Mutter werden, Mutter sein

Anlässlich des bevorstehenden Muttertags beschäftigt sich „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl mit den Veränderungen, die die Geburt eines Kindes für das Leben der Mutter bedeutet, und mit dem gesellschaftlichen Druck, der auf Müttern lastet.

Jeder Mensch hat seine Vorstellungen von der idealen Familie, die zumeist sehr stark von den eigenen Erfahrungen geprägt sind. Jede Elternschaft weckt somit starke Erinnerungen an die eigene Kindheit. Das führt dazu, dass bereits während der Schwangerschaft eigene kindliche Gefühle geweckt werden. Nach der Geburt sind dann starke Emotionen keine Seltenheit: von Himmel hoch jauchzend bis hin zu Tode betrübt.

Mutter mit Baby

Fotolia/Svetlana Fedoseeva

Druck und Stress und immer lächeln

Durch die Geburt und Stillzeit sind Mutter und Kind meist sehr eng miteinander verbunden. Da kann es leicht passieren, dass die Paarbeziehung zu kurz kommt. Große Angst davor, das Kind zu vernachlässigen führt dazu, dass sich Paare weniger Zeit für einander nehmen. Alles dreht sich nur noch um das Neugeborene.

Überdies stehen gerade Mütter unter dem Druck, alles perfekt unter einen Hut zu bekommen: nicht nur die Partnerschaftspflege und die Mutterschaft, sondern auch noch den Haushalt und die Berufstätigkeit. Und der gesellschaftliche Druck, all diese Aufgaben möglichst auch noch vor Glückseligkeit strahlend zu bewältigen.

Keine Frau muss eine perfekte Mutter sein, die stets ihren eigenen hohen Ansprüchen in allen Belangen gerecht wird. Als Mutter darf man auch einmal vergesslich, schlecht gelaunt oder unvernünftig sein. Man darf als Mutter auch Fehler machen! Ein ständiges, überzogenes Streben nach Perfektion kann beim Kind sogar zu Störungen des Selbstwertgefühls führen, da es in dem Glauben groß wird, man sei nur dann gut, wenn man alle Aufgaben und Herausforderungen perfekt bewältigt.

Halt geben und loslassen können

Eine gute Mutter ist man dann, wenn man zwischen den eigenen Bedürfnissen und jenen des Kindes eine gute Balance herstellen kann. Selbstverständlich ist es wichtig, dem Kind zugewandt zu sein, seine Bedürfnisse zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Eine besonders große Herausforderung stellt es dar, im richtigen Moment Halt zu geben, aber auch loslassen zu können. Loslassen bedeutet, Vertrauen zu haben.

Sendungshinweis:

Radio Wien Magazin, 6. Mai 2013

Viele Mütter beschäftigt die Frage nach der Berufstätigkeit. Studien haben gezeigt, dass es entscheidend ist, ob Kinder das Gefühl haben, sich voll und ganz auf ihre Eltern verlassen zu können. Nicht die Quantität, sondern die Qualität der miteinander verbrachten Zeit ist ausschlaggebend. Daher spielt es für das Glücksempfinden der Kinder eine eher geringe Rolle, ob die Mutter einem Beruf nachgeht oder nicht.

Berufstätige Mutter

Fotolia/Jochen Mittenzwey

Tipps

  • Auszeiten und „kinderfreie Zonen“ schaffen. Jede Mutter ist auch Frau mit eigenen Bedürfnissen.
  • Zeit für Sinnlichkeit und Paarbeziehung nehmen.
  • Die optimale Betreuungssituation schaffen. Hat man als Elternteil ein gutes Gefühl, überträgt sich dieses auf die Kinder.
  • Nicht ständig mit anderen Müttern vergleichen, sondern auf die eigene Erziehungskompetenz und Intuition vertrauen. Kinder entwickeln sich unterschiedlich, ihr individuelles Wohlbefinden ist entscheidend.
  • Hilfe annehmen und vom Anspruch des Perfektionismus Abschied nehmen.
  • Als Mutter darf man auch stolz sein!

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