Teures Wasser ein „Image-Killer“

Nachdem immer mehr Cafes und Lokale Geld für Leitungswasser verrechnen, hat sich nun der Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner zu Wort gemeldet. Er warnte vor einem Image-Verlust. Die Gastronomen sehen sich aber durchaus im Recht.

Kettner spracht gegenüber Wien heute von einer „unglücklichen Entwicklung“, die der Tourismusstadt Wien schade. Die Kaffeehausbranche laufe damit Gefahr ihr Image aufs Spiel zu setzen. Bereits im Vorjahr warnte Kettner, dass Gastronomen mit kostenpflichtigem Leitungswasser „den guten Ruf der Destination Wien“ aufs Spiel setzen und Gäste verärgeren.

Preis für Wasser eine „notwendige Konsequenz“

„Als Getränk hat das Wasser natürlich einen Wert“, argumentierte hingegen Andrea Winkler vom Cafe Mozart in Wien die 2,50 Euro, die für den halben Liter Wasser eingehoben würden. Auch das Cafe Landtmann und das Cafe Museum kassieren seit Montag für das Leitungswasser. Im Griechenbeisl zahlt der Gast gar 3,10 Euro für ein Glas Wasser.

Es sei eine „notwendige Konsequenz“ geworden und es würden damit ja auch Service, Personal und Miete bezahlt, erklärte Winkler. „Nach unseren monatlichen Statistiken, wir beobachten das seit Jahren, ist es so, dass wir mehr Halbe und Viertel Wasser serviert haben als alle alkoholischen Getränke zusammen.“

1.000 Liter kosten 1,73 Euro

Kritiker sehen jedoch einen unverhältnismäßig hohen Preis: 1.000 Liter Wiener Hochquellwasser kosten 1,73 Euro. Das Wasser sei immer noch das billigste alkoholfreie Getränk auf der Karte, und es bleibe ja jedem Gast freigestellt, ob er es nun bestellt oder nicht. „Keine Frage, dass das Glas Wasser zum Kaffee, zur Kopfwehtablette oder eine Schüssel für den Hund anstandslos serviert wird“, jedoch sehe man es nicht ein, nichts zu verlangen, wenn nur ein Wasser bestellt wird.

Kaffeehaus-Szene

APA/Hans Klaus Techt

Historischer Hintergrund:

Ursprünglich war das Wasserglas zum Kaffee dafür gedacht, den Löffel nach dem Umrühren hineinzugeben. Es galt als unschicklich, den Löffel abzuschlecken.

Bereits im vergangenen Jahr gab es zu dem Thema eine Debatte - mehr dazu in Gratis-Wasserkonsum ein „Irrsinn“ (wien.ORF.at, 10.07.2012). Damals wurde von einigen Gastronomen ein freiwilliger Betrag für Leitungswasser eingehoben, wobei die Hälfte der Einnahmen an Wasserprojekte in Entwicklungsländern ging. An dem Projekt scheint das Interesse allerdings abgeflaut zu sein: Derzeit beteiligen sich lediglich 14 Betriebe am Projekt „Wasserspende“.

„Rechtlich erlaubt“

„Rechtlich hat der Kaffeehausbetreiber die Möglichkeit, für jede Dienstleistung Geld zu verlangen“, erklärte Norbert Lux von der WKO-Fachgruppe für Kaffeehäuser. Auch für das Glas Wasser zum Kaffee könne das gemacht werden, was man jedoch auch als „leidenschaftslos“ bezeichnen könne, so Lux.

Auch Spartenobmann Josef Bitzinger zeigt Verständnis für die Reaktion der Gastronomen. „Wasser ist eine Dienstleistung und eine Dienstleistung muss bezahlt werden. Das Glas muss gewaschen werden, zum Gast gebracht und abserviert werden. Oft kommt es vor, dass Gäste nur ein billiges Menü bestellen und ein Glas Wasser dazu. Das geht sich vom Umsatz her nicht mehr aus“, sagte er gegenüber der ORF-Sendung „Heute in Österreich“.

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Keine Empfehlungen an Gastronomen

Vonseiten der Fachgruppe gibt es zu dem Thema keine Empfehlung oder Richtlinie. Für Lux sei es jedoch klar, dass das Glas Wasser zum Kaffee ein fixer Bestandteil der Kaffeehauskultur sei und unaufgefordert serviert werden solle. Immer öfters erwarten Gäste auch zu alkoholischen Getränken ein Glas Wasser gratis dazu. „Bei Getränken wie Bier oder Wein ist das Glas Wasser in der Regel nicht vorgesehen“, erklärte der Fachgruppenleiter, weshalb hierfür auch in einigen Lokalen Geld verlangt wird.

Letztlich glaubt Lux jedoch, dass es nicht viele Lokale in Wien gibt, die Geld fürs Wasser verlangen. Allerdings könne man keine genauen Zahlen nennen. Anderen Quellen zufolge soll bereits jedes fünfte Lokal in Wien für Leitungswasser Geld verlangen. Viele Gastronomen klagen über die „Gratiskultur“ und den angeblichen Trend, ausschließlich Leitungswasser zu bestellen.

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