Borderline: Gefühle außer Kontrolle

Borderline - wenn Gefühle nicht mehr unter Kontrolle sind: Oft hilft es, belastende Symptome zu reduzieren. „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl zu den Ursachen und Kennzeichen der Persönlichkeitsstörung.

Persönlichkeitsstörungen sind immer Anpassungsversuche der Psyche an eine akute oder lang andauernde Extrembelastung. Das Ausmaß der Anpassung, das heißt wie ausgeprägt ist eine auffallende oder belastenden Verhaltensweise für die Person oder ihr Umfeld, ist entscheidend, ob man von einer „Störung“ sprechen kann.

Abweichungen im Denken, Fühlen und Wahrnehmen

Persönlichkeitsstörungen beginnen früh in der Entwicklung, Kindheit oder Adoleszenz und halten bis ins Erwachsensein an. Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung zeigen Abweichungen im Denken, Fühlen, Wahrnehmen und in der Beziehungsgestaltung zu anderen Menschen. Aus Untersuchungen weiß man, dass ein großer Teil der Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeit einen (sexuellen) Missbrauch in der Vergangenheit erlitten hat.

Aber auch Beziehungserfahrungen aus der Kindheit sind wesentlich, ebenso wie auch vermutete genetische Faktoren, welche eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur Entwicklung aufweisen. Neurologisch ist im Gehirn auch eine veränderte Aktivität messbar.

Frau sieht in die Weite

Fotolia/Friedberg

Symptome einer Borderline-Störung

Menschen mit einer Borderline-Störung geraten häufig in heftige Gefühlszustände. Sie empfinden dabei eine tiefe Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit, aber auch Aggressionen gegen sich selbst. Rund drei Viertel aller Erkrankten verletzten sich selbst. Als Grund wird häufig eine Spannungsabfuhr oder ein chronisches Gefühl von Leere beschrieben. Nach einer Selbstverletzung fühlen sich die Erkrankten erleichtert und können sich selbst wieder besser wahrnehmen und spüren.

Beziehungen werden sehr intensiv gelebt, aber auch rasch wieder beendet. Es besteht meist große Angst vor dem Verlassenwerden. Daraus resultiert ein verzweifelter Versuch, dieses zu verhindern. Beziehungen halten meist nicht sehr lange, es gibt einen häufigen Partnerwechsel. Besonders belastend für Beziehungen sind die oftmals unerwarteten Zornausbrüche.

Sendungshinweis:

Radio Wien Magazin, 29. April 2013

Die Stimmung von Erkrankten ist meist überaktiv oder pessimistisch. Rund 80 Prozent leiden an einer Dualdiagnose wie Depression, Angsterkrankungen oder Sucht. Menschen mit einer Borderline-Störung sind aber auch Menschen mit einer großen Begeisterungsfähigkeit und Kreativität.

Ziel ist es, Symptome zu reduzieren

Eine Diagnose ist meist eine Erklärung und Erleichterung für Erkrankte und Angehörige. Persönlichkeitsstörungen sind sehr tief liegend. Meist ist das Ziel eine Reduzierung von belastenden Symptomen. Um dieses Ziel zu erreichen, bieten sich mehrere Möglichkeiten an:

  • ambulante oder stationäre Therapie
  • Notfallkoffer mit Gummiband, Murmeln für die Schuhe, Chilischote, Igelball
  • Präventive Maßnahmen, Achtsamkeitsübungen, Wahrnehmungsübungen

Was können Angehörige tun:

  • Abgrenzung, klare Grenzen setzen
  • Ernstnehmen und alternative Handlungen, Denkweisen anbieten und vorzeigen
  • Keine Schuldgefühle zeigen
  • Eine Beziehung anbieten und diese vorleben

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