Wien würdigt H.C. Artmann mit Konferenz

Mitte April steht der im Jahr 2000 verstorbene Dichter H.C. Artmann im Mittelpunkt einer zweitägigen internationalen Konferenz in Wien. Artmann wurde vor allem mit der von ihm gegründeten „Wiener Gruppe“ und Dialektgedichten bekannt.

Artmann
APA/Robert Jäger

Am 11. und 12. April beschäftigen sich Fachleute und Weggefährten mit Person und Werk des Verfassers von „med ana schwoazzn dintn“. Als Veranstaltungsort dient die Wienbibliothek im Rathaus. Die Konferenz steht allen Interessierten kostenfrei offen. Vorträge und Diskussionen befassen sich unter anderem mit Romantik-Bezügen im Artmannschen Oeuvre, seiner Kinderliteratur, dem „Artmannesken“ an sich und der „Suche nach der prototypischen Pop-Literatur“.

Gespräche mit Artmann-Witwe

Außerdem stehen Kostproben aus Texten, ein Kurzfilm, Fotografien und eine Gesprächsrunde mit dem früheren „Wiener Gruppe“-Mitglied Friedrich Achleitner, Artmann-Witwe Rosa Pock-Artmann und dem Schweizer Kulturjournalist Peter K. Wehrli auf dem Programm.

Konkreter Anlass für das zweitägige Treffen ist das 60-Jahr-Jubiläum der „acht-punkte-proklamation des poetischen actes“. Dieser 1953 verfasste theoretische Text postuliert im Kern, „daß man dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein wort geschrieben oder gesprochen zu haben“.

Unbekannte Materialen ausgestellt

Im Zuge des Rahmenprogramms sollen im Foyer der Musiksammlung der Wienbibliothek bisher unbekannte Materialien des Dichters präsentiert werden. Zudem werden von 8. bis 14. April im Kabinetttheater im 9. Bezirk unter dem Titel „Der Mond täuscht einen Abend vor“ Miniaturdramen aus der Feder der „Wiener Gruppe“-Proponenten Artmann, Achleitner, Konrad Bayer und Gerhard Rühm gegeben.

Artmann distanzierte sich von Wiener Gruppe

Artmann selbst distanzierte sich im übrigen sehr bald von der Gruppe, zu der auch noch Oswald Wiener gehörte und die mit ihren Lesungen und Performances für (nicht nur künstlerischen) Aufruhr sorgte. Auch mit dem Etikett Dialektdichter war der Bürgerschreck und Georg-Büchner-Preisträger zeitlebens nicht sehr glücklich, da er seine Mundartlyrik nur als eines von vielen Experimenten sah. Sprachspielereien, dadaistisch anmutende Texte und surrealistische Erzählungen machen einen ungleich höheren Anteil seines Schaffens aus.

Am Tag vor der Konferenz, also am 10. April, wird im Museum auf Abruf neben dem Rathaus der H.C. Artmann-Preis an Franz Josef Czernin verliehen. Die Laudatio wird Ferdinand Schmatz halten, der 2006 selbst mit dem Preis geehrt wurde.

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