Belvedere: Hundertwasser und Japan

Die Spirale war eines der häufigsten Motive in den Bildern von Friedensreich Hundertwasser: Nun will eine Ausstellung im Belvedere den Einfluss der japanischen Avantgarde auf das Werk beleuchten - anhand von rund 50 Arbeiten des Künstlers.

„Es gab in Österreich bisher keine systematische Aufarbeitung, was den Einfluss der japanischen Avantgarde und der fernöstlichen Philosophie auf das Werk von Friedensreich Hundertwasser betrifft“, so Harald Krejci, einer der beiden Kuratoren der Ausstellung „Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“, gegenüber wien.ORF.at.

Hundertwasser kunsthistorisch aufgearbeitet

Mit über 50 Arbeiten von Friedensreich Hundertwasser aus internationalen Sammlungen und rund 30 Werken der internationalen Avantgarde – darunter Yves Klein, Piero Manzoni, Lucio Fontana, Jean Dubuffet, Tetsumi Kudo, Akira Kito, Yayoi Kusama – rückt die Schau diesen Aspekt von Hundertwassers Schaffen erstmals in einen internationalen Kontext.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 4. März 2013

„Wir haben mit der Ausstellung einen neuen Weg beschritten, weil wir nicht rein monographisch vorgegangen sind, sondern kontextualisierend“, so Krejci. Zwar kennt man seine Arbeiten als „Ikonen der Popkultur“, so Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco, dennoch sei „seine kunsthistorische Bedeutung weitgehend unbeleuchtet“.

Bild von Friedensreich Hundertwasser

Belvedere, Wien/ 2013 NAMIDA AG, Glarus / Schweiz

„Tränenspirale mit Kito im Eck“ (1962), das Hundertwasser mit Akira Kito malte

Faszination für japanische Avantgarde

Das Werk von Friedensreich Hundertwasser zählt zu den bedeutendsten österreichischen Beiträgen innerhalb der Kunstgeschichte der Nachkriegsmoderne. „Mit seinen Arbeiten, die Performance, Malerei, soziale Intervention und gesellschaftspolitisches Statement in sich vereinen, ebnete er neue Wege in der Kunst“, so Husslein-Arco. Er war ein geschickter Netzwerker und zielstrebiger Künstler, dessen Arbeiten bereits Mitte der 1950er-Jahre auch am internationalen Kunstmarkt hohe Preise erzielten.

Zugleich galt er vielfach als geheimnisvoller und unverstandener Außenseiter. Bereits in in seinem Frühwerk war er von der japanischen Kunst und der fernöstlichen Philosophie geprägt worden. Japanische Kunstmagazine rezipierten ihn und sein künstlerischer Durchbruch war eng mit seinem siebenmonatigen Aufenthalt in Japan verknüpft.

Friedensreich Hundertwasser
Insel

Artothek des Bundes, 2012 Namida AG, Glarus, Schweiz

Friedensreich Hundertwasser: „Insel“

Ganzheitliche Kunstauffassung

„Hundertwasser hat an Japan fasziniert, dass keine Trennung zwischen Natur und Kultur stattfindet. Spirituelles und alltägliches Leben sind nicht voneinander getrennt“, so Harald Krejci. Fernöstliche Denker wurden zu einer Inspirationsquelle, die ganzheitliche Kunstauffassung stand im Gegensatz zum abendländischen Denken.

Beeindruckt war der 1928 in Wien als Friedrich Stowasser geborene Künstler auch von den ornamentalen Arbeiten und der lyrischen Linienführung in der asiatischen Tuschezeichnung. Ein Aspekt, mit dem die Ausstellung versucht, Bezüge herzustellen. Hundertwasser, der gern reiste, flog 1961 nach Japan. „Japan-Reisen sind unter Künstlern in den 1960er-Reisen zur Mode geworden“, so Krejci.

Hundertwasser mit dem Bild 466 Die erste
Japan Spirale, 1961

Keisuke Kojima

Hundertwasser in Japan mit dem Bild „466 Die erste Japan Spirale“, 1961

Prozessuale Malweise, experimentielle Kompositionen

Im Paris der 1950er-Jahre verkehrte Hundertwasser oft mit Künstlern der japanischen Avantgarde. „Er wäre am liebsten selbst Japaner gewesen“, sagte Krejci. Wie viele europäische Künstler seiner Zeit interpretierte Hundertwasser auf kreative Weise Gedanken des Taoismus und des Zen-Buddhismus. Die Faszination für japanische Holzschnitte Hiroshiges und Hokusais bildeten dabei die Grundlage.

Ausstellungshinweis:

„Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“, Orangerie im Unteren Belvedere, 6. März bis 30. Juni, täglich 10.00 bis 18.00, Mittwoch bis 21.00 Uhr, Eintritt 11 Euro, zur Ausstellung erscheint ein Katalog, 256 S., 36 Euro

Sein Frühwerk zeigt eindrücklich, wie er mit seiner prozessualen Malweise, den experimentellen Bildkompositionen, sowie seinen Malaktionen Ende der 1950er-Jahre eine eigene künstlerische Reife erreichte und sich ganz auf der Höhe der internationalen Avantgarde bewegte: „Hundertwasser war ein Vorreiter des ganzheitlichem, prozessorientierten Denkens. Er verstand Geist und Körper als Einheit“, so Krejci.

Am liebsten verwendete er selbst bereitete Farben, die er unvermischt auftrug. Angeregt dazu hat ihn Yves Klein, mit dem Hundertwasser befreundet war und der im gleichen Pigmentladen einkaufte.

Akira Kito "Milliardär"

Collection Liliane Vincy, Foto: Gwen Lebras

Japanische Künstler wie Akira Kito beeinflussten Hundertwasser

Abstrakte Kunst trifft auf Philosophie

„Die Architektur“, „Der Garten“, „Japan“, „Die Linie“, „Reise-Weg-Prozess“ und „Freiheit und Abstraktion“ heißen die sechs Bereiche der Ausstellung. „Der Garten“ konzentriert sich beispielsweise auf das frühe Interesse von Hundertwasser an japanischer Gartenkultur und sein dadurch gewecktes ökologisches Bewusstsein.

Sein zentrales Werk „Der große Weg“ (1955) steht paradigmatisch für das Zusammenspiel fernöstlicher Philosophie und westlicher abstrakter Kunst. „Das von Hundertwasser selbst als Hauptwerk empfundende Spiralbild enthält verschiedene Ebenen der Reflexion über das menschliche Dasein“, so Axel Köhne, Co-Kurator der Ausstellung.

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