Wagner als feurige „Grottenbahn-Show“

„Eine Reise in die Unterwelt und in Richard Wagners Kopf“, verspricht Paulus Manker für die Welturaufführung des Stücks „Wagnerdämmerung“. Ab 18. Juli ist es gemeinsam mit der Schau „Wagner sehen“ im Post- und Telegraphenamt zu sehen.

„Wagner war lauter, aggressiver und böser als alle anderen. Er hatte größere Orchester, größere Instrumente, größere Lautstärke und endlose Längen. Das war Wahnsinn mit Methode“, so Paulus Manker gegenüber wien.ORF.at. Drei Jahre nach der Erfolgsaufführung „Alma – A Show Biz ans Ende“ meldet sich der Regisseur mit einem neuen Projekt rund um den Komponisten Richard Wagner zurück.

Im Sinne eines Gesamtkunstwerks möchte er nicht nur die Welturaufführung des Simultanstücks „Wagnerdämmerung“ des israelischen Dramatikers Joshua Sobol zeigen, sondern gleichzeitig die Ausstellung „Wagner sehen“. In der von Peter Bogner zusammengestellten Schau sollen österreichische Künstler Wagner interpretieren und eine Wechselwirkung zwischen Bühnenbild und Kunst spürbar machen.

Mirkus Hahn als Richard Wagner
mit Ensemble

Anna Fiala (www.Wagner200.com)

Zwischen Genie und Wahn: Mirkus Hahn spielt Richard Wagner

Ausflug in die Unterwelt

„Wie in einer Grottenbahn wandern die Besucher im Telegraphenamt von Abgrund zu Höhenflug“, so Manker. Geboten werde „Genie und Wahnsinn in einem aufregenden, verstörenden, hocherotischen Kaleidoskop aus biografischen Notizen, Briefen und Opern“. Die dargebotene Kunst wird idealerweise nicht nur Wagners Werk reflektieren, sondern auch in die Theateraufführung einstimmen.

Ausstellungshinweis:

Theaterstück „Wagnerdämmerung“ von 17. Juli und Ausstellung „Wagner sehen“ von 18. Juli bis 31. August, um 20.00 Uhr, im Post- und Telegraphenamt am Börseplatz.

In den rund 40 Kellerräumen wird aus insgesamt 50 Lautsprechern Musik ertönen. Turbinen, Maschinen, unterirdische Gänge und Gewölbe sollen eine eindrucksvolle Stimmung erzeugen. „Es soll das Gefühl entstehen, das Zeitgenossen Wagners beschrieben haben, als sie ihn zum ersten Mal hörten: Die Musik verlässt Zeit und Raum und man verliert den Boden unter den Füßen“, so Manker.

Mirkus Hahn als Richard Wagner
und Elisabeth Lehmann als Cosima

Anna Fiala (www.Wagner200.com)

Elisabeth Lehmanns als Wagner zweite Ehefrau Cosima

Ausstellung mit Hollein, Nitsch und Wurm

Sexualität, Judentum, Politik und sein Verhältnis zu Frauen: Um Zugang zu Wagners Opernthemen zu finden, werden eigens für die Ausstellung neue Kunstwerke geschaffen. Installationen, Objekt-Figurationen und Lichtskulpturen sollen Wagners Opern, sein Leben, seine Beziehungen und sein Wirken mittels heutiger Medien und Möglichkeiten darstellen.

Sendungshinweis

„Wien heute“, 17. Juli 2013

Dem Thema Sexualität widmen sich beispielsweise die Concept-Art-Künstlerin Deborah Sengl, die Installationskünstlerin Ona B. oder Comiczeichner Reinhard Trinkler. Um Wagner-Objekte machen sich Ausstatterin Nina Ball sowie die Künstler Michael Kienzer und Richard Kriesche Gedanken. „Kriemhilds Rache“ widmen sich bekannte Persönlichkeiten wie Hans Hollein, Hermann Nitsch oder Erwin Wurm.

Revolutionsszene 1849 (Ensemble)

Anna Fiala (www.Wagner200.com)

Revolutionsszene in den Kellerräumen des Post- und Telegraphenamts

Keine Subvention für „Wagnerdämmerung“

Die Räumlichkeiten des ehemaligen k & k Post- und Telegraphenamts am Börseplatz wurden bereits 2008 bis 2010 von Paulus Manker für die Theateraufführung „Alma – A Show Biz ans Ende“ bespielt. „Alma ist seit 18 Jahren ein Welterfolg, mit 430 ausverkauften Vorstellungen auf drei Kontinenten. Das ist Rekord und Österreichs erfolgreichster Theaterexport“, so Manker.

Weniger stolz ist er auf Österreich beim Thema Subventionen. Manker: „Rekord ist auch, dass die österreichische Kulturpolitik, Stadt Wien wie auch BMUKK, seit Jahren keinen Groschen Subvention gibt, als Strategie der Ignoranz und Frechheit. Und auch das Wagner-Projekt sollte dadurch ausgehungert werden. Dies ist nicht gelungen. Wir haben gesiegt.“

„Paulus Manker hat für sein Stück ‚Alma‘ über eine halbe Million Euro Förderung alleine von der Stadt Wien bekommen. ‚Alma‘ ist damit eines der bestgeförderten Einzelstücke, die wir jemals hatten“, heißt es aus dem Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) auf Anfrage von wien.ORF.at. „Die Projekte von Paulus Manker werden, wenn er sie offiziell einreicht, genauso behandelt wie alle anderen Ansuchen. Es kann sein, dass eine Förderung für das Wagner-Projekt abgelehnt wurde.“

Letzte Show im Telegraphenamt

Das „Wagner-Projekt“ wird aus jetziger Sicht das letzte Gesamtkunstwerk von Manker im Post- und Telegraphenamt sein. Manker: „Der Immobilientycoon Immovate besitzt das Gebäude und sponsert uns, bevor das Haus im Herbst in Luxusappartements umgebaut wird.“

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