskrise tritt meist nicht schlagartig auf. Von außen betrachtet wird sie oftmals als „normale“ Veränderung bezeichnet, wie zum Beispiel Hochzeit, Pensionierung, Schulwechsel oder Kinder bekommen. Wie und ob es zu einer Krise kommt, ist auch teils durch die Persönlichkeitsstruktur und den vorhandenen Ressourcen zur Problembewältigung bestimmt.

Menschen in einer posttraumatischen Krise leiden häufig unter Albträumen und wiederkehrenden Bildern des Traumas. Sie versuchen die traumatische Situation zu vermeiden und fühlen sich häufig angespannt, schreckhaft und nervös. Dies können alles Anzeichen einer traumatischen Krise sein. Kinder reagieren häufig auf der somatischen Ebene. Sie nässen ein, bekommen Bauchweh und verweigern die Schule.

Traumatisierter Mann

Fotolia/littleny

Schock, Reaktion, Bearbeitung, Neuorientierung

Traumatische Krisen verlaufen für gewöhnlich in vier Phasen.

  • Schockphase: Typisch ist das Gefühl des Betäubtseins. Man funktioniert nach außen hin, wirkt gefasst, ist emotional nicht erreichbar, weint nicht, funktioniert und organisiert zum Beispiel ein Begräbnis. Außenstehende wundern sich, dass der Mensch keine Reaktionen zeigt.
  • Reaktionsphase: Man ist wütend, versucht die Wirklichkeit zu verdrängen, zieht sich sozial zurück, flüchtet in Alkohol. Abwehrmechanismen werden aktiv.
  • Bearbeitungsphase: Reflexion, Konfrontation, schrittweises Suchen von Lösungen.
  • Neuorientierung: Akzeptanz der neuen Situation, Pläne werden geschmiedet.

Alle vier Phasen müssen durchlaufen werden

Wird ein Trauma nicht bearbeitet, sondern bleibt es in einer Phase stecken, kann es zu Depressionen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Für die Bearbeitung ist es wichtig, alle vier Phasen zu durchlaufen, wobei es individuell große Unterschiede gibt. Häufig kommt es nach einem Trauma zu Schuldgefühlen. Diese Schuldgefühle sind wichtig für die Bewältigung, denn sie geben dem Menschen das Gefühl, man hätte etwas tun können. Grund dafür ist die Verhinderung des Hilflosigkeitsgefühls.

Was kann ich tun, damit es mir wieder besser geht?

An erster Stelle heißt es reden, reden und nochmals reden. Man muss das erlebte Trauma immer wieder erzählen, damit es in die Psyche integriert werden kann. Dann ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen. Das Leben nach einem Trauma sieht häufig anders aus als davor. In kleinen Schritten soll man sich mit der neuen Situation anfreunden.

Sendungshinweis:

„Radio Wien“-Magazin, 28. Jänner 2013

Um Verbesserungen zu erreichen, sollte man auch lernen, Unterstützung anzunehmen. Es hilft auch, Energiequellen für sich selbst zu suchen. Bewegung, speziell Spaziergänge, sind sehr hilfreich, ein Trauma zu verarbeiten. Auch kann es helfen, mit Gleichgesinnten zu reden, Selbsthilfegruppen in Anspruch zu nehmen oder das Gespräch beim Psychologen oder Psychotherapeuten zu suchen.

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