Technisches Museum begegnet Technikängsten

In der Ausstellung „Arbeit und Produktion“ will das Technische Museum Wien Aufklärungsarbeit leisten und damit Technikängsten begegnen. In drei Abschnitten widmet sich die Ausstellung der Zukunft der Produktion.

„Wir kommen mit der neuen Ausstellung dorthin, wo das Technische Museum vor 100 Jahren war, als Innovationen ausgestellt wurden und die Leute kamen, um zu staunen und neue Entwicklungen zu sehen“, erklärte die Direktorin des Technischen Museums Wien (TMW), Gabriele Zuna-Kratky. Die Ausstellung soll die Zukunft der Arbeit präsentieren und mit dieser Aufklärungsarbeit auch Technikängsten begegnen.

Das Leben als „Prosumer“

In Kooperation mit dem Infrastrukturministerium war im Museum in einem dreistöckigen Einbau in der Energiehalle in den vergangenen zwei Jahren „Die Zukunft der Stadt“ zu sehen. Die Schau über Arbeit und Produktion ist der zweite des auf drei Teile ausgelegten Ausstellungsprojekts „weiter-gedacht“. Der neue Einbau ist ganz dem Thema industrielle Produktion gewidmet und zeichnet den Produktionsverlauf nach.

Im Erdgeschoß kann man sich schon ganz als „Prosumer“ - eine Wortschöpfung zusammengesetzt aus Produzent und Konsument - fühlen und sich vom Wohnzimmer aus individuell gestaltete Produkte bestellen. In den Stockwerken darüber arbeiten Roboter, scannen Bauteile oder ordnen bzw. holen Medikamente aus einem Lager. Auch Materialforschung wird thematisiert, etwa wie sich die Materialeigenschaften einer im 3-D-Druck hergestellten Metallkugel von denen ihres mit dem im konventionellen Verfahren produzierten Pendants unterscheiden.

Historische Entwicklung von Berufen

Der zweite Teil der Ausstellung nennt sich „In Arbeit“ und erweitert und aktualisiert einen bereits seit 2011 bestehenden Bereich der Dauerausstellung des Museums. Dort werden exemplarisch acht Berufe wie Buchdrucker oder Tischler in ihrer historischen Entwicklung anhand von Werkzeugen und anderen Exponaten präsentiert. Auf den Computer, der bei jedem davon wohl als aktuellster Entwicklungsschritt stehen würde, hat man verzichtet.

Als erweiterte Sinnesorgane werden die für die Produktion nicht mehr wegzudenkenden Sensoren dargestellt. Und aus dem reichen Fundus des TMW werden Produkte, Waren und Werkstoffe - auch aus außereuropäischen Herkunftsländern - als Beiträge zur Produktion gezeigt. Überraschend dabei etwa, dass Glasfasern keine rezente Erfindung sind, sondern bereits im 19. Jahrhundert in Venedig produziert wurden - quasi zur Übermittlung einer künstlerischen Botschaft.

Automatisierung in der Lagerung

Die Ausstellung zeigt, wie Roboter beispielsweise in Apothekenlagern helfen können.

Selbermachen im letzten Bereich

Der dem „Maker- und Repair-Movement“ gewidmete Teil dieses Ausstellungsbereichs leitet über zum völlig neuen „techLAB“, das künftig permanent Teil des TMW sein soll. In diesem interaktiven Workshop-Bereich stehen moderne Fertigungstechnologien und Maschinen wie 3-D-Drucker, Lasercutter und Schneideplotter zur Verfügung. Programmiert werden kann mittels Open-Source-Programmen. Ganz ohne Vorbildung, alleine oder in Workshops können Besucher hier kreativ sein und persönliche Produkte herstellen.

Von Donnerstag bis Sonntag ist das „techLAB“ am Nachmittag für alle geöffnet, an den Vormittagen ist es für Workshops reserviert. In einem FemTech-Forschungsprojekt soll im „techLAB“ untersucht werden, ob es unterschiedliche Maßnahmen benötigt, um Burschen und Mädchen in solchen Einrichtungen anzusprechen. Geplant sind zudem „Repair-Cafes“, um reparieren zu lernen.

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