Notre Dame: Exakte Messdaten für Wiederaufbau

Der Schock nach dem Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist groß. Laut dem Wiener Dombaumeister gibt es für den Wiederaufbau jedenfalls exakte dreidimensionale Vermessungen.

Was den Wiederaufbau für die Pariser Kathedrale anbelangt, meinte der Dombaumeister des Wiener Stephansdoms Wolfgang Zehetner, dass es für das Gebäude exakte dreidimensionale Vermessungen gebe: „Das weiß ich, weil wir ein gemeinsames Forschungsprojekt hatten.“ Die Unterlagen seien also da, „aber das Handwerk ist heute nicht mehr in dieser Qualität und in dem Ausmaß vorhanden“, gab der Experte zu bedenken.

Eventuell werde man aber schon demnächst Personal der Europäischen Dombaumeistervereinigung nach Paris entsenden. Gespräche mit Frankreich gebe es zwar noch nicht, aber immerhin erste Abstimmungen mit deutschen Kollegen, so Zehetner: „Möglich, dass wir auch einen Steinmetz aus Wien hinschicken.“ Ein Wiederaufbau wird „etliche Jahre dauern. Jahrzehnte glaube ich nicht. Man wird hier Kräfte mobilisieren. Als der Stephansdom noch mehr zerstört war, hat es sieben Jahre gedauert“, so Zehtner gegenüber „Wien heute“.

Wiederaufbau wird „etliche Jahre dauern“

Der Dombaumeister des Wiener Stephansdoms, Wolfgang Zehetner, glaubt, dass der Wiederaufbau „etliche Jahre dauern“ wird.

„Vielleicht ein Zeitraum um die zehn Jahre“

Notre Dame wieder zu errichten, sei zunächst eine wissenschaftliche Herausforderung. „Wissenschaftlich beginnt man damit, dass man alle Dokumente zusammensuchen muss, um eine Rekonstruktion zusammenzubringen“, so Manfred Wehdorn, der Leiter beim Wiederaufbau nach dem Brand der Wiener Hofburg 1992 war.

Danach müssten zahlreiche praktische Problemen gelöst werden. Er hält zum Beispiel einen Dachstuhl aus Stahl wie im Stephansdom für möglich. Weil die Konstruktion nicht sichtbar sei, sei sie auch weltkulturerbekonform. Eine Seriöse Schätzung zur Dauer für den Wiederaufbau sei schwierig, da die Schäden noch nicht im Detail bekannt sind, so Wehdorn. „Dass wir hier nicht von Jahren sprechen, sondern vielleicht von einem Zeitraum um die zehn Jahre, das ist glaube ich allen Fachleuten auch klar“.

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APA/AFP/Francois Guillot

Das Feuer war am Dienstag in der Kathedrale Notre Dame ausgebrochen

Glashistoriker: „Rekonstruktion ist machbar“

„Im Prinzip ist eine Rekonstruktion machbar“: Der österreichische Kunsthistoriker Günther Buchinger ist Experte für mittelalterliche Glasmalerei und nach der Brandkatastrophe von Notre Dame zuversichtlich, dass die verloren gegangenen Glasfenster der Kathedrale wieder hergestellt werden können - allerdings nicht mit dem originalen Material.

Durch die enorme Hitzeentwicklung sei das mittelalterliche Glas geschmolzen, nicht geborsten. „Das ist damit dann de facto verloren“, bedauerte Buchinger, der auch Sekretär des Corpus Vitrearum Österreich ist, eines Projekts zur mittelalterlicher und moderner Glasmalerei. Die Frage, ob man ein derart bedeutendes, historisches Kunstwerk überhaupt rekonstruieren solle, stelle sich dabei gar nicht: „Wenn man ein Objekt von diesem Rang hat, gibt es keine Diskussion. Bei solch einem Kunstwerk wird es so rekonstruiert, wie es war.“

„Weiß sehr genau, wie die Fenster aussehen“

Zum Glück seien in der jüngeren Vergangenheit die Fenster der Kathedrale ausgebaut und detailliert dokumentiert worden. „Man weiß deshalb sehr genau, wie die Fenster aussehen.“ Und heutzutage sei es sogar möglich, das mittelalterliche Farbenspiel, das auf einer speziellen chemischen Zusammensetzung beruhe, wiederzugewinnen: „Dieser Effekt ist mittlerweile rekonstruierbar.“ Dieser unterscheide sich substanziell von demjenigen, der in den Kirchen des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kam. Es gebe europaweit noch zwei Glashütten, die dieses mundgeblasene Glas herzustellen imstande sei - eine Frankreich und eine in Deutschland.

Schließlich sei Notre Dame vor allem für seine Glasarbeiten bekannt. „Das Aufreißen der Wände war der absolute Stilbruch von der Romanik zur Gotik“, so Buchinger. Dahinter steckte die Idee, aus der Kathedrale ein himmlisches Jerusalem zu machen: „Das farbige Licht ist eine Materialisierung dessen, was in der Apokalypse steht.“

Immerhin lassen erste Aufnahmen aus dem Inneren der Kathedrale vermuten, dass das Glashauptwerk, die berühmte Rosette mit ihren zwölf Metern Durchmesser und ihren markanten Blautönen, unzerstört geblieben sein könnte.

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