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SO | 01.08.2010
Jüngling mit Pinoccio Nase
KUNST
Neue skurrile Blicke auf Alte Meister
Dem hübschen Jüngling auf einem klassischen Gemälde wächst auf einmal ein Schnabel: Im Kunsthistorischen Museum hat ein russisches Künstlerpaar im Rahmen einer Ausstellung seine erfrischenden Interventionen gesetzt.
Einen neuen Blick auf alte Gemälde will die Ausstellung "In Situ" im Kunsthistorischen Museum lenken.
Vertreter der russischen Konzeptkunst
"In Situ" heißt die bereits zweite Ausstellung der Moskauer Stella Art Foundation in den Räumlichkeiten des Kunsthistorischen Museum (KHM), die bis zum 2. August zu sehen ist. "Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Ikonen des Hauses", wie KHM-Direktorin Sabine Haag betonte.

In Russland gehören Elagina und Makarevich eigentlich "bereits zur Kunstgeschichte", erklärte Kurator Boris Manner. Sie zählen auch zu den bedeutendsten Vertreter des Moskauer Konzeptualismus.
Schafkopf
Fliegenpilz mit Turm Fliegenpilz neben Brueghels "Turm zu Babel"
Im KHM treten ihre Arbeiten nun in Dialog mit den Alten Meistern, für Gemäldegalerie-Direktor Karl Schütz "eine gegenseitige Erhellung der Kunstwerke". Mit dem "Turm zu Babel" Brueghels verbindet das Paar bereits eine lange Faszination, wie der Künstler erzählte. "Wir alle sind Teil einer großen Utopie und was könnte mehr Sinnbild dieser Utopie sein?"

Ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Bild findet sich nun in mitten des Raumes in Form eines "Mushroom Tower", eines riesenhaften Doppel-Fliegenpilzes, aus dessen Spitze ein babylonischer Turm wächst.
zum Teil bandagierter Kopf
Igor Makarevich: Ganymed mit Pinocchio-Nase Pinocchio-Nase für Ganymed
Ganz direkte motivische Verwandtschaften mit den Gemälden gibt es auch in Form von Holzfischen oder aus Teichen ragenden Angelhaken zwischen den Fischmarkt-Darstellungen des flämischen Meisters Frans Snyders. Auch Rembrandts "Ganymed" kommt nicht davon: Makarevich ersetzt den hübschen Jüngling durch einen lang- und spitznasigen Pinocchio.

Andere der "Interventionen" sind vergleichsweise unaufdringlich gehalten und erfordern beim Spazieren durch die ehrfürchtigen Porträts und religiösen Bildnisse einen zweiten, prüfenden Blick.
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