Freunde fürs Leben

In ihrer wöchentlichen Sendung beschäftigt sich „Radio Wien“-Psychologin Karin Busch-Frankl mit den Voraussetzungen für die Entstehung von Freundschaften und mit ihren wohltuenden Wirkungen: „Freundschaft tut Körper und Seele gut.“

Menschen sind soziale Wesen. Freundschaften sind ihnen daher sehr wichtig. Erste Freundschaften entstehen bereits mit etwa drei Jahren. Diese sind jedoch noch sehr von der Egozentrik eines Kleinkindes geprägt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, wenn Kindergartenkinder täglich einen neuen „besten Freund“ oder eine neue „beste Freundin“ haben. In der Pubertät ändert sich dieses Verhalten. Die „beste Freundin“ nimmt besonders für Mädchen eine ganz wichtige Rolle ein. Auch die Anzahl an Freunden wird in vielen Fällen zu einer Art Statussymbol.

Kinder

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Wer wird mein Freund?

„Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern“, wusste bereits Aristoteles. Zu welchen Mitmenschen Freundschaft entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab: von der Ähnlichkeit, von der Attraktivität und von der räumlichen Nähe und Verfügbarkeit, beziehungsweise der Zuwendung der anderen Person.

Sendungshinweis:

Radio Wien Magazin, 27. Mai 2013

Freundschaften entstehen schneller zwischen Menschen, die Ähnlichkeiten in Bezug auf das Alter, das Bildungsniveau, den Familienstand oder das Einkommen aufweisen. Diese Ähnlichkeiten bewirken eine positive Bestärkung. „Wir fühlen uns durch diese Person quasi bestätigt in unserem Tun“, erläutert Karin Busch-Frankl, „und wir haben das Gefühl, verstanden zu werden.“

Attraktivität und Nähe

Auch attraktiven Menschen werden interessanterweise besonders viele positive Eigenschaften attestiert. Daher sind viele Menschen darum bemüht, sich mit ihnen anzufreunden. „Es entsteht eine Art positive Rückkoppelung“, führt die „Radio Wien“-Psychologin aus, „als attraktiv empfundene Menschen geben nämlich auch häufig an, mehr Freundschaften zu führen als weniger attraktive.“

Vier Freundinnen

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Aus psychologischen Untersuchungen weiß man, dass auch die räumliche Nähe ein wichtiger Faktor dabei ist, wie schnell, wie häufig und mit wem man sich anfreundet. Menschen, denen man häufiger begegnet, werden folgerichtig als „näher“ empfunden. Dadurch kann auch schneller Freundschaft entstehen.

„Es dürfte sich dabei um eine subtile Art der Selbstliebe handeln,“ meint Busch-Frankl, „Wenn ich glaube, dass mich jemand mag, verhalte ich mich dieser Person gegenüber viel zugewandter, und Freundschaft kann leichter entstehen.“ Wie viel Nähe ein Mensch in einer Beziehung braucht, ist sehr individuell. Auch hier muss ein vergleichbares Bedürfnis vorliegen.

Persönliche Freundschaften und Facebook-Friends

Freundschaft tut dem Körper und der Seele gut. Menschen, die Ausgrenzung erleben, verspüren seelische Schmerzen, die sich nur wenig von körperlichen Schmerzen unterscheiden, da sie von denselben Hirnarealen aktiviert werden. Ausgrenzung ist somit körperlich spürbar und tut weh. Wer funktionierende Beziehungen hat, ist zufriedener und gesünder.

Bfreundete Senioren

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„Menschen mit Freundschaften erkranken weniger häufig an Depressionen, Herz-Kreislauferkrankungen oder an Krebs“, weiß Busch-Frankl zu berichten, „Freunde haben somit eine lebensverlängernde Wirkung.“ Soziale Kontakte, empathische Gefühle und das Bewusstsein, dass man mit Problemen nicht alleine ist, führen zu einer Reduktion der Stresshormone und zu einer stärkeren Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin.

Angesprochen auf die rasant steigende Zahl von Online-Freundschaften und -Freundeskreisen, wie sie in sozialen Netzwerken wie „Facebook“ heutzutage üblich sind, gibt Busch-Frankl zu bedenken, dass der Mensch viele Empfindungskanäle hat, die befriedigt werden wollen: „Virtuelle Freundschaften können einen persönlichen Kontakt daher zwar nicht ersetzen, als Unterstützung und Ergänzung können sie aber bereichernd sein.“

Tipps:

  • Offen sein für neue Begegnungen
  • Interesse an Menschen haben und dieses auch äußern und zeigen
  • Einen Ausgleich zwischen „Nehmen“- und „Geben“ finden
  • Zuhören können und nicht gleich beurteilen
  • Empathie zeigen, in den Schuhen des anderen gehen
  • Schwächen akzeptieren und Stärken loben

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