Sima verteidigt Tierhaltegesetz-Novelle

Mit der zwölften Novelle des Wiener Tierhaltegesetzes reagiert die Stadt auf den Tod eines Buben, der von einem Rottweiler gebissen worden war. Man habe versucht, das Gesetz so streng wie möglich zu machen, sagte Stadträtin Ulli Sima.

Die Stadt habe versucht, „eben dieses Gesetz so streng wie möglich zu machen“, sagte Sima im „Wien heute“-Studiogespräch mit Chefredakteur Paul Tesarek. Gemeinsam mit der Polizei sei ein sehr guter Entwurf ausgearbeitet worden, „wo wir noch einmal die Schrauben angedreht haben“. Aber eines ist klar, verglich Sima das Tierhaltegesetz mit der Straßenverkehrsordnung: „Wenn jemand stark alkoholisiert Auto fährt, dann wird der beste Führerschein, die beste Polizei nicht helfen, dass es zu keinem Unfall kommt.“

Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Gespräch mit ORF-Wien-Chefredakteur Paul Tesarek

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Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Gespräch mit ORF-Wien-Chefredakteur Paul Tesarek

Maulkorbgebot schon jetzt im Gesetz

Angesprochen auf ein von einem Dackel gebissenes Kleinkind bei einem Heurigen, betonte Sima, dass das Tierhaltegesetz diesen Unfall schon verhindern hätte können, denn: „In Wien in Gasthäusern, die auch öffentliche Orte sind, das haben wir extra noch einmal nachgefragt, ist auch jetzt schon ein Maulkorbgebot vorgesehen. Abgesehen davon ist jeder Hundehalter gut beraten, wenn er an Orten ist, wo viele Menschen sind, freiwillig einen Maulkorb anzulegen - aber wie gesagt, es ist auch schon gesetzlich vorgesehen.“

„Gut gefahren“ mit bisherigem Gesetz - fast immer

Die bisherige Linie der Stadt im Umgang mit Listenhunden sieht Sima durchaus positiv: „Wir haben uns bewusst als Stadt dafür entschieden ‚OK, wir definieren eine Liste von gefährlichen Hunden‘, weil das die Hunde sind, die potenziell einen sehr großen Schaden anrichten können.“ Damit sei man in Wien eigentlich gut gefahren, es habe keine schweren Unfälle mit Hunden gegeben - bis auf jenen mit dem kleinen Buben - mehr dazu in Nach Hundebiss: Bub gestorben.

Stadt verschärft Tierhaltegesetz

Tierschutz-Stadträtin Ulli Sima im Gespräch mit ORF-Wien-Chefredakteur Paul Tesarek zur Novelle des Tierhaltegesetzes.

Die Novelle setzt aber auch bei Hundehaltern an. Wer einen Listenhund halten will, braucht dazu einen Hundeführschein, „wo wir jetzt noch einmal nachschärfen", wie Sima sagte. So werde etwa den Prüfern sehr viel mehr an Kompetenzen zugestanden, das heißt sie können sagen: ‚Wir bestellen Sie noch einmal‘ oder ‚Ich möchte Sie in drei Monaten noch einmal sehen‘ oder ‚Sie müssen bitte zehn Stunden bei einem zertifizierten Hundetrainer machen‘.“

Damit setze man genau bei der Forderung an, dass auch die Hundebesitzer eine Schulung machen müssen. Auch die Prüfung selbst werde künftig strenger. Zudem hat auch die Polizei die Möglichkeit, Hundehaltern Nachschulungen bei Tiertrainern anzuordnen.

Kritik von Tierschutz-Organisationen

Kein gutes Haar lassen Tierschutzorganisationen an der Novelle. Es handle sich genau um jene Art von Anlassgesetzgebung, vor der man gewarnt habe, hieß es von Vier Pfoten: „Hier wurde leider das Pferd von hinten aufgezäumt“, so Kampagnenleiterin Martina Pluda. Bezweifelt wird, ob strengere Regeln und höhere Strafen für Halter von Listenhunden tatsächlich sinnvoll sind. Viel zu kurz komme etwa das Thema Aufklärung und es sei fälschlicherweise nur von Listenhunden die Rede: „Wir sehen das gerade aktuell am Fall des Dackels, der ein kleines Kind gebissen hat.“

Oft hätten derartige Vorfälle mehr mit dem Besitzer und seinem Mangel an Verantwortung für das Tier zu tun: „Das Problem sitzt eigentlich immer am anderen Ende der Leine.“ Vier Pfoten spricht sich für einen verpflichtenden Hundeführschein für alle Halter aus. Zugleich solle es Schulungen und Aufklärungskampagnen zum Thema Umgang mit dem Hund im öffentlichen Raum geben, hieß es. Die Bevölkerung wisse „einfach zu wenig über Hunde“.

Tierschutzverein: Gesetz erneut „verschlimmbessert“

Auch der Wiener Tierschutzverein kann den neuen Regeln wenig abgewinnen. Das Tierhaltegesetz sei ein weiteres Mal „verschlimmbessert“ worden, befand WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Sima verweigere sich konsequent dem sachlichen Diskurs mit Tierschutzvereinen. Die Stadträtin rühme sich damit, „streng“ durchgreifen zu wollen.

Wie dies in der Praxis aussehen solle, sei aber höchst fraglich, sagte Petrovic: „Wenn Wien eigentlich die Haltung von Hunden in der Stadt immer mehr erschweren oder gar unmöglich machen will und gleichzeitig eine sinnvolle österreichweite sichere Regelung boykottiert, so scheint das eher mit einer gewissen Trotzhaltung und dem Streben nach einer weiteren Polarisierung zu tun zu haben als mit echten Bemühungen in Richtung einer rücksichtsvollen und sicheren Mensch-Tier-Beziehung.“

Hundehalterverband reagiert mit offenem Brief

Mit einem offenen Brief an Sima reagierte der Österreichische Hundehalterverband: „Eine generelle Maulkorbpflicht und Leinenpflicht widerspricht aber einer artgerechten Hundehaltung. Die kleinen Hundezonen reichen für einen artgerechten Auslauf nicht aus“. 80 Prozent aller Hundebisse passieren demnach in privatem Umfeld, wo die neuen Auflagen nicht greifen.

Außerdem sei man nicht damit einverstanden, dass jetzt tausende Halter für das Versagen einer stark alkoholisierten Person einstehen müssten. „Gibt es in ihren Augen eine Art ‚Sippenhaft für Hundehalter‘ oder gar eine ‚hunderassistische Gesinnung‘?“, erkundigte sich der Verband bei der Ressortchefin.

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