Vandalenakte in Wiener Kirchen

In vier Wiener Kirchen sind am Samstag Statuen und Taufbrunnen teilweise schwer beschädigt worden, die Schadenssumme ist noch unklar. Im Stephansdom warf ein 37-Jähriger eine Statue des Heiligen Judas Thaddäus von einem Marmorsockel.

Neben dem Stephansdom waren auch die Pfarrkirche Breitenfeld (Josefstadt), die Pfarrkirche Neuottakring (Ottakring) und die Lazaristenkirche (Neubau) von Vandalenakten betroffen. „So massiv hatten wir das noch nie“, sagte Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien am Sonntagnachmittag. Die Schadenshöhe sei derzeit nicht einmal ansatzweise bezifferbar, so Prüller.

Gipsstatuen zerstört

In der Pfarrkirche Breitenfeld wurden vier Statuen umgestürzt, und der Deckel des Taufbrunnens wurde zertrümmert. In der Lazaristenkirche warfen die oder der Täter laut Erzdiözese fast sämtliche Statuen im Kirchenraum um, wodurch viele zerstört wurden. Auch der hölzerne Korpus eines Kruzifixes wurde heruntergerissen, die Arme wurden abgeschlagen. Der schweren steinernen Statue des Hl. Vinzenz wurden die Finger abgeschlagen.

Einige Gipsstatuen seien zu Boden geschmissen und dabei unwiederbringlich zerstört worden. „Die kann man überhaupt nicht mehr herstellen“, sagte Prüller. Ihr Wert sei unklar.

Beschädigte Statue im Stephansdom
LPD Wien
Die Statue soll renoviert und wieder aufgestellt werden

Keine Unterbringung in Anstalt

Die im Stephansdom beschädigte Statue des Heiligen Judas Thaddäus ist laut Dompfarrer Toni Faber „keine ungeheuer wertvolle Statue“. Zahlreiche Zeugen hatten am Samstag gegen 17.15 Uhr beobachtet, wie ein 37-Jähriger die Statue von einem Marmorsockel warf.

Sie hielten den Mann, der eilenden Schrittes den Stephansdom verlassen wollte, vor dem Dom-Shop bis zum Eintreffen der Polizei fest. Nach seiner Festnahme verwies der 37-Jährige, der auf die Beamten einen verwirrten Eindruck machte, auf eine „Eingebung“, die ihn dazu bewogen habe, „gegen die Statuenverehrung vorzugehen“, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger am Sonntag der APA.

Der Mann soll die Gläubigen außerdem als „Marionetten“ bezeichnet haben. Für die einschreitenden Beamten lagen keine hinreichenden Gründe vor, die Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Anstalt zu veranlassen. Er kam zunächst in den regulären Arrest und wurde dann wieder freigelassen.

„Immer wieder“ Zwischenfälle im Stephansdom

Dompfarrer Toni Faber sagte gegenüber der APA, der 37-Jährige sei nach Aussagen von Augenzeugen „psychotisch verengt“ und von einer „inneren Bewegung ergriffen“ erschienen. „Er hat den Heiligen runtergerissen und die Säule zerbrochen. Er hat auch noch versucht, das Herz-Jesu-Bild zu ergreifen“, schilderte Faber. Mitarbeiter hätten das zum Glück verhindert. Einer von ihnen sei dabei leicht verletzt worden. Es habe sich „um einen Wahnsinnigen gehandelt, der sich vor dem Vorfall über seinen iPod mit religiöser Musik in Stimmung gebracht hat“.

Laut Faber kommt es „leider immer wieder“ zu Zwischenfällen im Stephansdom. Schwere Sachbeschädigungen seien zum Glück eher selten. Der beschädigte Heilige Judas Thaddäus - er gilt laut Faber als Schutzpatron für aussichtslose Fälle - soll renoviert und nach seiner Restaurierung wieder am vorgesehenen Ort neben dem Herz-Jesu-Altar aufgestellt werden.

Erzdiözese zeigt sich erschüttert

Ob der 37-Jährige für alle Delikte verantwortlich ist, ist nach Polizeiangaben noch nicht bestätigt. Nach seiner Einvernahme - zu diesem Zeitpunkt war der Polizei lediglich der Zwischenfall im Stephansdom bekannt - waren nach Ansicht der Strafverfolgungsbehörden keine Haftgründe gegeben, welche die weitere Anhaltung des Mannes gerechtfertigt hätten. Der 37-Jährige wird laut Polizei in der kommenden Woche vorgeladen und zu den festgestellten Beschädigungen befragt.

Erschüttert über den „Ausbruch von Gewalt“ in den Kirchen zeigte sich der für die Stadt Wien zuständige Bischofsvikar Dariusz Schutzki: „Der Vandalenüberfall ist ganz untypisch für das sonst so friedliche Leben der Religionen in Wien - und wird ihm auch nichts anhaben können.“ Die Erzdiözese wartet nun auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei.

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