Damit der Urlaub keine Stressfalle wird

Ein Urlaub sollte eine Auszeit sein und die Möglichkeit bieten, sich Zeit für jene Dinge zu nehmen, für die man im Arbeitsalltag keine Zeit hat. Radio-Wien-Psychologin Karin Busch-Frankl hat Tipps für eine stressfreie Urlaubszeit.

Zu große Erwartungen für die freie Zeit sowie teils sehr diffuse und unrealistische Erwartungen bilden nicht selten die Rahmenbedingungen für einen Urlaub. Eine gute Planung ist daher sehr wichtig, schlägt Busch-Frankl eine Möglichkeit vor, mit der Klippen umschifft werden können.

Oft wird auch zu lange gewartet, bevor ein Urlaub angetreten wird. Sinnvoll wäre es, sich einmal pro Jahr rund drei Wochen Auszeit zu gönnen und dazwischen immer wieder freie Tage zur Erholung zu nehmen. Wer wartet, bis er wirklich urlaubsreif ist, hat vermutlich zu lange gewartet. Wenn die psychischen Akkus einmal leer sind, ist es sehr mühsam und zeitaufwendig, sie wieder aufzuladen. Aber auch Erholung kann nicht auf Knopfdruck passieren. Es dauert meist einige Tage, bis sich der Körper und die Psyche umgestellt haben.

Menschen im Meer

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Offene Dinge vor dem Urlaub abschließen

Wichtig ist es, vor dem Urlaub einen guten Arbeitsabschluss zu finden, damit man nicht ständig an unerledigte Dinge denken muss. Auch für eine Vertretung zu sorgen kann sinnvoll sein, damit man sich dann nicht am ersten Arbeitstag vor einem überfüllten Arbeitstisch wiederfindet. Die ersten Tage nach dem Urlaub sollte man sich auch nicht mit Terminen überschwemmen.

Frauen, besonders Mütter, können im Urlaub meist auch nicht ganz loslassen: Sie haben ein permanentes Verantwortungsgefühl, das dazu führt, dass für sie der Urlaub nicht immer Erholung bedeutet.

Pässe und Landkarte

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Auch das Urlaubsziel beeinflusst die Erholung

Es gibt viele Möglichkeiten, den Urlaub zu gestalten. Vorab sollte man die Frage klären, was der Urlaub bringen soll: Ist Entspannung der Zweck, oder soll Action im Vordergrund stehen? Wichtig ist eine Absprache mit dem Partner beziehungsweise mit der Familie, um Erwartungen abzuklären und eine gute Balance zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen zu finden. Wird das nicht getan, kann es schnell zu Kränkungen und Verletzungen kommen, die wiederum Stress bedeuten. Daher unbedingt klar aussprechen, was man sich vorstellt.

Auch kann es sein, dass man im Urlaub nichts machen und einfach nur faulenzen möchte. In der Forschung unterscheidet man Aktivitäts- und Erlebnisqualitäten, wobei jeder Mensch etwas anderes als erholsam empfindet. Urlaube in der Natur sind am erholsamsten. Auch sollte man die Mehrzeit, welche man plötzlich miteinander verbringt, nicht unterschätzen. 24 Stunden am Tag zusammen zu sein, kann Stress bedeuten. Hier gilt es, keine idealisierten Vorstellungen zu haben, es darf auch einmal alleine etwas unternommen werden.

Häufig kommt es auch vor, dass der Urlaub beginnt und man ist krank. Das hängt mit dem Stresshormon Cortisol zusammen. Das Immunsystem bricht ein, da es zuvor auf Hochbetrieb gelaufen ist. Chronisch gestresste Menschen haben im Urlaub beispielsweise auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Eine gesunde Lebensweise und ausreichend Erholung das ganze Jahr hindurch sind daher sehr wichtig. Abschalten kann man nur, wenn man sich entspannen kann.

So können Sie Urlaubsstress verringern:

  • Sich immer wieder kurze Auszeiten unter dem Jahr gönnen
  • Keine zu großen, überzogenen Erwartungen an den Urlaub stellen
  • Gute Absprache, klare Planung und sich auch im Urlaub Zeit für sich selbst nehmen
  • Möglichst wenige Dinge liegenlassen, vor dem Urlaub so gut wie möglich Arbeiten abschließen, für Vertretung sorgen
  • Sich nach einer Fernreise noch ein bis zwei Tage zu Hause akklimatisieren
  • Handys abschalten, keine Mails checken, keine ständige Erreichbarkeit
  • Urlaub zu Hause kann auch eine Option sein, es muss nicht immer die teure Fernreise sein; nicht einem Trend nachlaufen, sondern nach den eigenen Bedürfnissen handeln
  • Im Urlaub muss nicht ständig Action sein, Faulenzen ist für den Erholungseffekt sehr wichtig
  • Gute Erinnerungen verinnerlichen, damit der positive Effekt des Urlaubs möglichst lange anhält und in Stresssituationen im Alltag wieder abgerufen werden kann