Besucherandrang im KH Nord

Bei einem Tag der offenen Tür haben sich tausende Besucher am Samstag ein Bild vom Krankenhaus Nord gemacht. Am Montag startet der Testbetrieb des wegen Bauverzögerungen und Kostenüberschreitungen umstrittenen Spitals.

Es sei die einzigartige Gelegenheit, das vieldiskutierte Spital, vor der Inbetriebnahme zu besichtigen und sich selbst ein Bild zu machen - diese Werbung der Stadt Wien haben am Samstag tausende Besucher genutzt. „Modern eingerichtet“, „Super Gerätschaften“, „viel Grün, das ist für die Psyche wichtig“ lauteten Kommentare von Besuchern gegenüber Radio Wien.

Radio Wien-Reporter Ewald Wurzinger beim Tag der offenen Tür im Krankenhaus Nord

„Modernste Technik“ mit „hohem Qualitätsstandard“

„Es ist wichtig, dass die Menschen wahrnehmen können, was hier wirklich gebaut wurde“, meinte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gegenüber „Wien heute“. Er verwies auf 800 Betten in einem Spital „mit neuesten Methoden und neuesten Techniken“: „Aber alle Worte nutzen nichts, man muss es eben erleben.“

Besucherandrang im KH Nord

Das „Krankenhaus Nord“ ist zum Synonym für eine Skandal-Baustelle geworden. Zum Tag der offenen Tür sind rund 22.000 Menschen gekommen.

Die Eröffnung hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vorgenommen. „Es ist ein sehr hoher Qualitätsstandard, der nicht für Privatpatienten, sondern für alle zur Verfügung steht“, sagte Ludwig gegenüber „Wien heute“. Die Segnung nahm Kardinal Christoph Schönborn vor.

Neben den Vorstandsmitgliedern des Wiener Krankenanstaltenverbunds war auch die frühere Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsley beim Tag der offenen Tür.

Testbetrieb ab Montag

Bei den Rundgängen durchs Spital konnten etwa das Notfallzentrum mit dem Schockraum, die Tageskliniken und Ambulanzen, die Geburtenstation mit den Kreißsälen sowie einige Patientenzimmer begutachtet werden. Eine Begehung der Dachgärten war ebenso möglich. Angeboten wurden auch Vorträge zu populärmedizinischen Themen sowie eine Gesundheitsstraße.

Ab Montag startet im Spital der klinische Testbetrieb, dabei werden auch Personen im Haus sein, die Patienten mimen. Die Generalprobe sozusagen bevor dann im Juni die ersten Patienten einziehen und behandelt werden. Die nunmehrige „Klinik Floridsdorf“ verfügt über 16 Operationssäle und 800 Betten, die sich auf Ein- und Zweibettzimmer verteilen. 2.500 Mitarbeiter werden sich künftig um 17.000 Operationen, rund 250.000 Ambulanzbesuche und 46.000 stationären Aufenthalten pro Jahr kümmern.

Proteste vor Krankenhaus

Mitglieder der Initiative „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ protestierten am Samstag gekleidet mit grünen OP-Kappen und Schildern mit der Aufschrift „Energetiker 1 - Personal 0“ gegen das 2018 neu eingeführte Gehaltsschema.

Durch das neue Modell verdiene eine Krankenschwester mit über 20 Dienstjahren netto genau so viel wie neue Dienstkollegen, die von ihr eingeschult werden, wie eine Aktivistin gegenüber APA schilderte. Dadurch würden sich langdienende Pflegekräfte massiv benachteiligt sehen. Die Initiative hat sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesundheits- und Krankenpflege des KAV gebildet.

Protestaktion beim Tag der offenen Tür im Krankenhaus Nord

APA/Hans Punz

Proteste gab es gegen das 2018 eingeführt Gehaltsschema

Wehsely weist Verfehlungen zurück

Die Untersuchungskommission zu den Bauverzögerungen und Kostenüberschreitungen des Spitals geht dem Ende entgegen. In der nächsten Woche findet noch ein Termin statt, einen gemeinsamen Schlußbericht der Fraktionen wird es nicht geben.

Am Freitag sind die frühere Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und Ex-KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold zum zweiten Mal von den Mitgliedern der U-Kommission zum KH Nord befragt worden - mehr dazu in KH Nord: Wehsely „ohne Verfehlungen“.