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Rotraud A. Perner |
01.10.2007 |
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Der Sex von heute
Sexualität und Liebe - Widerspruch und Ergänzung: Rotraud A. Perner in ihrer Kolumne über Sex zwischen "Superstecher" und ganzheitlicher gelebter Sexualität.
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"Sexualität ist ein Trost, ..." |
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"...wenn die Liebe nicht reicht"
"Ein Ländervergleich in punkto Liebesleben lässt uns Österreicher toll dastehen", hieß es vergangene Woche in einer Tageszeitung. "Vor allem beim Einfallsreichtum".
Dem gegenüber zitiere ich in meinem neuen Buch "Heute schon geliebt? Sexualität & Salutogenese" den kolumbianischen Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, der in "Erinnerungen an meine traurigen Huren" schreibt: "Sexualität ist ein Trost, wenn die Liebe nicht reicht."
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Oft bleibt die hundertprozentige Befriedigung aus. |
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Bettakrobatik und die Tiefe des Herzens
Es ist halt viel leichter, Bettakrobatik zu betreiben (oder zumindest zu versuchen), als in der Tiefe des Herzens nachzuspüren, wo die Lust – nämlich die echte und wahrhaftige Lust an der geliebten Person – geblieben ist.
Statt an der Vervollkommnung der eigenen Liebesfähigkeit zu arbeiten, vervollkommnen viele lieber ihr Wissen über "Stellungen" und andere "Sex-Spiele" und wundern sich dann, dass die hundertprozentige Befriedigung ausbleibt.
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Energieaustausch über das Herz. |
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Ein "erfüllter" Mensch
Nach Wilhelm Reich und Rudolf Urban von Urbantschitsch sättigt ein gelungener Energieaustausch – und der geht nur übers Herz – für mindestens eine halbe Woche (außer man(n) ist sehr jung und sehr verliebt). Das entspricht der viel zitierten Luther-Regel: "Der Woche zwier schadet weder ihm noch ihr, macht im Jahre hundertvier".
Und nach Baghwan hat, wer einmal wirklich tief und stundenlang geliebt – nicht nur "Liebe gemacht", sprich nachgeahmt - hat, kaum mehr ein Bedürfnis nach vollzogener Geschlechtlichkeit; dann hat man nämlich die Liebe immer in sich, man ist ein "erfüllter" Mensch (was aber nicht bedeutet, dass man sich nie mehr der geliebten Person auch körperlich zärtlich zuwendet).
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Für Frauen nicht lächerlich
Für den durchschnittlichen Westeuropäer (männlich) klingt das meist lächerlich. Für viele Frauen aber nicht; die tragen oft eine ahnende Sehnsucht in sich, es könnte doch noch mehr möglich sein als schnelles Gerubbel und Gestochere... aber wie das dem Geliebten sagen, ohne dass der gleich beleidigt ist?
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Geschlechtsverkehr sollte kein Bestellservice sein. |
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Im Rotlichtmilieu als "König"
In der oben zitierten, vom Kondom-Hersteller Durex beauftragten Studie sprechen "nur" 59 Prozent der befragten ÖsterreicherInnen mit ihrem Partner über sexuelle Vorlieben. Ich finde das eher viel – und auch schon wieder zu viel. Denn: Geschlechtsverkehr – und das ist viel mehr als nur der Zeugungsakt – sollte kein Bestellservice sein.
Das ist eine eigene Profession, und dort ist der "Kunde" halt auch so was wie ein "König". Und deswegen begeben sich etliche Männer ja auch ins Rotlichtmilieu: um sich als König zu fühlen. Sex ist dabei nicht so wichtig (außer man(n) ist auf eine bestimmte Praktik fixiert – und das zählt zu den Zwangsstörungen und sollte eigentlich therapiert werden).
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In dieser besonderen Form von aufeinander Eingehen braucht es dann auch kaum mehr Worte. |
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Das Seelische der Liebeskunst
"Intim reden" ist eine Kunst – und die entwickelt man, wenn man eben im Zustand der Intimität ist. Dann "hat" man aber auch nicht nur "Sex", sondern man verschmilzt mit dem anderen. Da muss auch nicht unbedingt Liebe mit im Spiel sein – es genügt Achtsamkeit, Behutsamkeit und die Fähigkeiten, die bei uns unter "östliche Liebeskunst" rangieren.
Das ist nämlich etwas Seelisches. Nur die Kamasutra-Positionen nachzuahmen (sofern man das - zumindest bei einigen – körperlich zustande bringt), ist da viel zu wenig. In dieser besonderen Form von aufeinander Eingehen braucht es dann auch kaum mehr Worte – vielleicht noch den Ton der Stimme, um sich an ihr zu berauschen, oder den Klang des Atmens…
Da reicht es, sich oder den anderen körperlich zu lenken… Außerdem zerstören Bitten oder Befehle die Stimmung: Aus dem oder der Begehrten wird so ein Bediener oder eine Bedienerin gemacht.
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Orientierung auf andere Person erst in der Pubertät. |
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"Superstecher" gegen ganzheitliche Sexualität
Sigmund Freud sprach noch vom "polymorph perversen" Säugling, der an jedem Teil seines Körpers Lust empfindet und auch damit experimentiert; erst mit Ausschüttung von Geschlechtshormonen in der Pubertät richtet sich die Triebenergie – sofern diese Entwicklung nicht durch ein Trauma oder sonst eine Störung gehemmt wurde – auf Verschmelzung mit einer anderen Person.
Als "Superstecher" (Zitat eines Jugendlichen) Eroberungen sammeln, ist was anderes. Das sollte man nicht mit ganzheitlicher – Körper, Seele und Geist in Einheit – gelebter Sexualität verwechseln.
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Rotraud A. Perner
Rotraud A. Perner ist als Psychoanalytikerin, Juristin und Supervisorin tätig. Jeden ersten Dienstag im Monat hilft sie Frauen von 10.00 bis 11.00 Uhr persönlich am NÖ Frauentelefon unter 0800 800 810. Jeden Montag schreibt Perner auch in wien.ORF.at eine eigene Kolumne.
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