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MI | 10.02.2010
Al Gore beim mobile.futuretalk 2007 (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer)
Wissenschaft
Al Gore warnt vor "planetarem Notfall"
Ex-US-Präsidentschaftskandidat Al Gore, Oscarpreisträger und Nobelpreisträger, hat bei einem Kurzbesuch in Wien für die mobile.futuretalks 2007 vor einer "planetaren Notfallsituation" gewarnt.
Al Gore beim mobile.futuretalk 2007 (Bild: APA/Herbert Pfarrhofer) "Massiv schrumpfende Gletscher"
"Wir stehen vor einer planetaren Notfallsituation", sagte Gore bei seinem Gastvortrag vor mehr als 900 geladenen Gästen. Als Beispiele nannte er die massiv schrumpfenden Gletscher, nicht zuletzt auch in Österreich. Auch die steigende Häufigkeit von Trockenheiten sowie von Busch- und Waldbränden in Griechenland, Australien und Kalifornien sei ein Indiz dafür.

"Wir müssen daher handeln, und zwar jetzt", forderte Gore im Wiener Arsenal auf. Er verwende den Begriff der planetaren Notfallsituation gerne, bewusst, oft und extensiv, um auf die bristante Lage hinzuweisen und wachzurütteln, so Gore.
Nordpol eisfrei in 23 Jahren
Als Beispiel führte er unter anderem die Situation am Nordpol an. Gore: "Nachdem das nördliche Polarmeer in den letzten drei Millionen Jahren ständig zugefroren war, droht nun ein komplettes Verschwinden der Eiskappe innerhalb der nächsten 23 Jahre."

Das bedeute, dass die Menschen eine dramatische Veränderung in nur einer einzigen Generation erleben werden, nachdem dieses Phänomen zuvor länger als die gesamte Menschheitsgeschichte bestanden habe.
Al Gore (r.) mit Mobilkom-Chef Boris Nemsic (Bild: APA/Roland Unger)
Nemsic und Gore beim mobile.futuretalk
Gores Vortrag begeisterte Publikum
Gore, der einzige Mensch, der bisher mit einem Oscar und einem Nobelpreis ausgezeichnet worden ist, war auf Einladung von mobilkom-Chef Boris Nemsic zu den mobile.futuretalks 2007 nach Wien gekommen.

Gore soll verschiedenen Berichten zu Folge zwischen 100.000 und 300.000 Euro bekommen haben. Er war damit der teuerste Gast in der Geschichte des Unternehmens.

Nichtsdestotrotz entfachte der in seiner Zeit als US-Vizepräsident oft als "Schlaftablette" verspottete Gore mit seinem souverän und frei gehaltenen Vortrag Begeisterung im Wiener Publikum.
Al Gore (l.) und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) (Bild: APA/Roland Unger)
Gore: Umweltschutz werde für Amerikaner wichtiger, für die derzeitige politische Führung aber nicht.
"Schnellerer Bewusstseinswandel"
Vor seiner Rede im Arsenal war Gore mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) zu einem kurzen Gespräch im Hotel Imperial zusammen. Dabei ging es ebenfalls überwiegend um das Thema Umweltschutz. Gore sei zuversichtlich, dass nicht zuletzt durch die Brandkatastrophe in Kalifornien das Bewusstsein der Amerikaner für Umweltschutz geschärft werde, so Gusenbauer nach dem Gespräch gegenüber der Presse. Gore selbst zeigte sich danach nicht mehr.

Der Demokrat Gore glaube auch, so Gusenbauer, in Sachen Klima und Umweltschutz auch parteiübergreifende Bündnisse eingehen zu können, etwa mit dem Republikaner und kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Skeptisch äußerte sich der baldige Nobelpreisträger allerdings zum Klimagipfel auf Bali im Dezember. Er hege offenbar nur geringe Hoffnungen, dass die USA unter der derzeitigen Führung von Goerge W. Bush einen konstruktiven Beitrag für eine Nachfolgeregelung des Kyoto-Protokolls leisten werden, so Gusenbauer.
Al Gore (l.) und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) (Bild: APA/Roland Unger)
Mit Hybrid-Limousine in die Stadt
Gore war am Nachmittag am Flughafen Wien-Schwechat gelandet. Von dort wurde er mit Mobilkom-Chef Boris Nemsic in einer Hybrid-Limousine in die Innenstadt gefahren.
Von der Politik zum Umweltschutz
Albert Arnold "Al" Gore, geboren am 31. März 1948 in Washington, war von 1993 bis 2001 Vizepräsident der USA. Im Herbst 2000 unterlag er bei der Präsidentschaftswahl dem republikanischen Kandidaten George W. Bush.

Nach seinem Rückzug aus der Politik engagierte sich Gore vermehrt im Umweltschutz. Er reist um den Globus, hält Vorträge und organisiert Events wie "Live Earth" am 7. Juli 2007. Im Februar 2007 erhielt sein Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" zwei Oscars.

Am 10. Dezember erhält er in Oslo den Friedensnobelpreis.
Am Donnerstag in Paris
Dem Kurzaufenthalt in Wien folgt ein Besuch der französischen Hauptstadt Paris, wo Al Gore am Donnerstag einen großen Auftritt absolviert.
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