Bewusst gesund „Aus dem Bauch“

Früher ein Tabu, heute ein trendiges Thema: Der Darm. Nicht umsonst heißt es: Ist der Darm gesund, ist auch der Mensch gesund. Aus diesem Grund widmet sich der ORF-Schwerpunkt „Bewusst gesund“ dem Thema Darmgesundheit.

Seit Jahrtausenden ist bekannt, dass ein gesunder Darm eine zentrale Rolle für Wohlbefinden und Gesundheit des Menschen spielt. Bis zu 100 Billionen Bakterien helfen bei der Verdauung und stärken das Immunsystem. Eine gestörte Darmflora kann die Ursache vielfältiger Störungen sein. Die Liste reicht von Allergien über das chronische Müdigkeitssyndrom bis hin zu Depressionen, von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen über das Reizdarmsyndrom bis hin zu Darmkrebs.

Darm

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Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Vormarsch

Kein Gluten, keine Milch, kein Zucker - immer mehr Menschen leiden an Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Laut Studien ist beinahe jeder fünfte Österreicher von einer Intoleranz betroffen. Im Vergleich zu früher scheint es heute auch regelrecht „hip“ zu sein, bestimmte Lebensmittel aus gesundheitlichen Gründen zu meiden. Diätologin Heidi Szepannek erklärt die Zunahme an Unverträglichkeiten nicht nur durch die verbesserte Diagnostik: „Der Punkt ist, dass sich unsere Essgewohnheiten verändert haben. Fertigprodukte haben etwa einen hohen Anteil an Fruchtzucker, der zu Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall führen kann.“

Auch eine falsch verstandene gesunde Ernährung kann Bauchweh verursachen. „Wenn ich etwa drei Äpfel auf einmal esse, überschreite ich - obwohl ich keine Intoleranz habe - die natürliche Kapazität und bekomme Beschwerden, wie wenn ich eine Intoleranz hätte.“, so die Expertin. Eine Fructose- und eine Lactose-Intoleranz kann mittels eines Atemtests festgestellt werden. Echte Lebensmittelallergien, unter denen nur zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden, können mit einem Blut- und einem Pricktest nachgewiesen werden.

Frau greift auf Bauch wegen Schmerzen

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Stress und Ärger: Der Darm fühlt mit

Stress in der Arbeit - und schon spielt der Bauch verrückt, das kennt jeder. Grund dafür ist die Steuerzentrale im Bauch, das sogenannte Bauchgehirn oder die Bauch-Hirn-Achse, wie es Ärztinnen und Ärzte nennen. Wenn die Kommunikation zwischen Kopf und Bauch durcheinander gerät, kann das unangenehme Folgen haben. „Wir beobachten eine Zunahme von Patienten, die depressiv und einsam sind.“, so Dr. Monika Graninger, Internisten am Barmherzige Schwestern Krankenhaus Wien, „Daher beobachten wir auch eine Zunahme von funktionellen Störungen wie dem Reizdarmsyndrom.“

Zehn bis zwanzig Prozent der Bevölkerung leiden am Reizdarmsyndrom, Frauen zweimal so häufig wie Männer. Zur Heilung setzen Mediziner neben Medikamenten auch auf Psychotherapie und Entspannungstechniken wie etwa der Bauchhypnose: „Das ist eine Beeinflussung, die genau auf diese Achse des sympathischen und parasympathischen Nervensystems abzielt. Die Entspannung im Kopf wirkt sich dann auch auf den Bauch aus.“, so Dr. Monika Graninger.

Koloskopie: Ein Blick ins Innere zur Krebsvorsorge

2005 wurde die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung für alle über 50 Jahren in Österreich eingeführt. „Innerhalb der ersten zehn Jahren sind dadurch in Österreich Darmkrebsneuerkrankungen um 25% zurückgegangen, die Sterblichkeitsrate sogar um 35%.“, so Internist Dr. Thomas Winkler vom St. Josef-Krankenhaus Wien. „Es gibt Statistiken, die belegen, dass jeder dritte Patient Darmpolypen hat. Wenn man diese Polypen nicht abträgt, könnte innerhalb von zehn Jahren Darmkrebs entstehen.“

Koloskopie

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Sanfte Darmspiegelung dank moderner Medizin

455 Wienerinnen und Wiener sind 2015 an Dickdarmkrebs verstorben. Die Zahl hätte aber noch deutlich geringer sein können. Immerhin gehen nur 28 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ab dem 50. Lebensjahr zur Darmspiegelung. Scham und Angst halten viele von der etwa 30-minütigen Vorsorgeuntersuchung ab. „Angst vor Schmerzen muss niemand mehr haben.“, meint Dr. Thomas Winkler, „Im Vergleich zu früher gibt es jetzt eine flächendeckende Sedierung, das heißt, die Patienten können schlafen und bekommen von der Darmspiegelung fast nichts mit.“

Die Menge an Abführmitteln, die man für eine Koloskopie braucht, ist heutzutage auch deutlich geringer. „Früher musste man vier Liter davon trinken. Jetzt reicht oft zwei Mal ein Viertel Liter, wo man dann zusätzlich noch andere Getränke zu sich nehmen soll. Außerdem sind die Abführgetränke schmackhafter geworden.“, so der Internist. In Wien bieten 54 zertifizierte Stellen die Vorsorgekoloskopie an. Die Kosten werden ab dem 50. Lebensjahr von der Krankenkasse übernommen.

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