AUA-Mitarbeiter hielten Warnstreik ab

Das AUA-Bordpersonal hat am Flughafen Wien-Schwechat eine Betriebsversammlung und einen Warnstreik abgehalten. Rund 12.000 Passagiere waren von Flugausfällen betroffen. Nun soll mit der Geschäftsführung weiter verhandelt werden.

Der Antrag zum Warnstreik von 30 Minuten sei „aus der Mannschaft gekommen“, 1.200 von 1.200 anwesenden AUA-Mitarbeitern hätten für die Arbeitsniederlegung gestimmt, sagte vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz am Donnerstag zur APA. Die Betriebsversammlung wurde daher für eine halbe Stunde für den Warnstreik unterbrochen.

Gegen 14.00 Uhr ist die Betriebsverhandlung zu Ende gegangen. Weitere Beschlüsse in Richtung Streik habe es nach dem halbstündigen Warnstreik nicht gegeben, hieß es von Gewerkschaftsseite. Nun führe der nächste Schritt wieder an den Verhandlungstisch. In der Karwoche vor Ostern wird es jedenfalls keinen Streik mehr geben, sagte Schwarcz.

Kein neuer Streikbeschluss notwendig

„Wir hoffen, dass nächste Woche die Einladung zur Kollektivvertragsgesprächen kommt, die wir natürlich annehmen werden“, so Schwarcz. Die Erste Lösung wäre es nun, am Verhandlungstisch zu einer Einigung zu kommen. Auch AUA-Sprecher Peter Thier sagte am Nachmittag, das Unternehmen hoffe, „dass wir jetzt bald zum Verhandlungstisch zurückkehren“.

Zugleich ließ Schwarcz aber auch die Drohkulisse aufrecht. Die Betriebsversammlung wurde am Donnerstag nur unterbrochen. Das heißt, sie könnte innerhalb von 24 Stunden wieder einberufen werden. Auch haben die AUA-Bord-Mitarbeiter einstimmig grünes Licht für einen Streik gegeben - eine neuerliche Urabstimmung vor einem Streik wäre also nicht mehr nötig.

„Die Mitarbeiter haben die Gewerkschaft ermächtigt, dass wir die Arbeitskampfkarte ziehen können. Wir werden damit aber sehr verantwortungsvoll umgehen“, so Schwarcz. Man werde sicher nicht wegen einer Kleinigkeit einen Streik ausrufen.

Mehr Flugausfälle als geplant

Der Betriebsrat des AUA-Bordpersonals hatte die Mitarbeiter für 5.30 Uhr und damit früher als ursprünglich geplant eingeladen. Deshalb habe die AUA Mittwochabend und Donnerstag kurzfristig weitere 80 Flüge streichen müssen, so die Airline. Damit fielen am Donnerstag rund 40 Prozent der Flüge aus. Laut AUA-Chef Kay Kratky waren über 12.000 Passagiere von den Streichungen betroffen.

„Wir stehen euch morgen ab ca 5.30 zur Verfügung“, hieß es im Schreiben von Betriebsratsobmann Rainer Stratberger, und weiter: „Ein Rahmenprogramm verkürzt euch die Zeit bis zum Beginn der Betriebsversammlung.“ Vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz spielte das am Vormittag gegenüber der APA herunter. Es seien lediglich „einige Betriebsräte vor Ort“ gewesen, von einem Rahmenprogramm zu sprechen sei „weit übertrieben“. Die Flüge seien ausgefallen, „weil sie die Firma gestrichen hat“, das auf das Rahmenprogramm zu schieben sei „nicht angebracht“.

Die Gewerkschaft vida hatte im Februar grünes Licht für „gewerkschaftliche Maßnahmen“ bei der AUA gegeben. Diese reichten von Dienst nach Vorschrift über wiederholte Betriebsversammlungen bis hin zu Arbeitsniederlegung. Johannes Schwarcz hatte damals Streiks bei der AUA für „Mitte/Ende März“ für möglich gehalten, insbesondere auch für die reisestarke Urlaubswoche vor Ostern. Der erste halbstündige Warnstreik bei der AUA fand nun anlässlich der Betriebsversammlung statt.

AUA-Mitarbeiter hielten Warnstreik ab

Das AUA-Bordpersonal hat eine Betriebsversammlung und einen Warnstreik abgehalten. 12.000 Passagiere waren betroffen.

Geschäftsführung will Flexibilisierung

Auch die AUA-Firmenleitung hofft nun darauf, dass es mit Verhandlungen über den Kollektivvertrag weitergeht. Der Flugbetrieb normalisiere sich wieder, es werde bald wieder das volle Programm geflogen. Lediglich einzelne Rückflüge von am Donnerstag ausgefallenen Langstreckendestinationen würden am Freitag gestört sein.

Aus Sicht der AUA sei die Betriebsversammlung sichtlich darauf ausgelegt gewesen, den Betrieb zu stören, so Thier. Dabei habe die AUA klar signalisiert, zu Nachbesserungen, auch zu mehr Bezahlung, bereit zu sein, wenn es im Gegenzug zu einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit kommt, so Thier.

Man dürfe nicht vergessen, dass die neuen Konkurrenten auf dem Flughafen Wien um 30 bis 50 Prozent niedrigere Kosten haben. Insbesondere die ungarische Wizzair, die nun einige Flugzeuge in Wien stationiert, habe konzernweit osteuropäische Gehaltsstrukturen, die um 50 Prozent unter den Kosten der AUA lägen. Dass solche Unternehmen keinen Kollektivvertrag mit Konditionen wie bei der AUA oder Laudamotion abschließen werden, liege auf der Hand.

Ersatz für Versammlung Anfang März

Unter den Ausfällen befanden sich Verbindungen zwischen Wien und Amsterdam, Basel, Bologna, Berlin, Belgrad, Brüssel, Bukarest, Kairo, Kopenhagen, Düsseldorf, Frankfurt, Genf, Graz, Hamburg, Innsbruck, Kiew, Köln, Leipzig, London, Lyon, Mailand, Minsk, Moskau, München, Paris, Prag, Sofia, Stuttgart, Teheran, Tel Aviv, Venedig, Warschau, Zagreb und Zürich. Auch die Flüge nach Washington und Toronto fallen aus. Der Flug nach Newark hingegen habe aus Wettergründen abgesagt werden müssen. An der Ostküste der USA tobt gerade ein Schneesturm.

Die Betriebsversammlung ist jene, die bereits Anfang März stattfinden hätte sollen, dann aber krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt wurde. 10.000 Passagiere waren von den damals 140 gestrichenen Flügen betroffen - mehr dazu in Keine AUA-Versammlung: Trotzdem Flugausfälle.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

Radio-Wien-Reporter Ewald Wurzinger mit Passagieren auf dem Flughafen Wien-Schwechat

Wirtschaftskammer: Druck für Unternehmer

Die Wirtschaftskammer kritisierte Gewerkschaft und AUA-Betriebsrat für den Ablauf der heutigen Betriebsversammlung. Die Arbeitnehmervertretung schieße mit ihren Maßnahmen weit über das Ziel hinaus, so Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der WKÖ, in einer Aussendung.

Es würden nicht nur Flugpassagiere, das Unternehmen AUA und der Wirtschaftsstandort Österreich unter den Betriebsversammlungen bei der AUA leiden. „Auch und ganz besonders die Wirtschaft - jene Unternehmen, die mittels Luftfahrt ihr Business erledigen - kommen dadurch gewaltig unter Druck.“

„Insbesondere die sehr kurzfristige Vorverlegung der Betriebsversammlung auf die Frühflüge war offensichtlich darauf ausgerichtet maximalen Schaden anzurichten“, glaubt Klacska. „Auch die Tatsache, dass die Vorbesprechungen um 5.30 Uhr in den Dispatch-und Briefingräumen stattfanden, legt für Insider die Vermutung nahe, dass man jedenfalls sicherstellen wollte, dass möglichst alle Mitarbeiter davon erfasst werden.“

Link: