Umbenennung Lueger-Ring: Gemischte Reaktionen

Hohe Wellen schlägt die angekündigte Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Ring in Universitätsring. Die Unversität Wien freut sich über die neue Adresse. Die Reaktionen der politischen Parteien fallen dagegen unterschiedlich aus.

Eine „große Freude“ stellt das nun erreichte, „vielfach vorgebrachte Anliegen“ einer Umbenennung des Lueger-Rings für die Universität Wien dar, wie Rektor Heinz Engl betonte. Mit der neuen Adresse am „Universitätsring 1, 1010 Wien“ sei zudem der Wunsch erfüllt worden, die „Ring-Adresse“ zu erhalten. „Umgekehrt zeigt die Benennung eines Teils des Rings nach der Universität die Bedeutung, die die Universität für die Stadt hat“, so Engl.

Uni führte jahrelange Diskussionen

Die Diskussion über die umstrittene Adresse hatte die Uni bereits seit vielen Jahren begleitet. Immer wieder habe es Initiativen zur Umbenennung aus der Uni heraus, insbesondere vonseiten der Studenten, gegeben. Vor allem „im Hinblick auf das 650-Jahr-Jubiläum 2015“ war eine neue Adresse laut Engl ein „besonderes Anliegen“ - mehr dazu in Dr.-Karl-Lueger-Ring wird umbenannt.

Beifall kam auch von der Studentenschaft. Die Namensänderung „freut uns sehr“, ließ ÖH-Vorsitzende Janine Wulz wissen. Vor allem die Studierenden hätten seit langem darauf gepocht, da es untragbar gewesen sei, „wie über Jahrzehnte hinweg der Namen eines offenen Antisemiten den Straßennamen prägte“. Die Hochschülerschaft forderte zugleich eine „aktive und reflektierte Erinnerungspolitik“. Die Umbenennung des Lueger-Rings sei ein wichtiges Zeichen, auf das noch viele weitere folgen müssten.

Grüne: War schlecht für Wiens Image im Ausland

Auch die Grünen hatten wiederholt eine Umbenennung gefordert. Wiens Universitätsbeauftragter Alexander Van der Bellen sieht im neuen Namen eine wichtige symbolische Geste. Die grüne Vizebürgermeisterin, Maria Vassilakou meinte: „Wir dürfen nicht übersehen, dass wir mit Orts- und Straßenbenennungen Menschen ehren. In diesem Fall war es die Ehrung eines Menschen, der einen wesentlichen Teil seines politischen Erfolgs auf seiner antisemitischen Propaganda gründete“.

„Nun wurde unserer jahrelangen Forderung nachgegeben“, freute sich auch der grüne Kultursprecher Klaus Werner-Lobo. Das Bild Wiens im Ausland habe durch die alte Bezeichnung zuletzt massiv gelitten.

ÖVP: Regierung spielt sich als moralische Instanz auf

Ganz anders sieht das die Wiener ÖVP. Obmann Manfred Juraczka kritisierte vor allem, dass der Kulturstadtrat die Änderung als fix ankündige, „ohne den zuständigen Ausschuss beschäftigt zu haben und ohne mit den anderen Parteien darüber ein Gespräch geführt zu haben“. Die Person Luegers sei „natürlich differenziert“ zu betrachten. Aber die rot-grüne Stadtregierung solle sich nicht als moralische Instanz aufspielen, so Juraczka.

FPÖ: Umbennung ist ein „Skandal“

Von einem Skandal spricht FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: „Ein herausragender Bürgermeister wird aus einem Straßennamen gedrängt.“ Lueger habe sich größte Verdienste um die Stadt erworben. Für Wiens FPÖ-Klubchef Johann Gudenus handelt es sich um eine politische Umfärbeaktion. „Einen Dr.-Karl-Renner-Ring etwa darf es nach dem Willen von Rot-Grün weiter geben. Dabei hat der Sozialdemokrat den Anschluss unseres Heimatlandes an Deutschland am 12. März 1938 ausdrücklich begrüßt.“

Kultusgemeinde erfreut

Über einen „besonderen symbolhaften Akt“ für die jüdische Gemeinde freute sich der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch. Durch die Umbenennung werde das historische Bild von Lueger zurechtgerückt. „Dies soll auch eine Warnung an Politiker unserer Tage darstellen, die sich in der Tagespolitik in leichtfertiger und verwerflicher Weise antisemitischer, rassistischer und fremdenfeindlicher Parolen bedienen“, meinte Deutsch.

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