Grenzen gegen sexuelle Belästigung

Eine Journalistin und ein Spitzenpolitiker haben in Deutschland eine Debatte über Sexismus ausgelöst. In Österreich soll nun das Strafrecht für sexuelle Belästigung verschärft werden. Radio-Wien-Psychologin Karin Busch-Frankl zum Thema „Sexuelle Belästigung“.

Sexuelle Belästigung beginnt da, wo es für die einzelne Frau als unangenehm empfunden wird und der Inhalt sexueller Natur entspringt. Das heißt, es ist sehr individuell und kann nicht an Hand von genauen Handlungen definiert werden, so Karin Busch-Frankl.

Sexuelle Belästigung

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Traumatisierungen sind möglich.

Sexuelle Belästigung kann bereits bei zweideutigen Bemerkungen oder Blicken beginnen. Das Empfinden ist sehr von Vorerfahrungen geprägt. Aufgrund dieser Individualität ist es für Männer nicht immer leicht, besonders wenn ihnen eine Frau gefällt, den richtigen Cocktail aus Aufmerksamkeit und Komplimenten zu mischen, ohne grenzüberschreitend zu sein. Ein weiterer Umstand, welcher häufig im Zusammenhang mit sexueller Belästigung steht, ist, dass das unerwünschte Verhalten in einem Machtverhältnis stattfindet.

Gefühl der Hilflosigkeit und Depressionen

Sexuelle Belästigung kann traumatisieren. Grundsätzlich kann jeder, auch ein Mann, von sexuellen Übergriffen betroffen sein. Findet sexuelle Belästigung statt und man verschweigt sie, was häufig auch mit einer Fortsetzung der Belästigung einhergeht, kann es zu Depressionen bis hin zu Traumatisierungen kommen. Es findet ein Rückzug statt. Frauen, die sexuell belästigt werden, fühlen sich hilflos. Diese Hilflosigkeit ist für die Psyche reines „Gift“ und der Nährboden für die Entwicklung von psychischem Leiden.

Sexuelle Belästigung

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Verbales und nonverbales „Stopp“

Eine einmalige verbale Belästigung wird zu keiner Traumatisierung führen. Häufig treten auch Schuldgefühle auf. Die Frau denkt, sie habe durch ihr Verhalten eine sexuelle Belästigung herbeigeführt. Wenn es sich nicht um absichtlich provokantes Verhalten handelt, ist dieser Gedankenansatz falsch.

Eltern können in der Erziehung präventive Maßnahmen setzen. Der Grundstock für ein sicheres Auftreten und Selbstbewusstsein in der Grenzsetzung, was einen wichtigen präventiven Schritt zur Verhütung von Missbrauch darstellt, beginnt bereits in der Kindheit. Kinder dürfen und müssen lernen, auf ihren eignen Körper zu achten, ihn zu schützen und Empfindungen als wahr und richtig zu beurteilen. Dazu gehört, das genau Eltern diese Grenzen respektieren und dem Kind das Gefühl vermitteln „Was dir unangenehm ist, entscheidest du alleine“.

Klare Grenzen setzen als bester Schutz

Wie man aus der Kommunikationspsychologie weiß, findet rund ein Drittel der Kommunikation auf der nonverbalen Ebene statt. Das bedeutet, dass es nicht ausreichend ist, nur zu reden, sondern, besonders wenn wir uns mit dem Thema Sexualität befassen, ein Großteil auf der reinen Verhaltensebene signalisiert wird. Auf die Körpersprache achten, aufrecht gehen, Schultern zurück, Kopf hoch und sich nicht zum Opfer machen lassen. Sobald man die Empfindung hat, sexuell belästigt zu werden, sollte ein verbales und nonverbales „Stopp“ ausgesendet werden.

Klare Grenzsetzung ist der beste Schutz! Wer sich seiner Grenzen klar ist, wird es auch nach außen spürbar machen können. Der Beginn liegt somit in der Selbstreflexion jeder Frau unter dem Aspekt „Was möchte ich und was nicht?“: Selbstbewusstes Auftreten, Klarheit über die eigenen Grenzen erlangen und das Wissen darüber bewusst machen, dass man das Recht hat, diese eigenen Grenzen zu artikulieren!

Sendungshinweis:

Radio-Wien-Magazin, 4. Februar 2013

Weg vom Irrglauben, es hätte negative Konsequenzen für die Frau etwa als „spießig“ dargestellt zu werden. Was als unangenehm oder grenzüberschreitend empfunden wird, darf und muss geäußert werden. Warten Sie nicht zu. Es ist wichtig, sich rechtzeitig abzugrenzen. Kommt es zu einer sexuellen Belästigung, ist eine rechtliche Verfolgung zu empfehlen. Haben Sie keine Scheu davor, eine Anzeige zu machen.

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