Beatles im Bild: Linda McCartneys Lebenswerk

Sie fotografierte die Stars der 1960er-Jahre und hatte einen Blick für Surreales im Alltag: Das Kunst Haus Wien zeigt ab Mittwoch eine umfassende Retrospektive der Fotokünstlerin Linda McCartney, der einstigen Ehefrau des Beatles-Bassisten.

„Dass sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und gleichzeitig eine hohe visuelle Begabung hatte, war eine glückhafte Verbindung“, so Kurator Andreas Hirsch gegenüber wien.ORF.at. Das Kunst Haus Wien würdigt das Lebenswerk von Linda McCartney, einer der spannendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, mit der weltweit ersten umfassenden Retrospektive. Zu sehen sind Fotos von ihrer Familie, von Stars, aber auch Landschaftsfotografien und Stillleben.

Paul McCartney, Jamaica

© 1971 Paul McCartney / Fotografin: Linda McCartney

Aus dem Familienalbum: Paul McCartney in Jamaica

Stars aus nächster Nähe

Die gebürtige Linda Eastman (1941-1998) war Fotografin aus Leidenschaft. Als sie im Jahr 1967 die Beatles bei der Albumpräsentation ihres Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ fotografierte, lernte sie ihren späteren Ehemann Paul McCartney kennen. Als Fotografin prägte sie mit Porträts von Stars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Aretha Franklin, The Who oder Simon & Garfunkel das Bild der „Swinging Sixties“. Mit ihrem Foto von Eric Clapton schaffte sie es im Jahr 1968 als erste Fotografin auf das Cover der Zeitschrift „Rolling Stone“.

Linda McCartney, London

© 1968 Paul McCartney / Fotograf: Eric Clapton

Ausstellungshinweis:

„Linda McCartney“, 6. Juni bis 6. Oktober, 10.00 bis 19 Uhr, Kunst Haus Wien.

Hirsch: „Sie ist bekannt dafür, dass sie in den 60er-Jahren viele der Ikonen jener Zeit fotografiert hat. Weniger bekannt ist sie jedoch für ihre Fotografien, die danach gekommen sind.“ Die Schau zeigt nicht nur die Beatles im Studio und andere Musiker aus nächster Nähe, sondern auch das Leben der Familie McCartney, von der Eheschließung bis zum Alltag mit den drei Kindern.

„Das sind aber keine Schnappschüsse, sondern man erkennt bei den Arbeiten ihr scharfes fotografisches Auge auf den Gegenstand. Sie hat einen Blick für das Surreale und betrachtet die Welt mit einem Augenzwinkern“, so Hirsch. „Sie war mit ihrer Familie in den 70er-Jahren oft auf Reisen und Tour. Gerade auf diesen Bildern erkennt man die Mischung zwischen extremer Privatheit und extremer Öffentlichkeit.“

Fotos zur Verbesserung der Welt

Ein weiteres Kapitel der Schau beschäftigt sich mit ihrer sozialen Ader. Hirsch: „Das ist weniger bekannt, aber Linda McCartney hat sich sehr der sozialdokumentarischen Fotografie gewidmet. Sie wollte die Lebensverhältnisse der Menschen zeigen und hat sich für die Rechte der Tiere eingesetzt und dazu viel fotografiert.“ Dass McCartney durch ihren Ehemann und der Band „Wings“ selbst berühmt wurde, war für ihre Fotografie nicht unbedingt von Vorteil. Hirsch: „Sie wurde auf der Straße erkannt und wurde von der Fotografin selbst zum Fotoobjekt“.

Brian Jones und Mick Jagger, New York

© 1966 Paul McCartney / Fotografin: Linda McCartney

Brian Jones und Mick Jagger, New York

Fan der analogen Fotografie

In ihren späteren Arbeiten wandte sich McCartney der Natur, dem Stillleben und dem Porträt erneut zu. „Sie hat das, was sie in den Jahrzehnten davor gemacht hat, noch einmal Revue passieren lassen - nur in verfeinerter Form“, so Hirsch.

Sendungshinweis:

„Wien heute“, 4. Juni 2013

„Sie entwickelte außerdem ein Faible für alte fotografische Techniken und nützte das Licht der Sonne zum Belichten von fotografischen Abzügen. Sie hat die Polaroid-Technik und das Großformat für sich wiederentdeckt und fotografierte Zeit ihres Lebens analog.“

Hengst und stehender Stein, Schottland

© 1996 Paul McCartney / Fotografin: Linda McCartney

Tiere, Landschaften und Stillleben waren beliebte Fotomotive von McCartney

Zeitgeschichte und Unterhaltung

Die Schau wird zahlreiche Originalmaterialien wie Kontaktbögen, Sun-Prints und Videos der Künstlerin zeigen und einen Bogen über ihr Leben spannen. Hirsch: „Wir haben eine zeitgeschichtliche und unterhaltsame Schau zusammengestellt. Es gibt viel zu entdecken, vor allem eine einzigartige Fotografin.“

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