Das Selbstgespräch-Genie oder Wahnsinn

Warum führen wir Selbstgespräche? Kommunikationsexpertin Nana Walzer erklärt, worin sich der stille innere Dialog und das laute Selbstgespräch unterscheiden und ab wann Selbstgespräche bedenklich werden.

Im Selbstgespräch wollen wir uns einerseits an anstehende Dinge erinnern, wie etwa daran, was wir noch erledigen müssen - dann beten wir die Einkaufsliste runter, bis wir beim Supermarkt sind.

Sendungshinweis:

„Radio Wien am Nachmittag“, 14.6.2018

Andererseits formen sich auch neue Ideen im Selbstgespräch, sie sind also auch ein ganz praktisches Denkwerkzeug. Kleine Kinder tun es schon: Sie brabbeln und murmeln vor sich hin und Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die dies tun, schwierige Aufgaben besser lösen können.

Blonde Frau mit ihrem Spiegelbild

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Selbstgespräch zur Problemlösung

Dabei geht es besonders um das Ausformulieren von Problemen. Wir können zunächst noch Unklares dadurch strukturieren und in verschiedene Zusammenhänge stellen, aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Auch Konflikte können im Selbstdurchlauf mit etwas Distanz betrachtet werden.

Eine andere Variante ist hingegen das laute Schimpfen oder sich selber Runtermachen und Situationen-Kommentieren. Also beim Autofahren die anderen im eigenen, geschützten Innenraum anschreien oder sich selbst mit „Du Idiot“ bzw. eine Situation mit „Das wird doch eh nichts“ verurteilen.

Stiller Dialog und lautes Selbstgespräch

Worte haben Wirkung, seien es nun laut ausgesprochene oder leise gedachte. Sie bauen uns auf oder ziehen und runter. Sie motivieren, aktivieren und kräftigen uns oder sie untergraben das eigene Selbstwertgefühl. Auch können sie im Falle von Problemen und Konflikten entweder lösungsorientiert sein und Zuversicht vermitteln oder aber problemfokussiert sein und ein Reinsteigern in unangenehme Gefühle wie Wut, Angst oder Trauer bewirken.

Der Unterschied zwischen laut und leise liegt dabei nur in der Intensität. Was bloß gedacht wird, fällt uns selbst mitunter nicht einmal auf. Der innere Dialog bleibt oft unter der Wahrnehmungsschwelle, läuft automatisiert mit. Das gesprochene Wort hat da eher schon eine Chance, von uns selbst auch wahrgenommen zu werden.

Problematisches Selbstgespräch

Wer mit sich selbst Monologe führt, muss sich zunächst einmal keine Sorgen machen. Bedenklich wird es, wenn wir anfangen mit anderen, bloß vorgestellten Personen zu sprechen - etwa mit Verstorbenen - oder wenn wir eingebildete Stimmen hören und ihnen antworten. Solche Zustände können auf psychische Krankheiten hinweisen oder auch unter Drogeneinfluss auftreten. Das gesunde Selbstgespräch hilft hingegen sogar das Gedächtnis zu trainieren, sich selbst anzufeuern oder in stressigen Situationen zu beruhigen – ist also hilfreich und hilft uns, den Alltag zu meistern.

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Nana Walzer
Nana Walzer: „Die Kunst der Begegnung“