ÖBB entwickeln neue Piktogramme

Verloren im Wiener Hauptbahnhof? Über 20 verschiedene Piktogramme sollen in den Hallen, Gängen und Bahnsteigen für Orientierung sorgen. Dabei rückten die ÖBB jedoch von den europäischen Standards ab und schufen neue Symbole.

Was bedeutet ein Auge auf blauem Hintergrund? Für die ÖBB bedeutet dieses Piktogramm „Videoüberwachung“. Was bedeutet die Kombination aus Fragezeichen, Regenschirm und Handtasche? Antwort: „Fundbüro“.

An kaum einem anderen Ort finden sich so viele Piktogramme wie in einem Bahnhof. Über 20 verschiedene sind es im neuen Hauptbahnhof in Wien. Sie sollen Reisenden mit mangelnden Sprachkenntnissen Informationen etwa darüber vermitteln, wo sich die Schließfächer befinden, die nächste Telefonzelle oder Infostelle ist.

Informationshäppchen in kleiner Dosierung

Da der neue Hauptbahnhof „sehr komplex“ ist, müssen die Piktogramme laut ÖBB-Sprecher Michael Braun „snackable“ sein, es geht also um „aussagekräftige Informationshäppchen“. In einer Schildzeile dürfen sich maximal vier Piktogramme befinden. „Weil alles andere die Menschen überfordert und den Sinn von Piktogrammen ad absurdum führen würde“, so Braun.

Neutrales Symbol für Andachtsraum

Da am Hauptbahnhof viele unterschiedliche Verkehrsmittel und –linien unterwegs sind, war es laut den ÖBB notwendig, manche der Piktogramme zu verändern. Das Straßenbahnsymbol wurde mit der Linienbezeichnung „18“ und „O“ für den Südtiroler Platz oder „D“ für die Canettistraße erweitert. Ebenso ergänzt wurden die Busschilder mit den jeweiligen Nummern, etwa auf dem Südtiroler Platz mit „13A“ und „69A“.

Auch ein gänzlich neues Piktogramm wurde geschaffen, und zwar für den Andachtsraum. „Wir haben uns das vom Flughafen abgeschaut. Es ist ein international eindeutiges Symbol. Außerdem betreibt die Erzdiözese Wien den Raum interkonfessionell, daher kann man keine Kirche, keinen Altar oder Halbmond verwenden“, so Braun.

Zu sehen ist das Symbol erst in der großen Halle, aber noch nicht auf dem Bahnsteig. „Denn die Fahrgäste suchen nach dem Aussteigen eher einen Taxistand als einen Andachtsraum“, so Braun. Ähnlich verhält es sich mit dem Fundbüro. Damit nicht der gesamte Bahnhof mit Piktogrammen übersät wird, muss die die jeweilige Platzierung genau geplant werden.

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Eigene ÖBB-Farbe für bessere Wirkung

Prinzipiell gibt es für Piktogramme europaweit verbindliche Vorgaben der UIC, dem internationaler Eisenbahnverband mit Sitz in Paris. Das kleine „i“ steht zum Beispiel europaweit für „Information“. Abseits von Notfallhinweisen etwa auf Fluchtwege oder SOS-Rufsäulen können die Bahnunternehmen der verschiedenen Länder diese Vorgaben direkt verwenden - oder eben anpassen.

„Wir tun das und tauchen möglichst alle ÖBB-Schilder am Bahnhof in eine spezielle, dunkelblaue ÖBB-Farbe. Denn dadurch wird der Kontrast bei allen Lichtverhältnissen sehr stark und die weiße Schrift sehr gut lesbar. Das ist besonders für ältere, fehlsichtige Personen wichtig“, so Braun. Auch die Bahnbetreiber in Deutschland und der Schweiz verwenden Blau als Hintergrundfarbe, wenn auch ein anderes. In Frankreich wiederum haben die Piktogramme einen roten Hintergrund.

ÖBB Piktogramme

ÖBB

Die ÖBB-Piktogramme sollen auf Bahnhöfen Orientierung schaffen

Vielfalt an Symbolen

Im Gegensatz zu den ÖBB verwenden die Wiener Linien in Schwarz-Weiß gehaltene Piktogramme. Zu sehen sind diese - ebenfalls auf dem Hauptbahnhof-Gelände - bei den U-Bahn-Bahnsteigen, den Straßenbahnstationen und deren Zugängen. Überhaupt können im Hauptbahnhof viele bunte und unterschiedliche Symbole entdeckt werden, etwa bei den Rolltreppen oder Mistkübeln.

Wiener Linien Piktogramme

ORF

Wiener Linien Piktogramme

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Wiener-Linien-Piktogramme

Google hilft bei Orientierung

„Wir glauben schon, dass die Beschilderung gut gelungen ist – werden aber natürlich Adaptionen durchführen, sollten wir von den Fahrgästen Rückmeldungen erhalten, dass es dort oder da Unklarheiten gibt", so Braun. Vergangenen Herbst waren 73 Prozent der Fahrgäste mit der Wegeleitung auf Österreichs Bahnhöfen eher zufrieden. Heuer gab es noch keine ÖBB-Kundenbefragung.

Die Kundenzufriedenheit würde laut ÖBB auch an der Planung liegen. „Vor Inbetriebnahme neuer Bahnhöfe laden wir auch immer körperlich und geistig benachteiligte Menschen zum Test ein und lassen die Resultate einfließen“, so Braun. Damit sich junge Fahrgäste mit dem Smartphone im neuen Hauptbahnhof orientieren können, stehen „Google Indoor Maps“ zur Verfügung. Ansonsten helfen die ÖBB-Mitarbeiter am Infopoint. Gerade im Sommer zur Hauptreisezeit stehen auch zahlreiche Servicemitarbeiter bei den Fahrscheinautomaten für Fragen zur Verfügung.

Florian Kobler, wien.ORF.at

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